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Ju-Jutsu Delmenhorster TB legt Schwerpunkt auf den Breitensport

Von Lars Pingel | 07.05.2017, 13:46 Uhr

In der Ju-Jutsu-Abteilung des Delmenhorster TB stehen die Selbstverteidigung und der Breitensport im Mittelpunkt. Außerdem richtet sie immer wieder Fortbildungsveranstaltungen wie das Bundesseminar „Realistische Selbstverteidigung in Theorie und Praxis“ aus.

„Es ist auch ein Sieg, einfach wegzulaufen“, sagt Günter Beier, wenn er von Selbstverteidigung spricht. Beier, der in Altlußheim in Baden-Württemberg lebt, trägt den 6. Dan Ju-Jutsu. Der dazu gehörige Gürtel ist rot-weiß, er wird nach den schwarzen Gürteln verliehen. Beier war als Wettkämpfer auf nationaler und internationaler Ebene erfolgreich. In der Halle an der Annenstraße in Delmenhorst hörten ihm 84 Kampfsportler aus ganz Norddeutschland zu, vom Anfänger bis zum Großmeister. Er war auf Einladung der Ju-Jutsu-Abteilung des Delmenhorster TB in die Stadt gekommen, die für den Deutschen Ju-Jutsu Verband (DJJV) in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Verband (NJJV) ein Bundesseminar mit dem Thema „Realistische Selbstverteidigung in Theorie und Praxis“ ausrichtete.

Training unter realitätsnahen Bedingungen

Dem Referenten ging es darum zu zeigen, dass das Ju-Jutsu-Training dazu dienen kann, Gewalt zu verhindern. „Ich muss lernen, auch in kritischen Situationen die Übersicht zu behalten, Fluchtmöglichkeiten zu erkennen und mein Ego zu kontrollieren“, erzählte Beier. Dafür sei körperliche Fitness „die Grundvoraussetzung“, sagte er. Die Anwendung der Ju-Jutsu-Techniken zur Selbstverteidigung sollte erst das letzte Mittel sein. All das könne trainiert werden, indem möglichst realitätsnahe Bedingungen geschaffen werden, zum Beispiel durch Alltagskleidung und die Vorstellung und Vermittlung von realistischen Handlungszenarien in Theorie und Praxis. „Ich muss mich konditionieren“, sagte Beier. „Der Hauptgegner ist mein eigener Körper. Je höher der Stress, umso selbstständiger handelt er. Durch Training kommt die Funktionalität zurück.“ Der Erwerb von bestimmten Graduierungen oder gar der Wettkampf spiele in diesen Einheiten keine Rolle.

Es war kein Zufall, dass die Ju-Jutsu-Abteilung des DTB ein Seminar zu diesem Thema und mit diesem Referenten ausrichtete. Sie zielt mit ihrem Angebot vor allem auf Breitensportler ab, im Mittelpunkt steht die Selbstverteidigung. „Das ist das Hauptziel“, bestätigte Frank Hörschgen, der die Abteilung 1999 gegründet hat. „75 Prozent der 56 Mitglieder sind zwischen sechs und 14 Jahre alt“, erzählte Hörschgen. Sie trainieren ebenso regelmäßig wie die Erwachsenengruppe mit Sportlern zwischen 23 und 56 Jahren. Trotz ihres Schwerpunkts bietet die Abteilung auch die Möglichkeit, für Gürtelprüfungen zu üben und sie abzulegen. „Und wir haben auch eine kleine äußerst aktive Wettkampfgruppe“, erzählte Hörschgen. Ihr gehören Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren an. „Sie sorgen mit ihren Erfolgen für viel öffentliche Aufmerksamkeit“, lobte der Abteilungsleiter.

Ju-Jutsu ist eine Kampfsportart, die 1969 in Deutschland entwickelt und eingeführt wurde, erklärt der DJJV auf seiner Internetseite. Sie besteht aus Verteidigungstechniken, die verschiedenen altbewährten Budosystemen entnommen wurden. Frank Hörschgen hat 1977 angefangen, Ju-Jutsu zu erlernen, erzählte er.Günter Beier, 6. Dan Ju-Jutsu, leitete das Bundesseminar „Realistische Selbstverteidigung in Theorie und Praxis“. Ausrichter war der Delmenhorster TB. Foto: Lars Pingel

Spezielle Angebote in Kursen

Sechs Trainer, die alle lizensiert sind „und sich ständig weiterbilden“, leiten die Übungseinheiten der DTB-Sportler, berichtete Hörschgen. „Sie werden außerdem für spezielle Bereiche ausgebildet“, ergänzte Pressereferent Eyk-Peter Sander. Auch dafür dient ein Seminar wie das mit Günter Beier. Einer der speziellen Bereiche ist die Selbstverteidigung für Frauen. Ein anderer, dessen Name Sander und Hörschgen nicht so ganz gefällt, ist die Seniorenselbstverteidigung. „Wir sprechen von der Altersklasse Ü 45“, erklären sie schmunzelnd ihre Vorbehalte gegen die Bezeichnung. Die Nachfrage danach sei steigend, sagten Beier und Hörschgen. Diese Angebote macht der DTB vor allem in Kursform, also für eine begrenzte Zeit – neben seinen festen Gruppen. „Ziel ist es schon, daraus regelmäßige Gruppen werden zu lassen. Dass das noch nicht gelungen ist, muss man zugeben“, sagte Hörschgen.

Selbstvertrauen wächst

In den speziellen Kursen, erklärte Sander, geht es wie in dem Bundesseminar darum, zu üben, kritische Situationen nicht entstehen zu lassen oder ihnen zu entkommen. Die Techniken, die dort vermittelt würden, seien sehr effektiv, um auch körperlich überlegene Angreifer abwehren zu können. Das sei auch ein Ziel der Breitensportler, die regelmäßig üben. Das Training hätte zudem zur Folge, dass „Beweglichkeit und Ausdauer verbessert und letztlich auch das Selbstvertrauen gesteigert werden“, erklärte Sander.

Lob an Mitstreiter und Helfer

Die Organisation und Ausrichtung von Lehrgängen bilden einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit der Ju-Jutsu-Abteilung im DTB. So soll es auch bleiben. „Das geht aber nur, weil wir viele Leute haben, die das ehrenamtlich machen“, lobte Hörschgen seine Mitstreiter und Helfer. Ziel sei es, regelmäßig Referenten nach Delmenhorst zu holen, „die etwas Besonderes zeigen können“. Davon würden die Mitglieder, aber auch „alle anderen Ju-Jutsuka profitieren“. Die Veranstaltungen könnten, beispielsweise, zur Verlängerung von Übungsleiterlizenzen genutzt werden. Sie werden auch zum Erwerb von Graduierungen benötigt oder sie helfen einfach nur, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Dafür muss es nicht unbedingt immer ein Bundeslehrgang sein, der besonders hohe Anforderungen an die Organisatoren stellt, den der DTB ausrichtet. Auch vereinsinterne Erste-Hilfe-Lehrgänge gehören zum Programm.