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Kündigung der Spielgemeinschaft TV Jahn Delmenhorst schimpft auf TuS Hasbergen

Von Frederik Böckmann | 11.03.2017, 11:09 Uhr

Zum Ende der Jugendfußball-Saison endet die Spielgemeinschaft zwischen dem TV Jahn Delmenhorst und dem TuS Hasbergen. Die Art und Weise der Kommunikation der Hasberger Kündigung finden die Verantwortlichen des TV Jahn „menschlich enttäuschend“. Sie fürchten außerdem im männlichen und weiblichen Jugendbereich eine Abwanderung von Spielern nach Stenum oder Ganderkesee.

Gerüchte über einen Ausstieg des TuS Hasbergen aus der Jugendfußball-Spielgemeinschaft mit dem TV Jahn Delmenhorst hatte Marco Castiglione schon seit einiger Zeit vernommen. Als der Abteilungsleiter des TVJ am Donnerstagabend dann mit der Nachricht des Vollzugs konfrontiert wurde, wirkte Castiglione dennoch schockiert und irritiert – und machte aus seiner Gefühlswelt keinen Hehl, in die sich Wut und Enttäuschung mischten. „Peinlich“, eine „Vollkatastrophe“ für den Delmenhorster Fußball und „traurig“ nannte Castiglione das Verhalten des Noch-Partners, der fristgerecht zum 31. März den SG-Vertrag kündigte, der nach dieser Jugendfußball-Saison endet. (Weiterlesen: TuS Hasbergen kündigt Spielgemeinschaft mit dem TV Jahn) 

Was Castiglione und Jahns Frauenfußball-Abteilungsleiter Bernd Hannemann besonders ärgert, sei die Art und Weise, wie Hasbergens Vorsitzender Jürgen Stöver den SG-Austritt kommunizierte – nämlich per Brief, den Stöver dem Jahn-Vorsitzenden Uwe Raß telefonisch ankündigte. „Das ist menschlich enttäuschend“, sagte Castiglione. „Vor sechs Wochen hieß es von Jürgen Stöver noch, dass mit der Spielgemeinschaft keine Probleme gibt. Wenn doch, hätten wir doch über alles sprechen können.“ Stöver dagegen nennt die Trennung „einen normalen Vorgang“.

Marco Castiglione genervt von schlechter Zusammenarbeit

Es sei wieder einmal bezeichnet, dass die größeren Fußball-Abteilungen Delmenhorst es nicht schaffen, in irgendeiner Form zusammenzuarbeiten, meinte Castiglione genervt. Nicht nur im Jugendbereich, sondern auch beim Kunstrasenplatzbau oder anderen Themen. „Vielleicht geht das erst wieder, wenn andere Personen an der Spitze einiger Vereine stehen“, grübelte Castiglione und meinte damit wohl nicht nur den von Stöver geführten TuS Hasbergen, sondern wohl auch Robert Räther, den Fußball-Chef des Delmenhorster TB, der nach dem Rückzug des DTB bei der männlichen Jugend 2015 auch dessen Austritt aus der Mädchen-SG im vergangenen Sommer forcierte.

Stöver selbst führte gegenüber dem dk unter anderem strukturelle und vor allem finanzielle Gründe für die Trennung im Sommer und die künftige Neuausrichtung des TuS an. Hasbergen wolle im Jugendbereich künftig auf „Klasse statt Masse“ setzen, sagte Stöver mit Blick auf derzeit zehn SG-Jugendmannschaften (sieben bei den Junioren, drei bei den Juniorinnen). Er begründet den Hasberger Austritt auch damit, dass bis auf die A-Jugend (die an das Tor zur Landesliga klopft) in der B- und C-Jugend kaum noch Hasberger spielen.

Wechseln Spieler nun nach Stenum oder Ganderkesee?

Castiglione indes kann vor allem den finanziellen Aspekt, den Hasbergen als einen Grund für den SG-Austritt angibt, nicht nachvollziehen. Die Initiatoren der Spielgemeinschaft zwischen Jahn, Hasbergen und dem DTB hätten beim im Sommer 2014 unterzeichneten Vertrag alle Kleinigkeiten detailliert und vernünftig ausgearbeitet, darunter auch die Frage der Kosten. „Jeder Verein trägt genau den prozentualen Anteil der Kosten, wie er auch prozentual Spieler im Kader hat.“ Außerdem, betont Castiglione, würden derzeit von zehn SG-Trainer neun vom TVJ kommen und dementsprechend auch bezahlt werden.

Castiglione hat nun zwei Befürchtungen: Bis zum Ende der Jugendfußball-Saison werde „böses Blut“ zwischen den Vereinen fließen. Vor allem bei möglichen Wechseln von Spielern vom einem zum anderen Verein könne es zu Streitigkeiten kommen. Eine weitere Sorge Castigliones ist diese: Gute Spieler wechseln künftig zu den Nachbarn VfL Stenum und TSV Ganderkesee anstatt in Delmenhorst zu spielen – sowohl im männlichen als auch im weiblichen Jugendbereich.

TV Jahn möchte Fußballerinnen Perspektiven bieten

Diese Einschätzung teilt auch Jahns Frauen-Chef Bernd Hannemann. Er findet das Verhalten des TuS Hasbergen mit Blick auf den Damen- und Frauenfußball in Delmenhorst „sehr egoistisch“. Man habe zusammen mit Hasbergen und dem TuS Heidkrug, mit dem die Kooperation im Frauen- und Mädchenfußball weiter bestehen bleibt, viel Zeit und Engagement investiert. „Wir haben hart gearbeitet – und jetzt das“, schüttelte Hannemann den Kopf. (Weiterlesen: SG Delmenhorst will von den Mädchen lernen) 

Dem TV Jahn ginge es nicht darum, „den Frauenfußball in Delmennhorst neu zu erfinden“ oder sich darüber zu freuen, „eventuell neue Mitglieder zu gewinnen“, sagte Hannemann. Sondern darum, die Fußballerinnen in der Stadt zu halten und ihnen Perspektiven zu bieten. Das gelänge im Jugendbereich auf Dauer in einer Spielgemeinschaft besser, als wenn jeder Stadtteil eine eigene Mädchenmannschaft aufstelle, glaubt Hannemann. Die Quittung habe der DTB nach seinem „aus fadenscheninigen Gründen“ erfolgten SG-Rückzug erhalten, erklärte Hannemann. Deren ältere Spielerinnen hätten sich nämlich mehrheitlich dem TV Jahn angeschlossen – oder ganz mit dem Fußball aufgehört.