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Länderspiel der U16-Juniorinnen Rekordkulisse sieht deutsches 0:4 in Wildeshausen

Von Daniel Niebuhr | 14.09.2017, 19:10 Uhr

Die deutschen Juniorinnen verlieren im Wildeshauser Krandelstadion gegen die USA mit 0:4 – erleben aber die größte Kulisse seit Gründung der U16-Nationalmannschaft.

Man konnte Paules Enthusiasmus am Donnerstagmittag mal wieder nur bewundern. Das Maskottchen des Deutschen Fußball-Bundes hüpfte während des Länderspiels der deutschen U16-Juniorinnen gegen die USA in seinem schwarzen Kostüm mit dem quietschgelben Schnabel ununterbrochen über die Aschebahn im Wildeshauser Krandelstadion, ließ sich mit Kindern ablichten und klatschte Sanitäter ab; am Ende hatte er vermutlich mehr geschwitzt als die meisten Spielerinnen.

Der Mann im Adler-Kostüm hatte für seine Animation dieses Mal ein vergleichsweise dankbares Publikum. Die meisten Besucher waren Schüler, die wesentlich lieber im Stadion als im Klassenzimmer und damit bester Laune waren – auch wenn das eigentliche Hauptereignis des Tages nicht unbedingt zu Jubelstürmen inspirierte. Die deutsche U16 bekam von den US-Girls beim 0:4 (0:2) die höchste Niederlage seit ihrer Gründung 2007 verpasst, so dass Bundestrainerin Ulrike Ballweg hinterher „erheblichen Verbesserungsbedarf“ bei ihrem Team diagnostizierte. Sie konnte sich damit trösten, dass die Amerikanerinnen in diesem Jahrgang das Maß aller Dinge sind – und dass ihre US-Kollegin Kacey White artig erklärte: „Wir können von Deutschen auch viel lernen.“

Auch der DFB schwärmt

Selbst die Trainerinnen sprachen allerdings nicht lange über das Spiel, denn den größeren Eindruck hatte ohnehin die gesamte Kulisse hinterlassen, die der VfL Wildeshausen den Mannschaften bereitet hatte. 3168 Zuschauer waren bei traumhaftem Frühherbstwetter gekommen, das ist mit Abstand eine neue Rekordkulisse in dieser Altersklasse. „Vor so vielen Leuten habe ich noch nie gespielt“, erzählte die deutsche Kapitänin Gia Corley von der JFG Wendelstein, Teammanager Florian Streib fand: „Das Stadion ist wunderbar für diesen Anlass.“ Noch beeindruckter waren die Amerikanerinnen, Ex-Profi White schwärmte von „einem ganz speziellen Tag für uns. Ich habe in der Jugend für die USA gespielt und bin seit drei Jahren Nationaltrainerin – so ein Event habe ich noch nicht erlebt.“

Wildeshausen hatte sich in der Tat in Schale geworfen für den großen Tag. Im Stadion wehten die Fahnen der beiden Länder, der UEFA und der FIFA, kurzfristig waren noch digitale Auswechseltafeln beschafft worden, und 300 Wildeshauser Realschüler intonierten die wochenlang einstudierten Hymnen. Insgesamt waren über 2000 Schüler vom Fußball-Kreis mit Karten und vor dem Spiel vom Nationalmannschafts-Fanclub mit Fahnen versorgt worden.

Höchste Niederlage einer deutschen U16

Die deutschen Spielerinnen hat das „wohl etwas eingeschüchtert“, wie Ballweg vermutete, sie hatten gegen die spritzigen Amerikanerinnen jedenfalls kaum eine Chance. Samantha Kroeger nutzte schon in der vierten Minute eine missglückte Abseitsfalle zum 1:0, die überragende Trinity Rodman erhöhte in der 19. Minute. Die erste deutsche Chance hatte Gia Corley mit einem Schlenzer, den US-Keeperin Leah Freeman aus dem Winkel kratzte. „Den hat sie gut gehalten“, fand die deutsche Mittelstürmerin, die bereits ihr elftes Länderspiel bestritt. „Für viele von uns war es aber das erste.“

Die erfahreneren Amerikanerinnen, die am Donnerstag nach dem Spiel zur Shoppingtour nach Bremen fuhren und am Freitag zurück in die Heimat fliegen, überspielten die deutsche Abwehr bei ihren Kontern immer wieder, einer führte zum 3:0 in der 50. Minute durch Reilyn Turner. Torhüterin Pauline Nelles vom 1. FC Köln verhinderte Schlimmeres, war beim 0:4 durch einen von Makenna Morris verwandelten Foulelfmeter in der Nachspielzeit aber machtlos. Die beiden Teams hatten zwei Tage zuvor in Ahlhorn bereits unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegeneinander gespielt – kurioserweise mit dem genau umgekehrten Ergebnis. „Wir nehmen also beide was zum Nachdenken mit“, sagte White.

Was die Beteiligten aber vor allem mitnehmen, ist die Erinnerung an die einmalige Veranstaltung. Der VfL-Vorsitzende Wolfgang Sasse jubelte über einen „hervorragenden Tag“ und spendete den deutschen Mädchen Zuspruch: „Das Erlebnis zählt doch letztlich mehr als das Ergebnis.“ Das fand auch Erich Meenken, der als Vorsitzender des Fußball-Kreises noch ein Jahr zuvor – nach dem U15-Länderspiel in Delmenhorst – keine große Hoffnung auf ein baldiges Gastspiel einer DFB-Auswahl in der Region gehabt hatte. „So schnell kann es gehen. Wenn es so gut organisiert ist – umso besser.“ Adler Paule jedenfalls hatte seinen Spaß.