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Landes- und Bezirksliga Männer Fußball-Bezirk Weser-Ems stellt am Sonntag keine Schiedsrichter

Von Lars Pingel und Klaus Erdmann | 10.03.2017, 13:48 Uhr

Der Fußball-Bezirk Weser-Ems sieht seine Schiedsrichter nach einem Urteil des Obersten Sportgerichts des Niedersächsischen Fußball-Verbands nicht mehr ausreichend geschützt. Dagegen will er ein Zeichen setzen, teilte der Bezirksvorsitzende Dieter Ohls am Freitagvormittag mit: Der Bezirk wird für die Spiele der Bezirksligen 1 bis 5 und der Landesliga der Männer keine Schiedsrichter entsenden. Landesligist SV Atlas Delmenhorst ist optimistisch, sich mit seinem Gastgeber zu einigen. Davon gehen auch der VfL Stenum und der FC Hude aus, die sich im Bezirksliga-Derby gegenüberstehen. Die Partie des VfL Wildeshausen wurde abgesagt.

Der Vorstand des Fußball-Bezirks Weser-Ems will ein Zeichen für den besseren Schutz seiner Schiedsrichter setzen: Er hat am Freitagvormittag angekündigt, dass er keine Unparteiischen zu den für diesen Sonntag, 12. März, angesetzten Spielen der Bezirksligen 1 bis 5 und der Landesliga Weser-Ems der Männer entsenden wird. Nach einer Entscheidung des Obersten Verbandssportgerichts des Niedersächsischen Fußball-Verbands sieht der Bezirk „die Schiedsrichter auch durch Sportsgerichtsbarkeit nicht geschützt“. Das teilte der Vorsitzende Dieter Ohls mit. Das NFV-Gericht hatte ein Urteil des Bezirkssportgerichts gegen Grün-Weiß Firrel aufgehoben, in dem gegen den Verein eine Geldstrafe (400 Euro) verhängt worden war, weil am 18. September 2016 ein Anhänger des GWF nach einem Heimspiel der Bezirksliga-Mannschaft des Vereins den Unparteiischen mit den Worten „So etwas wie euch sollte man vergasen“ beleidigt hatte.

GW Firrel hatte Einspruch eingelegt

Der ostfriesische Verein hatte gegen das Urteil des Bezirkssportgerichts Einspruch eingelegt, das Verbandssportgericht hatte dem Recht gegeben. Dagegen hatte wiederum der Bezirk Revision eingelegt. Das Oberste Verbandssportgericht wies diese als letzte Instanz zurück. Begründet wurde das damit, dass die Äußerung des Zuschauers zwar diskriminierend war, der Verein GW Firrel den Vorfall aber nicht verhindern konnte. Deshalb träfe ihn keine Schuld.

„Schiedsrichter sind immer häufiger Opfer u. a. von verbaler Gewalt. Das führt dazu, dass vor allem junge Schiedsrichter nach kurzer Zeit ihrer Tätigkeit nicht mehr bereits sind, ihrem ehrenamtlichen Engagement nachzugehen und aufhören“, erklärt Ohls in seiner Mitteilung. Durch eine Aufhebung eines Urteils des Bezirkssportgerichts sei sogar „durch die Verbandssportgerichtsbarkeit die Schutzbedürftigkeit seiner Schiedsrichter nicht gewahrt“ worden. Deshalb unterstützt der Bezirksvorstand die Entscheidung seines Schiedsrichterausschusses. Die schon erfolgten Ansetzungen wurden inzwischen auf der offiziellen Internetseite „fussball.de“ rückgängig gemacht.

Jugend- und Frauenspiele nicht betroffen

ür Vereine aus dem Bereich Oldenburg-Land/Delmenhorst bedeutet das, dass morgen keine Unparteiischen zum Landesliga-Spiel VfR Voxtrup gegen SV Atlas Delmenhorst erscheinen. Die Partie des VfL Wildeshausen bei Hansa Friesoythe wurde gestern Abend abgesagt. In der Bezirksliga ist das Derby des VfL Stenum gegen den FC Hude betroffen. Der SV Tur Abdin Delmenhorst ist spielfrei. Für die gestern und heute angesetzten Spiele in den Bezirksligen und in der Landesliga wird der Bezirk Schiedsrichter stellen. Das gilt auch für alle Juniorinnen-, Junioren- und Frauenspiele am Samstag und Sonntag.

Partien sollen ausgetragen werden

Die Partien, zu denen keine Schiedsrichter entsendet werden, müssen laut der Mitteilung des Fußball-Bezirks trotzdem angepfiffen werden: „Gemäß der Spielordnung, Paragraf 30, haben die Spiele trotzdem stattzufinden.“ Zudem wird darauf hingewiesen, dass sich die betroffenen Mannschaften auf einen Schiedsrichter einigen müssen. Es ist aber nicht zwingend notwendig, dass dieser eine Schiedsrichter-Ausbildung absolviert hat. In Absatz (2) des Paragrafen heißt es: „Steht weder ein anerkannter neutraler Schiedsrichter noch ein anerkannter Schiedsrichter eines der beiden beteiligten Vereine zur Verfügung, so müssen sich die beiden Mannschaftsführer auf eine Person einigen, die dem Verband angehört.“

Spiele auf Kreisebene finden statt

Auf die Spiele im Bereich des Fußball-Kreises Oldenburg-Land/Delmenhorst angesetzt sind, hat die Entscheidung des Bezirks keinen Einfluss. Das bestätigte Harald Theile, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Kreisverband. „Wir erklären uns aber solidarisch“, sagte er. Deshalb werden die Kreisschiedsrichter gebeten, keine der betroffenen Partien zu leiten.

Sonntag, 14.30 Uhr: VfR Voxtrup - SV Atlas Delmenhorst

Die Delmenhorster Landesliga-Fußballer sollen am Sonntag ab 14.30 Uhr auf dem VfR-Platz an der Wasserwerkstraße in Osnabrück antreten. „Die Spielordnung sagt, dass wir uns einigen müssen. Das werden der SV Atlas und VfR hinbekommen“, sagte SVA-Teammanager Bastian Fuhrken zu der Schiedsrichter-Frage.

Atlas-Trainer Jürgen Hahn warnt derweil vor dem Gastgeber, der als Vorletzter in großer Abstiegsgefahr schwebt: „Voxtrup hat von den letzten vier Spielen drei gewonnen und wittert wieder eine Chance.“ Der Gegner verfüge über ein gutes Kollektiv und sei robust. Nach dem glücklichen 3:1 über den VfL Oythe werde er die Startaufstellung und „ein, zwei Dinge“ innerhalb des Kaders ändern. Außerdem fodert er: „Wir müssen eine bessere Spannung und Konzentration zeigen.“

Gegen Oythe erhielt Torwart Florian Urbainski den Vorzug vor David Lohmann. „Die beiden sind auf Augenhöhe. Urbainski hat die ganze Vorbereitung absolviert“, sagte Hahn. Lohmann sei später gekommen und erkältet gewesen. „Diese Entscheidung ist“, erklärt der Coach, „nicht in Stein gemeißelt“. Als Schiedsrichter käme in Voxtrup übrigens Betreuer Hergen Küpker infrage: „Er erzählt uns immer, dass er früher höherklassige Spieler geleitet hat.“

Hansa Friesoythe - VfL Wildeshausen abgesagt

Die Wildeshauser hatten schon damit gehadert, dass ausgerechnet ihr erstes Spiel nach der Winterpause vom Schiedsrichter-Streik betroffen sein wird, am Freitagabend sagten die Friesoyther die für Sonntag geplante Landesliga-Partie jedoch ab. Wildeshausens Trainer Marcel Bragula kann sich in diesem Frühjahr also schon auf einige Wochentagsspiele einstellen. Die Aktion der Unparteiischen hat aber zumindest ihn schon ins Grübeln gebracht. „Grundsätzlich muss man für die Schiedsrichter Verständnis haben“, sagte Bragula. „Der Schiedsrichter soll eine Respektsperson sein; das ist nicht mehr immer so“, fügte er hinzu. Daher müsse sich jeder hinterfragen, meinte Bragula – und schloss sich ausdrücklich mit ein.

Sonntag, 14 Uhr: VfL Stenum – FC Hude

Lars Möhlenbrock blieb bei der Frage, wer das Derby wohl leiten wird, gelassen. „Wir werden uns mit den Stenumern in Verbindung setzen“, sagte der Trainer des Bezirksligisten FC Hude, der am Sonntag ab 14 Uhr auf dem Platz seines Landkreis-Nachbarn am Kirchweg zu Gast ist. „Wenn wir jemanden finden, der das macht, dann ist das von meiner Seite aus kein Problem.“ Diese Meinung vertrat auch VfL-Trainer Thomas Baake: „Wir müssen sehen, dass wir uns einigen. Und denjenigen, die das Spiel übernehmen, müssen wir vertrauen, dass sie es vernünftig über die Bühne kriegen.“

Baake verhehlte nicht, dass die Konzentration auf das Sportliche zumindest am Freitag schwer fiel. „Es ist Unruhe drin“, sagte er. „Diese Situation kennen die Spieler nicht.“ Er hoffte, dass die bis morgen verflogen ist, denn „wir müssen in dem Spiel kühlen Kopf bewahren“. Der VfL-Trainer sieht sein Team wegen des Heimvorteils und der deutlich entspannteren Tabellensituation zwar leicht im Vorteil, weiß aber nicht zuletzt nach dem 2:3 im Hinspiel um den Kampfgeist der abstiegsgefährdeten Huder. „Die Partie wird auch eine Mentalitätsfrage“, sagte Baake. „Ich freue mich riesig darauf, das wird ein richtig gutes Spiel.“

Dazu möchte Möhlenbrock mit seinen Spielern viel beitragen. „Wir fahren nach Stenum, um dort zu gewinnen. Klar, auch ein Punkt würde uns guttun. Ich bin aber kein Freund davon, nur zu sagen, dass wir uns gut verkaufen wollen“, sagte der FCH-Trainer: „Wir müssen mutig sein.“