Ein Angebot der NOZ

Kreisligist im Aufwind Baris und der Geist von Belek

Von Daniel Niebuhr | 26.03.2015, 20:30 Uhr

Seit dem Trainingslager in der Türkei läuft es beim SV Baris. Der Kreisliga-Fünfte will in der nächsten Saison angreifen und hat schon Neuzugänge im Visier.

Das vielleicht Wunderbarste daran, dass die sozialen Netzwerke inzwischen auch den unterklassigen Fußball erobern, sind die vielfältigen Fotos, die die Mannschaften von sich im Internet präsentieren. Der SV Baris hat sich in dieser Disziplin im Winter einen Ehrenpreis verdient. Der Kreisligist war, ziemlich kreisligisten-unüblich, mit dem Großteil des Kaders ins Trainingslager ins türkische Belek gereist und hatte von dort Bilder veröffentlicht, die nicht nur die Ligarivalen im nass-kalten Niedersachsen neidisch werden ließen: Baris-Spieler beim Strandlauf, Baris-Spieler vor dem Teamhotel, Baris-Spieler auf dem von Palmen umrahmten Trainingsplatz.

In Sachen Luxus ist der Tabellenfünfte also unbestrittener Vorbereitungsmeister. Offenbar war die Reise an die Riviera sogar eine lohnende Investition, denn der Geist von Belek scheint Baris Flügel zu verleihen. Die drei Spiele nach der Rückkehr liefen für die Delmenhorster jedenfalls fast perfekt: zwei Stadtderbysiege gegen den TV Jahn (4:0) und den KSV Hicretspor (4:2) und ein spektakuläres 4:3 gegen den zuvor in zehn Pflicht- und zwei Testspielen ungeschlagenen Tabellendritten FC Hude. Eine Siegessträhne als Nachwirkung der Türkei-Reise? „Auf jeden Fall“, sagt Trainer Önder Caki. „Wir haben konzentriert gearbeitet und sind topfit. Das sieht man ja.“

Achillesferse Defensive

Belek – wo Baris übrigens zum zweiten Mal residierte – könnte sozusagen der Anfang eines Sturmlaufs sein, der den Klub in anderthalb Jahren an die Kreisliga-Spitze führen soll. In den verbleibenden acht Spielen sind die Plätze eins und zwei bei zwölf beziehungsweise neun Punkten Rückstand zwar bereits außer Reichweite; es geht Caki aber darum, sich für die kommende Spielzeit in Stellung zu bringen. „Wir haben leider zu viele Punkte verschenkt, um noch ganz oben anzuklopfen. Natürlich wollen wir so hoch wie möglich stehen und noch Erkenntnisse gewinnen“, sagt er. „Platz fünf würde uns nächstes Jahr aber nicht mehr reichen.“

Ein halbes Jahr haben die Delmenhorster also noch Zeit, um Schwung zu holen. Dass es bislang nicht für das Titelrennen reicht, das weiß Caki auch, ist allerdings kein Zufall. Die vielseitige Offensive, die mit Cumali Tuner, Ricardo Meyer und Spejtim Mujaj immerhin drei Spieler stellt, die schon achtmal oder öfter getroffen haben, macht durchaus Freude – die 42 Gegentore sind Caki aber zu viele: „Es geht zu leicht gegen uns. Darüber kann ich mich aufregen.“

Caki will Mittelfeldspieler holen

Die junge Baris-Mannschaft sieht sich durchaus auf dem Weg in die Spitzengruppe, Antreiber Caki will aber die Entwicklung gern mit etwas frischem Blut beschleunigen. Er führt bereits Gespräche mit möglichen Neuzugängen und äußert den bekannten Wunsch nach „gezielten Verstärkungen“. Besonders im Mittelfeldbereich gibt es Bedarf: „Etwas Erfahrung kann nicht schaden. Dann werden wir vieles noch besser machen als zuletzt.“ Heute Abend ist das ausnahmsweise nicht nötig: Ab 19.30 Uhr läuft Baris beim Vierten TV Munderloh auf – das Hinspiel gewannen die Delmenhorster im September mit 5:0.