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Jahnz: „Bunt und international“ In Delmenhorst leben Menschen fast aller EM-Teilnehmer

Von Daniel Niebuhr | 17.06.2016, 13:52 Uhr

Das größte Fußball-Fanpotenzial in Delmenhorst haben die Türken: 2409 Menschen mit türkischem Pass leben in der Stadt. Der belgische Autokorso würde dagegen gerade einmal einen Kleinwagen vollbekommen.

Den Entdeckergeist der Isländer darf man mit Recht legendär nennen. Im Jahr 1000 betrat Leif Eriksson als erster Europäer Amerika, später handelte das Land mit der halben Welt – und jüngst fielen knapp 30000 Fans von der Vulkaninsel zur Fußball-EM in Frankreich ein, das sind fast zehn Prozent der Bevölkerung. Nach Delmenhorst verschlägt es Isländer aber eher selten, und wenn, dann bleiben sie nicht lange. Nach dem neuesten Stand hat jedenfalls kein Einwohner der Stadt einen isländischen Pass.

Delmenhorst als schwarzer Fleck auf der Karte der isländischen Welterkundung – das ist erstaunlicher als es zunächst klingen mag. Denn damit ist das Land vom Polarkreis einer der wenigen Europameisterschafts-Teilnehmer, der in der Delmenhorster Bevölkerung nicht vertreten ist.

Delmenhorst ist EM

Menschen aus nahezu allen EM-Staaten leben in der Stadt, bei der genauen Zahl werden die Waliser und Nordiren zum Problem, die zusammen mit den Engländern – und den nicht qualifizierten Schotten – in den Listen einfach als Briten geführt werden. Menschen aus 20 der restlichen 21 Länder, die in Frankreich um den Titel kämpfen, leben in Delmenhorst – nur die erwähnten Isländer nicht. Man kann also mit Recht behaupten: Delmenhorst ist EM. Oder, wie Oberbürgermeister Axel Jahnz es ausdrückt: „Delmenhorst ist bunt und international – und darauf dürfen wir stolz sein.“

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Nicht ganz unerwartet bilden die Türken die größte Gruppe, 2409 Menschen mit türkischem Pass sind Delmenhorster. Vor 20 Jahren waren es noch fast 1400 mehr, was allerdings auch in etwa die Zahl türkischer Bürger ist, die in Delmenhorst seitdem eingebürgert worden ist. In der Stadt gibt es mit RW Hürriyet, dem SV Baris und dem KSV Hicretspor drei türkische Vereine; Hürriyet ist mit dem Gründungsjahr 1976 sogar einer der ältesten türkischen Clubs in Deutschland.

Polen und Rumänen haben das zweitgrößte Fanpotential

Das zweitgrößte Fan-Potenzial haben die 1410 Polen in der Stadt, ihre Zahl hat sich seit 2011 mehr als verdoppelt. Sie hofften am Donnerstag darauf, dass ihre Elf im Gruppenspiel den Deutschen ein Bein stellt.Die drittgrößte Fan-Gruppe in der Stadt bilden die 607 Rumänen, die weiterhin hoffen, dass sich ihr Team noch für die K. o.-Phase qualifiziert. Dahinter folgen die 282 Russen, die sich sicherlich fragen, warum ihr Land bislang sportlich und auch abseits der Fußball-Stadien so eine schlechte Figur abgibt. Völlig aus dem Häuschen dürften am Donnerstag dagegen die Engländer unter den 64 Briten nach dem Last-Minute-Sieg im Prestigduell gegen den Erzrivalen Wales gewesen sein.

Hier finden Sie eine Übersicht der öffentlichen Public Viewings in Delmenhorst und Umgebung

Manche Nation würde im Falle eines EM-Titels beim Autokorso in Delmenhorst allerdings nicht einmal einen Kleinwagen voll bekommen. Sollte zum Beispiel Geheimfavorit Belgien am Abend des 10. Juli in Paris den EM-Pokal gewinnen, müssten die Bürger nicht unbedingt um ihre Nachtruhe fürchten – in der Stadt leben nämlich nur genau vier Belgier. Insgesamt leben Menschen aus mehr als 100 Ländern und von allen fünf Kontinenten in Delmenhorst. (Weiterlesen: Was Fußball-Fans beim Autokorso beachten müssen)

Jahnz freut sich über „unglaublich viele Kulturen“

Von den 32 WM-Teilnehmern 2014 waren übrigens auch immerhin 28 in der Stadt vertreten. „In Delmenhorst, aber auch in den Gemeinden drumherum stecken unglaublich viele Kulturen, das macht das Leben hier auch interessant“, sagt Jahnz.

Er vermutet übrigens, dass am Ende der EM Spanien den Titel verteidigt. „Dieses Team spielt den geduldigsten Fußball und ist in allen Mannschaftsteilen gut besetzt“, findet der Oberbürgermeister. Die 55 Delmenhorster Spanier wird es freuen.