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Kunstrasenplatz in Delmenhorst Castiglione kritisiert Entscheidungsmüdigkeit der Politik

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 20.12.2016, 21:03 Uhr

Der Fußball-Abteilungsleiter des TV Jahn Delmenhorst kritisiert die Entscheidungsmüdigkeit der Ratspolitiker beim Bau eines Kunstrasenplatzes, fordert vom DFB mehr Unterstützung für die Amateure und spricht über die Probleme veränderter Spielgebiete bei den älteren Jahrgängen.

Das Spiel der Regionalliga-Damen beim TSV Duwo 08 wurde am vergangenen Sonntag das bereits dritte Mal abgesagt, zwei Herren-Teams spielten bei der Futsal-Premiere im Fußball-Kreis mit. Doch nun ruht vor den Feiertagen auch bei den rund 600 Fußballern des TV Jahn Delmenhorst der Ball. Abteilungsleiter Marco Castiglione umtreiben dennoch viele Themen. Er kritisiert die Delmenhorster Politik und den DFB, macht aber gleichzeitig auch Vorschläge, wie Probleme behoben werden könnten. „Denn es geht dabei auch um die Zukunftsfähigkeit unsers Vereins“, betont der 38-jährige Lehrer. In einer Medienrunde sprach Castiglione über ...

 ... die jüngste Sitzung des Stadtrates, in der eine große Mehrheit der Mitglieder beschlossen hat, die Kosten für den Bau eines Kunstrasenplatzes ermitteln zu lassen. Ich stelle bei den Politikern eine gewisse Müdigkeit fest, Entscheidungen bei diesem Thema zu fällen. Warum muss jetzt zuerst noch einmal ein Sportstättensanierungskonzept aufgestellt werden? Das wollten wir gefühlt doch schon vor zehn Jahren. Außerdem kostet das auch wieder Geld. Ohnehin ist dieser Beschluss ein klassischer Delmenhorster Ratsbeschluss. Denn er hat gar keinen richtigen Adressaten. Ich bin ja mal gespannt, ob in dieser Richtung überhaupt etwas bis zur nächsten Sitzung des Sportausschusses passiert. Mir scheint es fast so, als können wir den Bau eines Kunstrasenplatzes auf den Sankt-Nimmerlein-Tag verschieben. (Weiterlesen: Delmenhorster Politik ringt um Kunstrasenplatz)

 ... den in der Stadtratssitzung von der Linken-Ratsfrau Edith Belz benannten Vorwurf, ein Kunstrasenplatz sei ein reines „Prestigeobjekt“? Den Begriff muss man gar nicht so kritisch sehen, wie es sich vielleicht anhören sollte. Denn natürlich ist ein Kunstrasenplatz ein Prestigobjekt! Wir Vereine wollen doch tolle Anlagen und Plätze haben. Damit können wir Jahner vielleicht auch die Mitglieder zurückgewinnen, die wir dadurch verloren haben, weil wir im Winter bei uns kein Fußball spielen können. Ein Kunstrasenplatz ist doch der viel idealere Untergrund für Fußballer, nicht ein Rasenplatz. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass sich unsere Politiker ernsthaft mit ihren Vorlagen beschäftigen. Das ist schade – und frustriert die Ehrenamtlichen. (Weiterlesen: Kölner Stadtverwaltung benennt Vorteile eines Kunstrasenplatzes)

 ... die Frage der Finanzierung eines Kunstrasenplatzes? Klar, ein Kunstrasenplatz ist nicht gerade billig. Aber unserer Politiker bräuchten sich ja nur einmal in Bremen umschauen, wo es etliche Kunstrasenplätze gibt. Dort finanziert das Land die Kunstrasenplätze durch sogenannte Impulsinvestitionen. Wenn der Delmenhorster Rat zehn Jahre lang jedes Jahr 150.000 Euro an Investitionen für einen Kunstrasenplatz bereit hält, dann könnten wir nicht nur einen, sondern vielleicht sogar drei Kunstrasenplätze bauen. Wenn sich dann noch die Vereine mit Eigenleistungen und mit Fördermitteln des Landessportbundes einbringen, dann sind wir auf einem guten Weg bei der Finanzierung. Ich denke, 150.000 Euro pro Jahr ist eine Summe, die auch der Delmenhorster Haushalt stemmen könnte. In dieser Hinsicht vermisse ich allerdings den Führungsanspruch unserer Politiker, die einfach mal sagen: An mir soll dieser Bau nicht scheitern. Wenn man Sport modern halten möchte, dann muss man auch investieren und moderne Bedingungen für die Vereine schaffen. Aber wir bleiben lieber die Stadt der ungenutzten Potenziale. (Weiterlesen: SV Atlas trainiert auf Kunstrasen des HC Delmenhorst)

 ... die beim TV Jahn aufkommende Euphorie, weil die Bundesregierung den Lärmschutz bei Sportstätten neu regeln will. Ich muss da leider ein wenig auf die Bremse treten. Denn das neue Gesetz muss ja erst noch durch den Bundestag und den Bundesrat. Was eine neue Regelung für den Lärmschutz für uns bedeutet, ist aber auch klar: Es ist eine Verdreifachung der Trainingszeiten am Abend möglich. Außerdem könnten wir auch wieder Freitagabends Punktspiele ausrichten. Das wäre super. Einige Spieler haben ihr Zusage für die neue Saison an die Bedingung geknüpft, dass bei uns auch Freitagabends gespielt wird. (Weiterlesen: Kann der TV Jahn Delmenhorst bald wieder abends kicken?)

 ... seine Kritik am DFB. Ich habe mich gefragt: Ist der DFB überhaupt der Vertreter meiner Vereinsinteressen? Diese Frage kann ich nicht uneingeschränkt bejahen. Die Amateurfußballer stehen einfach nicht im Fokus des DFB, auch wenn dessen Motto („Unsere Amateure. Echte Profis.“) etwas Anderes aussagt. Der DFB guckt lieber zu seinem Premium-Produkt Nationalmannschaft statt in die Breite. Dabei sind es doch wir Amateure, die die Trikots der Nationalmannschaft kaufen, ein Abo fürs Privatfernsehen abschließen und uns die teure Sitzplatzkarte im Stadion leisten. Ich finde, von diesen ganzen Einnahmen, die der DFB generiert, dürfte er ruhig etwas an die Amateurvereine abgeben. Das wäre ein gerechter Kreislauf. Die Vereine in Deutschland haben einen Investitionsstau von 42 Milliarden Euro. Diese Zahl sagt doch alles. (Weiterlesen: DFB-Präsident Grindel diskutiert in Wildeshausen mit Vereinen)

 ... über die Veränderungen von Spielgebieten in der A- und B-Jugend und die Kooperation mit den Nachbarn Cloppenburg und Vechta. Das Einzugsgebiet zu vergrößern, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, ist legitim. Doch eine Lösung ist das auf Dauer nicht. Dadurch gewinnt kein Verein ein Mitglied mehr. Dass der demografische Wandel am Spielerrückgang schuld ist, halte ich für Blödsinn. Wir brauchen auch in den älteren Jahrgängen wieder mehr Eventcharakter. In dieser Hinsicht wünsche ich mir auch mehr Unterstützung vom DFB, etwa durch die Ausrichtung von Turnieren oder Ähnlichem. (Weiterlesen: Fußball-Kreis will mit Nachbarn kooperieren)

 ... über einen Bus für die SG Delmenhorst, in der der TV Jahn zusammen mit dem TuS Hasbergen spielt. Die Fahrten für unserer Spieler werden immer länger, aber wir bekommen kaum noch Fahrer. Das ist problematisch, weil wir keinen einzigen eigenen Bus haben. Ich möchte deshalb spätestens bis zum Sommer durch Crowdfunding, also durch ein Spendenkonto, einen Neun-Sitzer beschaffen. (Weiterlesen: Ein Apell zur Kooperation im Delmenhorster Fußball)