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Klubs bleiben gelassen Mindestlohn schockt die Sportvereine nicht

Von Frederik Böckmann | 31.01.2015, 20:26 Uhr

Seit Jahresbeginn gilt in Deutschland der Mindestlohn – auch im Sport. Für den Großteil der Vereine, die ausschließlich über ehrenamtliche Mitarbeiter verfügen, wird das Mindestlohngesetz wohl keine Rolle spielen.

Delmenhorst. Die Resonanz war groß. 60 Personen versammelten sich am 12. Januar im Vereinsheim des des Rudervereins in Oldenburg. Dabei ging es aber nicht um Riemen oder Skulls. Nein, Vorstandsmitglieder, Mitarbeiter von Geschäftsstellen und Sportfunktionäre wollten bei einem Seminar auf Einladung des Kreissportbundes Oldenburg über ein wichtiges Thema informieren: Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro zum 1. Januar 2015. „Die Teilnehmer hatten viele Fragen, aber die wurden alle geklärt“, sagt Dieter Holsten, der als stellvertretender Vorsitzender des Kreissportbundes (KSB) Oldenburg-Land für die Ausbildung zuständig ist. Fragen und Antworten zum neuen Mindestlohngesetz – und ihre Auswirkungen auf die Vereinslandschaft.

Wer ist von der neuen Pauschale betroffen?

Zu allererst hauptamtliche Beschäftigte, wie etwa die Mitarbeiter der Geschäftsstelle eines Vereins. Aber auch Trainer oder Übungsleiter, die fest angestellt sind, fallen in die Kategorie. Auch Reinigungskräfte oder Vertragsspieler erhalten den Mindestlohn. Von den so genannten Vertragsamateuren sind in Niedersachsen besonders höherklassige Sportmannschaften betroffen, die ihre Spieler mit einem 250-Euro-Kontrakt ausgestattet haben. Das Problem: Diese Spieler dürften nach dem neuen Mindestlohngesetz nur 29,4 Stunden arbeiten – im Monat. Dies ist wiederum durch mehrfache Trainingseinheiten in der Woche und die Fahrten zu Auswärtsspielen praktisch nicht umsetzbar.

Gibt es Vertragsamateure in der Region?

Schwer zu sagen. Der TV Neerstedt (Handball-Oberliga) und der SV Atlas Delmenhorst (Fußball-Bezirksliga) als höherklassige Mannschaften etwa haben nach eigenen Angaben keine Vertragsamateure. „So etwas machen wir nicht mit“, sagt Neerstedts Abteilungsleiter Friedel Schulenberg. Bastian Fuhrken, Team-Manager des ambitionierten SV Atlas, erklärt: „Es ist kein Geheimnis, dass unsere Spieler Geld erhalten. Aber wir haben keine Vertragsamateure.“

Gibt es Ausnahmen beim Anspruch auf den Mindestlohn?

Ja. Nicht vom Mindestlohn betroffen sind Ausbilder, Trainer, Betreuer – wenn die Aufwandsentschädigung in Höhe von 2400 Euro jährlich nicht überschritten wird. Denn das Mindestlohngesetz erlaubt es weiterhin, eine geringe finanzielle Aufwandsentschädigung zu zahlen, die weit unter den 8,50 pro Stunde liegt. Ebenfalls nicht unter das Mindestlohngesetz fallen Helfer, die die Ehrenamtspauschale in Höhe von 720 Euro erhalten. Außerdem nicht unter das Mindestlohngesetz fallen Jugendliche unter 18 Jahren, Auszubildende und Langzeitarbeitslose.

Wie ist die Vergütung von Vorstandsmitgliedern geregelt?

Ein Vorstandsmitglied darf auf Grundlage der Ehrenamtspauschale 720 Euro im Jahr beziehungsweise 60 Euro pro Monat erhalten. Alle darüber hinausgehenden Vergütungen sind regelmäßig sozialversicherungspflichtig.

Wie sieht es mit Praktikanten aus?

Einen Sonderfall bieten Praktikanten. Sie fallen unter das neue Mindestlohngesetz – sofern sich nicht wegen Bestimmungen in Schulen, Betrieben oder Universitäten zu bis zu dreimonatigen Praktika verpflichtet sind. Vereine und Verbände sollten darauf achten, dass seit dem 1. Januar ein Praktikumsverhältnis nicht länger als drei Monate dauert – es sei denn es wird Mindestlohn gezahlt.

Wie kommen die Vereine mit dem Mindestlohngesetz zurecht?

Die heimischen Vereine und Verbände geben sich gelassen. „Bei uns hat sich noch kein Verein wegen möglicher Schwierigkeiten gemeldet“, sagt Peter Ache, der Vorsitzende Kreissportbundes Oldenburg. „Das werte ich als gutes Zeichen.“ Auch Richard Schmidt vom Stadtsportbund Delmenhorst glaubt, dass die Vereine mit dem Mindestlohngesetz gut zurecht kommen. Nur ein Verein habe sich bislang beschwert, „weil es Irritationen gab, wie die Arbeitszeit zu dokumentieren sei“. Kerstin Frohburg, Vorsitzende des Delmenhorster TV, bestätigt, dass ihr Verein mit dem Mindestlohngesetz keine Probleme habe. „Wir brauchen nichts zu ändern.“ Die beiden Mitarbeiter der Geschäftsstelle würden ohnehin nach Tarif bezahlt. Nur bei den beim DTV angestellten Reinigungskräften gab es Anpassungen. „Die finanziellen Mehrkosten sind für uns aber überschaubar“, sagt Frohburg.