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Keine Anzeige nach Vorfällen Keine Folgen nach Handgemenge beim TuS Heidkrug

Von Daniel Niebuhr und Frederik Böckmann | 16.03.2017, 07:35 Uhr

Die Rangeleien nach dem Fußball-Kreisligaderby des TuS Heidkrug gegen den SV Baris Delmehorst ziehen zumindest keine polizeilichen Folgen nach sich – erschrocken sind beide Clubs dennoch.

Die gute Nachricht für den SV Baris vorweg: Die Delmenhorster führen die Tabelle der Fußball-Kreisliga wieder mit fünf Punkten Vorsprung an. Nach der überraschenden Heimniederlage gegen den FC Huntlosen gewann Baris am Dienstagabend mit 3:2 (1:1) beim Stadtrivalen TuS Heidkrug – doch das Ergebnis war bei beiden Vereinen gestern kaum noch ein Thema. Denn nach dem Schlusspfiff kam es noch auf dem Platz und später auch auf dem Parkplatz zu verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Akteuren beider Clubs, Polizeieinsatz am Bürgerkampweg inklusive.

Baris-Trainer Önder Caki war auch am Mittwoch noch „sauer“ über die ungewollte Nachspielzeit, dessen Auslöser ein Schlag eines Heidkruger Spielers gegen einen Baris-Akteur gewesen sein soll, in dessen Folge es zu Beleidigungen und weiteren Handgreiflichkeiten kam. „Es ist schade, dass wir nicht über den sportlichen Wert dieses Spiels sprechen können. Über welche Liga reden wir denn hier? Das ist nur Kreisliga. Der Sport sollte im Vordergrund stehen“, echauffierte sich Caki, der eine Teilschuld seiner Mannschaft einräumte: „Wir waren zuletzt bei diesem Thema eigentlich auf einem guten Weg, das ist schade.“ Für das Training am Donnerstag kündigte er eine Aussprache mit seiner Mannschaft an. Am Samstag soll eventuell auch noch ein Gespräch mit dem Vorstand folgen.

Schiedsrichter schreibt keinen Bericht über die Handgreiflichkeiten

Beide Vereine dürften zumindest erleichtert darüber sein, dass die Rudelbildung keine Folgen haben wird. Polizeisprecherin Désirée Krikkis erklärte am Mittwoch, dass keine Anzeige erstattet wurde „und damit zieht das auch keine weiteren Ermittlungen nach sich“.

Sperren wird es aber sehr wohl geben, die Gründe dafür liegen allerdings auf dem Platz. Heidkrugs Markus Demir sah eine Rote Karte wegen einer Tätlichkeit, Tolga Caki wegen Beleidigung – wobei es sich laut Onkel Önder Caki dabei aber um den falschen Spieler gehandelt habe. Dazu gab es noch eine Gelb-Rote Karte gegen einen Heidkruger. „Die Emotionen kochten hoch“, berichtete Heidkrugs Abteilungsleiter Christoph Ernst. Der Ganderkeseer Schiedsrichter Adrian Becker, der außerdem siebenmal Gelb zeigen musste, hat angekündigt, Berichte zu den Roten Karten zu schreiben, nicht aber zu den Handgreiflichkeiten: „Dazu kann ich nicht viel sagen, das habe ich nur aus der Kabine gehört.“

Schiedsrichter-Chef Theile zieht Ereignisse in größeren Zusammenhang

Auch wenn es wohl für alle Beteiligten glimpflich ausgehen wird, der Schreck ist beiden Clubs merklich in die Glieder gefahren. Ernst nannte den Vorfall „sehr unschön für alle Seiten“. Caki versprach eine Aufarbeitung mit seinen Spielern, die eigentlich bereits unmittelbar nach dem Schlusspfiff am Dienstagabend begonnen hatte. Caki stand mit Kollege Selim Karaca auf dem Rasen und diskutierte darüber, wie eine Kartenflut in Zukunft vermieden werden kann – ehe beide Coaches zum Kabinentrakt schritten und es dort laut Caki schnell schafften, die Rudelbildung in den Griff zu bekommen. Das bestätige auch Polizeisprecherin Krikkis: „Als die Kollegen eintrafen, war schon alles wieder ruhig.“

Harald Theile, der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses im Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst, zieht die Ereignisse in einen größeren Zusammenhang. Am Sonntag hatten die Schiedsrichter auf Bezirksebene gestreikt, weil sie sich nach einem Sportgerichtsurteil nicht genügend geschützt sahen. Theile findet: „Das passt zueinander in der aktuellen Diskussion. Der Respekt auf dem Platz, ob gegenüber anderen Spielern oder dem Schiedsrichter, hat ohne Zweifel abgenommen. Das zeigen auch die zunehmenden Fälle, die von den Sportgerichten verhandelt werden müssen.“ Allerdings nahm er die Vereine auch in Schutz: „Man kann nicht alles verhindern. Das sind Einzelfälle, die es immer mal wieder gibt.“

Die Mannschaften haben noch bis Sonntag Zeit, die Köpfe wieder frei zu bekommen. Baris läuft ab 11 Uhr beim SV Achternmeer auf, der TuS Heidkrug ist ab 15 Uhr beim TSV Ippener zu Gast. Bemerkenswert ist, dass die Heidkruger trotz der beiden Platzverweise im Derby am Dienstag immer noch auf Platz eins in der Fairplay-Tabelle der Kreisliga stehen.