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Interview mit Tur-Abdin-Kapitän Daniel Karli: „Abstiegskampf schweißt uns zusammen“

Von Daniel Niebuhr | 10.03.2016, 09:55 Uhr

Daniel Karli, Kapitän des abstiegsbedrohten Fußball-Bezirksligisten SV Tur Abdin, spricht über die aktuelle Situation, sein Team und Trainer Andree Höttges.

Die Saison des SV Tur Abdin in der Fußball-Bezirksliga bleibt vielen ein Rätsel. Nach dem 1:3 gegen Frisia Wilhelmshaven am Sonntag liegen die Delmenhorster gerade noch über der Abstiegszone – nach Platz drei im Vorjahr ein Absturz, der schwer zu erklären ist. Kapitän Daniel Karli versucht es trotzdem und sendet im Interview vor allem eine Botschaft: Der Glaube an die eigene Stärke ist ungebrochen.

Herr Karli, haben Sie sich am Sonntagnachmittag auch gefragt, wie Sie dieses Spiel verlieren konnten? 

Allerdings.

 Wissen Sie es inzwischen? 

Es kam einiges zusammen. Wir haben geführt, aber der Elfmeter zum 1:1 hat uns aus dem Konzept gebracht.

 An dem waren Sie ja beteiligt. 

Das stimmt. Aber ich sage immer noch, dass das eine Fehlentscheidung war. Solche Dinge passieren natürlich, aber es passt auch zur Situation. So schlecht haben wir eigentlich nicht gespielt. Wenn dir Erfolgserlebnisse fehlen, dann verliert man solche Spiele plötzlich, die man letzte Saison wahrscheinlich gewonnen hätte.

 Woran liegt das? Ihr Trainer Andree Höttges hatte nach dem Wilhelmshaven-Spiel die Einstellung zum Fußball moniert. 

Ich weiß, was er meint. Das sind Dinge wie Trainingsbeteiligung, Pünktlichkeit und andere Kleinigkeiten. Diese Themen sind ja nicht neu. Die ärgern mich genauso. Vor allem weil ich schon Abstiegskampf mitgemacht habe und weiß, dass wir nur unten raus kommen, wenn wir uns den Arsch aufreißen. Wer da nicht mitzieht, der ist auch keine Hilfe.

 Der Trainer hat das ja nicht zum ersten Mal angeprangert. Haben Sie Angst, dass ihm die Lust vergeht, wenn es ewig so weitergeht? 

Das kann ich mir im Leben nicht vorstellen. Ich kenne Andree, er brennt darauf, mit dieser Mannschaft Erfolg zu haben. Er ist penibel und am Spielfeld manchmal grenzwertig vom Engagement her. Aber er ist menschlich ein Super-Typ, der uns schon viele Flausen ausgetrieben hat.

 Gerade in der Chancenverwertung hat man manchmal das Gefühl, eine gewisse Lässigkeit zu erkennen. Oder täuscht der Eindruck? 

Ich glaube, das ist das falsche Wort. Die Jungs wollen ja schon Tore schießen. Man muss auch vorsichtig sein, dass man nicht plötzlich Angst vor dem Abschluss hat. Das habe ich am Sonntag auch schon auf dem Feld gesagt. Es geht ja nicht um Geld, es ist nur Fußball. Wir machen das zum Spaß.

 Ein bisschen Druck ist nun aber da, oder? 

Natürlich stehen wir an einem kritischen Punkt. Letzte Saison hatten wir einen Lauf, dieses Mal ist es ein Anti-Lauf. Man darf die Gefahr auch nicht unterschätzen. Ohne Siege kommt man da nicht raus, da kann man noch so viel Talent im Kader haben. Wer nicht gewinnt, steigt ab – ob das Bayern München ist oder Tur Abdin. Ich persönlich glaube aber, dass wir am Ende nicht abstiegen.

 Was macht Sie da optimistisch? 

Wir hatten Verletzte, die nun zurückkommen. Außerdem ist die Qualität in unserem Kader höher als bei vielen anderen. Und ich kenne die Charaktere in unserem Team. Irgendwie finde ich es sogar interessant, dass wir jetzt mal in einer kritischen Situation sind. Das schweißt uns noch mehr zusammen.