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Irres Bezirksligaspiel TSV Ganderkesee bezwingt den TV Esenshamm mit 6:4

Von Lars Pingel | 16.05.2016, 23:26 Uhr

Der TSV Ganderkesee hat ein denkwürdiges Bezirksligaspiel gewonnen: Die abstiegsbedrohten Fußballer gewannen gegen den TV Esenshamm mit 6:4. Sie hatten schon mit 3:0 geführt, lagen dann sechs Minuten vor Schluss aber mit 3:4 hinten.

Daniel Lachmund stand am späten Sonntagnachmittag an der Mittellinie des Hauptplatzes der Anlage des TSV Ganderkesee am Immerweg und lächelte. Er dürfte sehr nah an seinem Ruhepuls gewesen sein, als er sagte: „Wenn wir runter gehen, dann mit wehenden Fahnen.“ Der Trainer der Fußballer des TSV sprach ganz gelassen über eine denkwürdige Bezirksliga-Partie, die sich seine Spieler mit dem TV Esenshamm geliefert hatten. Diese ließ eigentlich einen Pulsschlag von mindestens 210 und adrenalingetränkte Euphorie erwarten. Mit einem 6:4 (3:0) hatten sich die Ganderkeseer vor 120 Zuschauern die Chance erhalten, den Abstieg zu verhindern. Auf dem Weg dorthin verspielten sie eine 3:0-Führung und lagen sechs Minuten vor Schluss in Überzahl mit 3:4 in Rückstand. „Das ist unfassbar“, fand auch Lachmund. „Aber das machen die Jungs ja schon die ganze Saison mit mir.“ Wobei, das gab der TSV-Trainer dann doch zu, so ein Spiel hatte er „schon ganz lange nicht mehr erlebt“.

TSV spielt vom Anpfiff an engagiert

Lachmunds Mannschaft ging die für sie so wichtige Partie engagiert und mutig an, spielte vom Anpfiff an auf Sieg. Da aber auch der ebenfalls stark abstiegsgefährdete TVE zunächst zeigte, dass er nicht zum Verlieren nach Ganderkesee gekommen war, erlebten die Zuschauer eine turbulente Anfangsphase mit klaren Chancen, die von den starken Torhütern Christian Klattenhoff (TSV) und Marvin Wieting aber vereitelt wurden.

Ganderkeseer vergeben viele Torchancen

Dann bekam der TSV das Geschehen in den Griff. Das Team gewann die große Mehrzahl der Zweikämpfe, sodass die Offensivbemühungen der Gäste harmlos wurden. Das Mittel, mit dem die Ganderkeseer aus ihren Ballgewinnen viele klare Torchancen machten, war einfach, aber effektiv: lange Pässe hinter die Viererkette des TVE. Die eigene Abschlussschwäche und der starke Wieting, der in der 59. Minute verletzt ausgewechselt werden musste, verhinderten, dass das TSV-Team schon zur Pause als Sieger feststand. Denn nur Nakip traf. Er verwandelte den Nachschuss eines von ihm getretenen und abgeblockten Freistoßes aus 16 Metern. Das Versäumte holten die Ganderkeseer nach der Pause nach: Jannik Schrank (49.) per Kopf, und Christoph Stolle (54.), der einen Patzer von TVE-Abwehrspieler Hannes Hartfil nutzte.

Esenshamm schießt drei Tore in sieben Minuten

Der TVE war besiegt, scheinbar. Doch eine gute Kombination drehte das Spiel für 20 Minuten komplett. Norman Preuß schoss das erste TVE-Tor (64.). Plötzlich gelang den Ganderkeseern nichts mehr. Sie wurden nervös, jeder TVE-Angriff stellte sie vor unlösbare Probleme. Preuß traf aus 20 Metern (67.), Ahlhorn per Kopf (71.) – 3:3.

Norman Preuß verwandelt Elfmeter für den TVE

Selbst die Rote Karte gegen Hartfil schien den TVE nicht mehr aus der Bahn werfen zu können. Der hatte Michael Eberle, der auf das Tor zulief, am Trikot festgehalten (77.). Eine Entscheidung von Schiedsrichter Mirko Kornau, die die Esenshammer in Rage brachte, allerdings vor allem wegen einer anderen 70 Minuten zuvor. „Das war klar Rot“, sagte TVE-Trainer Wolfgang Rohde. „Genau wie beim ersten Mal, da gab es aber nur Gelb.“ Der TSVer Sascha Reepel hatte den enteilenden TVE-Stürmer Bünyamin Kapakli aufgehalten.

Der entwischte der TSV-Abwehr in der 83. Minute noch einmal, Klattenhoff foulte ihn beim Versuch zu klären. Preuß verwandelte den Elfmeter (84.).

Patrick Meyer erzielt das 4:4

Der Abstieg des TSV schien so gut wie besiegelt. Doch wieder war es eine Kombination, die die Wende brachte. 60 Sekunden später. Der eingewechselte Sven Apostel bediente Patrick Meyer – 4:4. Und dann spielte der TSV wieder so wie bis zur 64. Minute. Der ebenfalls eingewechselte Robin Ramke kam nach einem langen Pass an den Ball, der etwas übermotivierte zweite TVE-Torwart Florian Büsing holte ihn im Strafraum von den Beinen. Dariusch Azadzoy hämmerte den Ball in den rechten Winkel (87.). Ein prima Konter, den Stolle abschloss, setzte der Partie – aus TSV-Sicht – die Krone auf.

TSV spielt noch gegen Heidmühle und den SV Atlas

Der TSV (27 Punkte) bleibt auf einem Abstiegsplatz. Er ist 14.; ein Zähler fehlt zum rettenden Rang 13. Schlusslicht Esenshamm liegt fünf Punkte dahinter, bestreitet aber noch vier Spiele. „Wir treffen auf zwei Gegner, die sich gewaschen haben“, sagte Lachmund zu den Aussichten seines Teams. Es erwartet am Sonntag, 22. Mai, 15 Uhr, den Tabellenvierten, den Heidmühler FC, und tritt dann am Freitag, 27. Mai, 19 Uhr, beim schon als Meister feststehenden SV Atlas an.