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Jahn-Obmann hofft auf Gespräche Ein Appell zur Kooperation im Delmenhorster Fußball

Von Daniel Niebuhr | 02.07.2015, 19:30 Uhr

Abteilungsleiter Marco Castiglione vom TV Jahn will die Delmenhorster Klubs an einen Tisch holen. Es geht um den Abbau von Klischees und gemeinsame Ziele.

Am Abend vor dem Junior-Super-Cup Mitte Juni bekam Marco Castiglione einen Anruf vom Delmenhorster TB. Dem Ausrichter des hochkarätigen Jugendturniers, so erzählte man ihm, fehlte ein Tor auf seiner Anlage. Der Fußball-Abteilungsleiter des TV Jahn wusste Rat und lieh dem DTB spontan eines aus. Kein Problem, meint er, unter Fußballern macht man das so.

Allerdings funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Delmenhorster Vereinen nicht immer so unkompliziert. Weil in der Szene „viele Klischees umgehen“, wie er meint, will Castiglione nun ein Treffen mit möglichst allen Delmenhorster Vereinen arrangieren, um über Kooperationen zu sprechen und Vorurteile auszuräumen. „Ich will hier nicht die Moralkeule schwingen. Auch mein Verein hat viel falsch gemacht“, sagt er. „Aber an vielen Fronten haben alle die gleichen Interessen. Da müssen wir uns absprechen, um auch vor der Politik mit einer Stimme zu sprechen.“

Kritik an „Söldnerkultur“

Besonders die „Söldnerkultur“ hat den Jahn-Obmann erschreckt. Das Abwerben von Spielern, speziell kurz vor Ende der Wechselfrist hat sich auch in unteren Klassen längst eingebürgert. Die Szene, meinte Manager Stefan Keller vom Bezirksligisten SV Tur Abdin jüngst, sei in dieser Hinsicht verseucht. Den Jugendbereich kann man da bereits miteinschließen, auch hier wird mit harten Bandagen gekämpft, wie Castiglione feststellt: „Teilweise ist das nicht verantwortungsbewusst.“

Castiglione verteidigt SG

Den Versuch, die Delmenhorster Szene enger zusammenzuführen, ist nicht neu und brachte selten mehr als Frust ein. Die Jugendspielgemeinschaft zwischen Jahn, dem TuS Hasbergen und dem inzwischen ausgetretenen DTB bot mit den Abstiegen der A- und B-Junioren aus den Landesligen nicht das beste Beispiel. Allerdings will sich Castiglione die Idee der SG nicht kaputtreden lassen: „Immerhin zeigen wir, dass man zusammenarbeiten kann. Viele der jungen Spieler haben auch einiges gelernt, was man nicht an Tabellen ablesen kann.“

Kunstrasen und Flüchtlinge gemeinsame Themen

Eine Zusammenarbeit bei bestimmten Problemen kann tatsächlich mehr bringen als Alleingänge. Themen wie ein Kunstrasenplatz in der Stadt oder die Integration von Flüchtlingen würden alle Klubs angehen, meint Castiglione: „Bei Flüchtlingen zum Beispiel muss man sich untereinander helfen, damit sich keiner übernimmt. Natürlich muss man da auch Kompromisse machen.“ Das gelte auch für den Kunstrasen, der für Castiglione im Stadion am meisten Sinn machen würde. Er will in drei Wochen zu einer gemeinsamen Gesprächsrunde der Abteilungsleiter einladen, sieht sich selbst aber nicht als Frontmann einer Friedensbewegung: „Ich möchte etwas initiieren. Aber wer da letztlich im Vordergrund steht, ist mir egal.“