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Interview mit Murat Kalmis „Im Schlechtreden sind wir schon Bundesliga“

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 24.05.2016, 09:15 Uhr

Mehr als 500 Zuschauer, elf Tore und ein gut gelaunter Fußball-Zweitligist: Chef-Organisator Murat Kalmis, der das Event gemeinsam mit Manfred Imhoff und Robert Räther auf die Beine stellte, zieht nach dem Freundschaftsspiel am Sonntag zwischen der Stadtauswahl Delmenhorst und dem FC St. Pauli (1:11) Bilanz.

 Herr Kalmis, Sie waren während des Freundschaftsspiels ständig unterwegs und waren in Gespräche verwickelt. Wie fällt ihr Fazit aus?

Wir haben ein schönes Familienfest erlebt. Ich habe viele strahlende Kinderaugen und zufriedene Gesichter gesehen. Das war eine schöne Atmosphäre. St. Pauli ist nicht irgendein Kult-Klub, er lebt seine Werte auch vor. Das ist ein sehr bodenständiger, sympathischer Verein.

 Nicht zufrieden dürften Sie sicherlich mit der Zuschauerzahl gewesen sein?

Das stimmt. Wir hätten uns mehr Zuschauer gewünscht. Die Resonanz war sehr bedenklich. Wir haben 400 Karten verkauft, am Ende waren wohl zwischen 500 und 600 Fans im Stadion. Es war schade, dass gleichzeitig parallel Spiele stattgefunden haben.

 Sie sprechen es an: Der Termin wurde im Vorfeld von Vereinen, Funktionären und vor allem in den sozialen Medien zum Teil heftig kritisiert.

Ich wiederhole mich gerne: Den Termin hat St. Pauli vorgeschlagen. Bundesligisten haben einen eng getakteten Rahmen, in dem sie überhaupt für Freundschaftsspiele Zeit haben. Daran war nicht zu rütteln. Sonst hätten wir das Spiel wieder in den Oktober verschieben müssen. Das wäre dann wettertechnisch auch nicht so ideal gewesen. Dazu kommt im Stadion die Flutlichtproblematik. Wir müssen doch stolz darauf sein, dass St. Pauli sein letztes Spiel vor der Sommerpause ausgerechnet in Delmenhorst macht. Dieses Event hätten andere Vereine auch gerne veranstaltet. Stattdessen wird wieder alles kritisiert. Im Schlechtreden sind wir wirklich schon Bundesliga.

 Sie klingen noch immer leicht verärgert?

Ja, ich hätte mir in der Tat noch mehr Unterstützung aus dem Kreis der Fußballer gewünscht. Das war ein Spiel für Delmenhorst und für die Delmenhorster, ein Aushängeschild für die Stadt, keine kommerzielle Veranstaltung. Wir suchen in der Suppe immer nur nach Haaren. Den gemeinsamen Willen, Delmenhorst als gute Gastgeber zu präsentieren, vermisse ich.

 Obwohl im Stadion ein großes Gewusel herrschte, schien organisatorisch doch alles reibungslos geklappt zu haben. Oder täuscht der Einruck?

Nein. Wir sind zufrieden, wie es gelaufen ist. In dieser Hinsicht möchte ich mich auch beim SV Tur Abdin bedanken, der auf den Nebenplatz ausgewichen ist; beim DTB, dessen A-Jugend in der Organisation geholfen hat; und bei den Sponsoren, die dafür gesorgt haben, dass wir alle Kosten decken konnten.

 Zum Sportlichen: Wie fanden sie den Auftritt des „Team Delmenhorst“?

Ich war beeindruckt. Da standen Top-Fußballer auf dem Platz, vor allem in der Offensive. Wir haben sehr großes fußballerisches Potenzial in Delmenhorst. Das hat mir auch Ewald Lienben bestätigt. Er war total überrascht, dass ein Stürmer wie Marco Prießner nur in der Landesliga (beim TSV Oldenburg) und nicht höher spielt.

 Die Stadtauswahl-Spieler und die St.-Pauli-Fans schwärmten von dem Freundschaftsspiel. Haben sie schon andere Veranstaltungen geplant?

Das kann ich noch nicht sagen. Ich habe immer Projekte und Ideen im Kopf. Aber auch wegen der ganzen Kritik muss ich das Freundschaftsspiel erst einmal sacken lassen.