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Kommentar Kritik der HSG Delmenhorst schießt übers Ziel hinaus

Meinung – Lars Pingel | 27.10.2015, 23:00 Uhr

Die HSG Delmenhorst hat das Vorgehen der Verwaltung, der Politik und des Stadtsportbunds bei der Unterbringung von Flüchtlingen in Sporthallen scharf kritisiert. Sie geht dabei aber zu weit.

Der Vorstand der HSG Delmenhorst fürchtet ernsthaft um die Existenz seines Vereins, weil er viele Trainingszeiten in Sporthallen verloren hat, in denen Flüchtlinge untergebracht worden sind. Nur so lässt sich die scharfe und emotionale Kritik am Vorgehen des Stadtsportbundes, der Verwaltung und der Politik erklären, die das Führungsgremium der Handball-Spielgemeinschaft in einem „Statement“ veröffentlicht hat. Der Wurf, um in der Handballersprache zu bleiben, geht aber am Tor vorbei.

Der HSG-Vorstand schreibt, dass er um die „Herausforderungen, vor denen die Politik, die Verwaltung aber auch die Gesellschaft angesichts des aktuellen Flüchtlingsstroms stehen“ wisse. Also weiß er auch, wie kurzfristig auf diese reagiert werden muss. Die Stadt Delmenhorst hat bisher in Zusammenarbeit mit vielen freiwilligen Helfern und Institutionen gute Lösungen gefunden. Sie fordert nun zu Recht auch die Solidarität des Sports ein. Das verlangt, dass Vereine zusammenstehen und zusammenarbeiten; in vielen Fällen hat das funktioniert. Die HSG hat dennoch Probleme, Trainingszeiten aufrecht zu erhalten. Dass sie öffentlich um Hilfe bittet, ist in Ordnung. Im gleichen Atemzug, in dem ein Vorstand nach Solidarität für seinen Verein ruft, darf er das Engagement für andere Projekte oder Sportarten aber nicht kritisieren. Damit stellt er sich ins Abseits.