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Kooperation ab 1. Januar in der Jugend SV Atlas und Tur Abdin – Beistand unter Nachbarn

Von Daniel Niebuhr | 23.12.2016, 08:08 Uhr

Der SV Atlas Delmenhorst feiert seine Kooperation im Fußball-Jugendbereich mit dem SV Tur Abdin: „Da kann nur etwas Gutes bei herauskommen.“

Der letzte Liebesbeweis unter Nachbarn ist noch gar nicht so lange her. Im Mai trafen sich der SV Atlas und der SV Tur Abdin zum vorerst letzten Mal in einem Punktspiel, die Atlas-Fans zeigten ihre Zuneigung zum Gegner mit einem blau-gelb-weißen Spruchband: „In Freundschaft vereint“, stand dort auf deutsch und aramäisch.

Seit Donnerstagnachmittag ist die Beziehung zwischen den beiden aktuell erfolgreichsten Delmenhorster Clubs noch inniger geworden – denn die Atlas-Spitze verkündete eine Kooperation im Jugendbereich, die nicht mehr und nicht weniger bedeutet als die Sicherung des Landesliga-Fußballs im gemeinsam genutzten Stadion an der Düsternortstraße. Atlas-Manager Bastian Fuhrken sprach von einem „Riesenschritt“ und dankte pflichtschuldig Bezirksligist Tur Abdin und der großen aramäischen Gemeinde, die hinter dem Verein steht.

B-Jugend des SV Tur Abdin läuft künftig für SV Atlas auf

Ab dem 1. Januar machen die Stadtrivalen von der C- bis zur A-Jugend gemeinsame Sache, die offensichtlichste Änderung ist folgende: Tur Abdins B-Jugend läuft künftig unter den Farben und dem Namen des SV Atlas auf, und Fuhrken versprach sofort Unterstützung durch Sponsoren: „Wir werden dafür sorgen, dass sie vernünftig Fußball spielen können.“

Damit sinkt der Druck auf die Atlas-A-Jugend erheblich, die als einzige Mannschaft der höchsten drei Altersstufen die Fahne des Clubs hoch hielt – und es auch musste. Denn die Herrenmannschaft darf statutengemäß nur in der Landesliga bleiben, wenn es mindestens eine A-, B- oder C-Jugend gibt. Die A-Jugend wurde zwar im Winter durch drei neue Spieler verstärkt, dennoch wäre auf Dauer ohne Zusammenarbeit „ein Raubzug durch die umliegenden Jugendabteilungen kaum zu vermeiden gewesen“, wie Marketing-Vorstand Bastian Ernst verblüffend ehrlich erzählte. (Weiterlesen: SV Atlas will „nicht wildern“)

Von der A- bis zur C-Jugend nun ausreichende Kaderstärken

„Es ist kein Geheimnis, dass uns eine solche Kooperation sehr hilft“, sagte Fuhrken. Das Motto sei gewesen: Ihr helft uns, und wir sehen, was wir euch Gutes tun können. Womit wohl unter anderem der große Atlas-Sponsorenpool gemeint war. Dazu passte Ernsts Erklärung, dass zu einer Jugendabteilung „ein kräftiges persönliches Engagement und entsprechend hohe finanzielle Ressourcen nötig sind, was durch diese Partnerschaft für beide Seiten sichergestellt werden kann“.

Allerdings war man allgemein bemüht, die neue Zusammenarbeit nicht als ein aus der Not geborenes Mittel zum Zweck darzustellen, sondern als Maßnahme für die kickenden Jugendlichen. „Sie sollen so gut ausgebildet werden wie möglich“, sagte Fuhrken. Zusammen decken die beiden Vereine nun sämtliche Altersstufen ab. In der C-Jugend läuft weiterhin ein von Lukas Matta trainiertes Tur-Abdin-Team auf, in der B- und A-Jugend Atlas-Mannschaften, jeweils mit ausreichenden Kaderstärken. Die Saisonübergänge werden durch einen gemeinsamen Jugendbereich erleichtert; sollten viele Spieler ihre Altersklasse verlassen müssen, ist das jetzt weniger problematisch. (Weiterlesen: Lukas Matta wechselt vom SV Tur Abdin zum SV Atlas)

Genugtuung beim SV Atlas

Nach jahrelanger Kritik an der fehlenden Jugendarbeit war auf blau-gelber Seite auch ein wenig Genugtuung herauszuhören. „Es wurde immer auf uns geschimpft, dass wir nichts tun. Jetzt haben wir ein wunderbares Gebilde“, sagte Bastian Fuhrken: „Wenn die Vereine mit den höchsten Herrenmannschaften in der Stadt zusammen etwas aufbauen, kann da nur etwas Gutes bei herauskommen.“ Trainersitzungen fänden im neuen Jahr zusammen statt, „damit nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht“.