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Jugendarbeit der Bezirksligisten Atlas, Tur Abdin und das zähe Ringen um den Nachwuchs

Von Daniel Niebuhr | 19.06.2015, 09:00 Uhr

Die Jugendarbeit beim SV Atlas ist für B-Jugend-Trainer Dirk Musiol und sein Team trotz Meisterschaft strapaziös. Tur Abdin meldet sich mit einer C-Jugend in der Nachwuchsarbeit zurück.

Im Sommer, das ist vielerorts so üblich, werden die Fußballplätze schnell nach dem Saisonende gesperrt. Der Rasen soll die seltene Gelegenheit nutzen, sich von den fußballerverursachten Strapazen zu erholen, wenn auch nur für einige Wochen. Dass die Stadt Delmenhorst auch dem Hauptplatz des Stadions Kurzurlaub verordnet hat, ist für die B-Jugend des SV Atlas doch ein wenig ärgerlich, denn so bleibt dem Blau-Gelben Nachwuchs ein Highlight verwehrt. Die Mannschaft von Dirk Musiol ist bereits Meister der 1. Kreisklasse, für das letzte Spiel gegen die SG JDH Delmenhorst III am Samstag hat sich der Atlas-Fanklub Block H angekündigt, der seine Gesänge dann allerdings über die Nebenplätze schmettern muss.

Meister im Durchhalten

Auch ohne Tribüne wird Trainer Musiol den Nachmittag genießen und vermutlich einmal durchschnaufen, wenn er vorbei ist. Für das Atlas-Urgestein und seine Mannschaft geht eine Saison der Quälerei mit einer Meisterschaft zuende, die für den Verein doch nur ein schöner Zusatz ist. Die Hauptsache war: Das Team hält durch.

Julian Musiol soll bei den Herren mittrainieren

Für Atlas ist die B-Jugend ein Schlüsselstück in der Gesamtplanung: Es ist die einzige Jugendmannschaft der Jahrgänge C oder älter – mindestens eine ist als Voraussetzung für die Herren-Landesliga vorgeschrieben. Das Jahr, das Musiols Junioren erlebten, verdient wohl ebenso viel Respekt wie der zweite Bezirksligaplatz der Herren. In der Hinrunde musste das Team regelmäßig in Unterzahl auflaufen und kassierte teilweise brutale Klatschen. „Dann musste ich die Jungs wieder aufrichten. Ich ziehe meinen Hut davor, dass alle dabei geblieben sind“, erzählt Musiol. Glücklicherweise bekam er in der Winterpause einige Spieler dazu und kann nun mit einem jungen 15er-Kader arbeiten, der in der Rückrunde alle zehn Spiele gewann. „Das macht jetzt Spaß. Alle sind heiß“, erzählt er. Zentrale Figur ist sein 16-jähriger Sohn Julian, der bei der ersten Herren mittrainieren soll: „Das macht mich stolz.“

Klage über mangelnde Wertschätzung

Allerdings will Musiol sich und seinem Team eine erneute Zittersaison ersparen. Einige Spieler rücken in die A-Jugend auf; sollten nicht genügend B-Jugendliche zu Atlas wechseln, müsste der restliche Kader mit in die höhere Altersklasse genommen werden. Dann würden Akteure aus dem Jahrgang 2000 schon bei den A-Jugendlichen auflaufen. Musiol hätte davor keine Angst, dennoch macht er keinen Hehl daraus, dass die Wertschätzung des Vereins nicht immer wunschgemäß ist. „Manche ahnen nicht, wie wichtig der Nachwuchs ist. Wir können noch so viele gute Herrenspieler holen – wenn die Jugend abgemeldet wird, nützt das alles nichts“, sagt er.

Abdins C-Jugend ist angemeldet

Vielleicht tröstet es ihn, dass der Stadt- und Ligarivale ebenfalls um den Aufbau einer Jugendabteilung kämpft. Der SV Tur Abdin hat die Landesliga zwar nicht als kurz-, wohl aber als langfristiges Ziel, Kapitän Daniel Karli kämpft um den Aufbau einer C-Jugend zur neuen Saison. Innerhalb eines halben Jahres hat er 14 Jugendliche rekrutiert, etliche davon hatte er bereits vor zweieinhalb Jahren unter seinen Fittichen, ehe er aus beruflichen Gründen aufhörte und die Spieler sich in alle Winde verteilten. Viele kehren jetzt zurück, auf jeden Fall genug, um eine Mannschaft zu melden. „Da haben wir schon Fakten geschaffen“, sagt Karli, der mit Lucas Matta und Ninos Yousef zwei Mitstreiter aus der aramäischen Gemeinde gefunden hat. Man könne nur schrittweise etwas aufbauen, meint er: „Irgendwo muss man anfangen. Eine Jugendabteilung ziehst du nicht an einem Tag hoch. Aber der Verein wird davon profitieren.“