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Kritik bei Turnier in Ganderkesee Fußballer stöhnen über Futsal-Regeln

Von Andreas Bahlmann und Daniel Niebuhr | 13.12.2018, 08:17 Uhr

Die Fußballer im Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst werden mit Futsal noch immer nicht warm, wie das Qualifikationsturnier in Ganderkesee zeigt. Die Kicker stöhnen über die Regeln und die wenigen Tore. Manche Clubs nehmen die neue Variante dagegen an – und sind damit erfolgreich.

Irgendwann hatte am Sonntag offensichtlich auch der Ball genug. Im letzten Futsal-Spiel der Kreismeisterschafts-Qualifikation in Ganderkesee ging dem Spielgerät jedenfalls plötzlich die Luft aus. Es war dumm, dass es zwischen Borussia Delmenhorst und dem SV Rethorn noch um das Weiterkommen ging, und noch dümmer, dass der Veranstalter keinen Ersatz parat hatte. Glücklicherweise konnte die Borussia mit einem Futsal-Ball aushelfen – kein anderer Verein hatte überhaupt einen dabei.

Kickers Ganderkesee müssen 50 Euro zahlen

Es wäre sicher ungerecht, zu behaupten, dass so gar keine Mannschaft Lust auf dieses Turnier gehabt hätte, doch wirklich warm sind sie im Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst mit Futsal zweifellos immer noch nicht geworden. Es ist das zweite Jahr, in dem die Kreismeisterschaft in dieser Hallen-Variante und als Pflichtveranstaltung ausgetragen wird, die Kritik ist von Winter zu Winter aber nicht leiser geworden. „Wir sind nur gekommen, um uns die Geldstrafe zu ersparen“, bekannte Trainer Heiko Bluhm vom BSV Benthullen. Seine Mannschaft trat – ebenso wie der TuS Döhlen und der TuS Vielstedt – ohne Wechselspieler an, die Kickers Ganderkesee blieben gleich ganz zuhause und kassierten dafür 50 Euro Strafe. „Die Leute für die Halle zu motivieren, ist schon schwer genug“, sagte Vorsitzender Tim Kirchhoff. „Bei Futsal sind die meisten von vorherein raus.“

Kreis-Vorstand bleibt gelassen

Der Fußball-Kreis kann die Klagen zur Kenntnis nehmen, mehr aber auch nicht. Der DFB schreibt allen Verbänden vor, dass offizielle Hallen-Titel nur noch nach Futsal-Regeln vergeben werden, ob es den Clubs gefällt oder nicht. Futsal ist das von der FIFA unterstützte Spiel, das in Deutschland lange Zeit nur in der Jugend eine Rolle spielte. Die neue Nationalmannschaft feiert inzwischen aber erste Erfolge, es gibt mittlerweile sogar eigene Herren-Ligen, in Niedersachsen eine Verbandsliga, darüber eine Regionalliga mit Werder Bremen, dem Hamburger SV, Hannover 96 und dem FC St. Pauli. Die gute Entwicklung wirft gleichzeitig die Frage auf, ob Futsal-Kreismeisterschaften noch für jeden Club eine Pflicht sein müssen. Vom DFB war auch auf Nachfrage keine Stellungnahme zu bekommen, der Kreis sieht die Debatte gelassen. „Einige murren schon. Aber die Jugend kennt das gar nicht anders“, sagt der Spielausschussvorsitzende Thomas Luthardt. „In drei, vier Jahren wird keiner mehr vom Hallenfußball sprechen.“

1,5 Tore weniger pro Spiel

Die Futsal-Kritiker haben seit Sonntag jedoch einige Argumente mehr. Im Qualifikationsturnier wurden die umfangreichen Futsal-Regeln deutlich kleinlicher gepfiffen als noch im Vorjahr, zum Unmut mancher Teams. Die Torausbeute war auch sehr dürftig. 2,15 Treffer fielen nur im Schnitt in den 40 Partien. Beim letzten Quali-Turnier nach Hallenregeln waren 2016 noch 3,65 Tore pro Partie gefallen. „Die Zuschauer wollen in der Halle Tore und nicht, dass ständig abgepfiffen wird. Das hat nichts mehr mit Fußball zu tun“, schimpfte Trainer Sascha Albers vom SC Colnrade.

Borussia von Kritik verwundert

Dass sich viele Vereine mit ihrer Unlust auch selbst im Weg stehen, war allerdings auch zu sehen. Letztlich qualifizierten sich die Mannschaften mit dem größten Willen für die Endrunde, Musterbeispiel war die Delmenhorster Borussia, die Gruppe C ohne Gegentor gewann. „Wir haben das Turnier ernst genommen, und das hat sich gelohnt“, sagte Trainer Stefan Giese, der verwundert war über die Anti-Futsal-Stimmung: „Alle stöhnen, dass sie keine Hallenzeiten bekommen. Bei der Meisterschaft bekommt man die Spielzeit, besser geht es doch nicht.“