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Kaum Basketballer im Kreis Das Schattendasein der Basketballer

Von Daniel Niebuhr | 28.01.2015, 22:00 Uhr

Nirgendwo im Weser-Ems-Gebiet gibt es so wenige Basketballer wie im Landkreis Oldenburg. Nur die Bezirksligisten TV Hude und SC Wildeshausen vertreten den Kreis.

Hude/Wildeshausen. Viel ist nicht los am Sonntag zur Mittagszeit. Zehn Schaulustige haben sich in die kleine Grundschulhalle in Hude verirrt, um sich ein Basketball-Bezirksligaspiel anzusehen: Der TV Hude spielt gegen die SG Cleverns-Sandel, Abstiegskampf in der achten Liga. Die Handvoll Gäste-Anhänger macht zwar erstaunlich viel Rabatz, muss aber trotzdem enttäuscht nach Hause fahren. Die Huder gewinnen mit 74:52 und feiern ihren Überraschungssieg mit kalten Getränken an ihrer Auswechselbank. „Das beste Spiel in dieser Saison“, findet Spielertrainer Marc-Brian Diesselberg und klatscht seine Teamkollegen ab.

Abstieg oder Klassenerhalt? Hauptsache zusammen

Viel Grund zum Anstoßen hatten die Huder zuletzt wahrlich nicht. Acht der elf Spiele in dieser Saison haben sie verloren, die „Hurricanes“ stecken wie in der Vorsaison im Tabellenkeller. So richtig Sorgen macht sich aber offenbar keiner, Center Björn Müller verschafft der Gedanke an den Abstieg jedenfalls keine schlaflosen Nächte: „Wenn’s passiert, passiert’s. Wir sind eine eingeschworene Truppe, die Liga ist da nicht so wichtig.“

Wildeshausen liegt knapp vorne

Ob Bezirksliga oder Bezirksklasse – einen Status kann den Hudern keiner nehmen: Sie werden auch in dieser Saison mindestens das zweitbeste Basketball-Team des Kreises bleiben, was aber kein großes Kunststück ist. Denn im Landkreis Oldenburg gibt es nur zwei Mannschaften im Spielbetrieb, neben Hude lediglich den SC Wildeshausen. Als Vierter der Bezirksliga Süd liegt die von dem Niederländer Edward Brouwer gecoachte Mannschaft in der inoffiziellen Kreismeisterschaft leicht vorne.

Weniger Aktive als Prellball

Zwei Bezirksligisten also, mehr Basketball findet im Landkreis nicht statt. Damen- oder Juniorenteams? Gibt es in der Liga nicht mehr. Von den 155 Sportvereinen im Kreis bieten nur vier überhaupt Basketball an und auch das nur auf dem Papier. Die Fire Eagles Huntlosen haben sich mangels Masse zurückgezogen, die TSG Hatten-Sandkrug ringt gerade um eine Wiederbelebung der Abteilung. Beachtliche 96 Vereine sind Mitglied im Basketball-Bezirk Weser-Ems – im Landkreis Oldenburg ist Deutschlands Publikumssport Nummer drei aber ein Nischensport und liegt bei den Aktivenzahlen noch hinter Prellball und Korbball.

Stadt Oldenburg ist Hochburg

Wirklich erklären kann sich das keiner. „Wenn man den Landkreis verlässt, findet man mehr Mannschaften. In Oldenburg zum Beispiel“, sagt Müller. In der Tat ist die Stadt eine Hochburg mit 15 Teams allein bei den Herren. Im angrenzenden Landkreis dagegen ist der Korbjäger eine seltene Spezies: Nirgendwo sonst im Weser-Ems-Gebiet gibt es so wenige Basketballer.

Hude macht aus zwei Mannschaften eine

Auch in Hude waren Personalprobleme erst im Sommer ein Thema: Aus der Not heraus legte der Turnverein die erste und zweite Mannschaft zusammen, nun verfügt Coach Diesselberg über ein Dutzend Spieler – sich selbst eingeschlossen. „Das ist okay“, sagt er. „Schade, dass wir keine zwei Mannschaften mehr haben. Aber es macht ja keinen Sinn, wenn wir jedes Wochenende zittern müssen.“

Mit seinem Zwölfer-Kader schlägt sich Diesselberg, der den Trainerjob als Notlösung übernommen hat, weil Vorgänger Adrian Tomczyk das Amt nach wenigen Spielen schon wieder abgegeben hatte, so durch. „Ich mache bei den Spielen den Betreuer nebenbei. Im Training läuft das gemeinsam“, erzählt er.

Final Four im Niedersachsen-Pokal winkt

Immerhin steht Diesselberg, der auch Abteilungsleiter ist, mit seinem Team im Viertelfinale des Niedersachsenpokals, allerdings nehmen an dem unbeliebten Wettbewerb auch nur 13 Vereine teil. Nach einem Freilos spielen die Huder Mitte März voraussichtlich gegen den Regionalligisten TuS Ebstorf um den Einzug ins Final Four. „Das wäre doch eine große Nummer“, findet Diesselberg. Ein wenig Publicity kann der Basketball im Landkreis auf jeden Fall gut gebrauchen.