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Kooperation besiegelt SV Atlas trainiert auf Kunstrasen des HC Delmenhorst

Von Daniel Niebuhr | 15.12.2016, 20:55 Uhr

Die Fußballer des SV Atlas Delmenhorst trainieren künftig zwischen Januar und März auf dem Kunstrasenplatz des HC Der Vereine haben einen Kooperationsvertrag unterschrieben.

Bei der Dekoration hatte man sich zweifellos Mühe gegeben. Feinkost auf dem Tisch, ein Trikot des HC Delmenhorst am Flipchart, Atlas-Schals auf dem Aktenschrank und Hockeybälle auf den Tellern – wer nicht wusste, worum es Mittwochabend gehen sollte, wurde im Autohaus Engelbart dezent darauf gestoßen. Als „vorzeitige Weihnachtsgeschenke“ seien die Bälle gedacht, merkte HCD-Marketingvorstand Frank Neubauer bei seiner Begrüßung an – doch irgendwie machten alle Anwesenden den Eindruck, als sei die Bescherung ohnehin schon gewesen.

Es war eine nicht ganz alltägliche Kombination, die da am Hasporter Damm zusammengekommen war, aber es war auch keine alltägliche Zusammenarbeit, die dort besiegelt wurde. Die Vorsitzenden des Hockeyclubs Delmenhorst und des SV Atlas unterschrieben in harmonischer Stimmung einen Vertrag, der den Fußballern des SVA für drei Jahre die Nutzung des HCD-Kunstrasens in der feldhockeyfreien Zeit zwischen Januar und März zusichert. Atlas bringt im Gegenzug Unternehmer Manfred Engelbart mit, der mit seinem Autohaus als Sponsor bei den Hockey-Herren einsteigt, dem Fußball-Landesligisten damit faktisch seinen neuen Wintertrainingsort bezahlt und, wie er feststellte, mit dem Hockeyclub einen traditionsreichen Verein mehr unterstützt. Ein Dreier-Deal also, bei dem es – jedenfalls nach den Aussagen der Beteiligten – nur Gewinner gibt.

Planungssicherheit für die Wintervorbereitung

In erster Linie freute sich natürlich Atlas-Chef Jörg Borkus über die Planungssicherheit in der Rückrundenvorbereitung und über das Beispiel, das man damit abgibt. „In Delmenhorst wird viel aufeinander geschimpft“, sagte er. „Wenn man zusammenarbeitet, kann man aber manches Problem lösen.“ Sogar eines, das nahezu unlösbar schien. Seit Jahren klagen die Fußballer in der Stadt über katastrophale Trainingsbedingungen im Winter und fordern einen Kunstrasenplatz, die Stadt sah für das wenige zur Verfügung stehende Geld aber immer dringendere Verwendungszwecke. Atlas führte zwischen Neujahr und dem Rückrundenstart deshalb – wie viele Vereine – notgedrungen ein Vagabundendasein und trainierte mal auf dem Kunstrasen des TSV Heiligenrode, mal im Fitnessstudio und mal bei den Boxern des TV Jahn.

Atlas-Team trainiert schon auf HCD-Platz Auch im Schnee bespielbar: der Kunstrasen des HC Delmenhorst. Foto: Stephanie Lippitz

Der vereinseigene Platz des Hockeyclubs, die einzige Kunstrasenanlage der Stadt, war immer mal wieder Teil der Erwägungen, doch erst die Fertigstellung des Flutlichts in diesem Jahr machte ihn für abendliches Wintertraining tauglich – und Atlas schlug sofort zu. Vor dem Landesliga-Auswärtsspiel beim SV Bad Rothenfelde fand das erste Training statt, danach hätten die Spieler, laut Borkus, „von einem Ohr zum anderen gegrinst“ – und das folgende Spiel in Bad Rothenfelde mit 2:1 gewonnen. Nun machte man schnell Nägel mit Köpfen und sicherte sich Trainingszeiten für die erste und zweite Mannschaft, auch aus der Befürchtung heraus, dass es auf absehbare Zeit keinen städtisch finanzierten Kunstrasenbau geben wird. „Die Stadt hat andere Sorgen“, glaubte auch HCD-Vorsitzender Carsten Schröder.

HCD erhält Gegenleistung

Sein Verein wiederum durfte ebenfalls bester Laune sein. Neben dem guten Gefühl, einem Nachbarn zu helfen, hat man auch das mindestens ebenso gute Gefühl, etwas dafür zu bekommen. Was wiederum selbstverständlich sei, wie Neubauer feststellte: „Der Platz gehört uns. Wenn andere Vereine ihn be- und abnutzen, muss es eine Gegenleistung geben, sonst wäre das auch unseren Mitgliedern gegenüber nicht fair.“

Da kein anderer Club in Delmenhorst über einen derart großen Sponsorenpool verfügt wie der SV Atlas, ist nicht zu erwarten, dass der HCD nun mit ähnlichen Angeboten überschüttet wird. Schröder merkte aber an, dass der Hockeyclub seinen Kunstrasen 2008 mit viel Eigenleistung selbst finanziert hat. „Wenn wir als kleiner 300-Mitglieder-Verein das schaffen, können andere das auch. Es zahlt sich schon mittelfristig aus.“

Der Dreier-Deal ist übrigens eigentlich ein Vierer-Deal. Am Hockeyplatz an der Lethestraße befinden sich auch Tennis-Plätze und die Soccerhalle des TC Blau-Weiß Delmenhorst, der den Atlas-Fußballern eine Kabine zur Verfügung stellt. Deren Manager Bastian Fuhrken warf zum Schluss folgerichtig noch ein: „Nur wenn man über den Tellerrand schaut, findet man neue Wege.“