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Landesliga-Gipfel in Lohne SV Atlas genießt die Lage vor dem Topspiel

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 20.05.2017, 11:40 Uhr

Im Titelrennen der Fußball-Landesliga kann am Sonntag bei Gastspiel des SV Atlas Delmenhorst in Lohne eine Vorentscheidung fallen. Atlas-Trainer Jürgen Hahn lebt vor dem Gipfeltreffen beim BW Lohne demonstrative Gelassenheit vor. Beide Trainer erwarten ein ausgeglichenes Spiel. Der SVA baut auch auf die Unterstützung seiner Fans. Wichtig sind zwei Personalien: Wer steht im Tor? Und: Was macht die Verletzung von Musa Karli?

Es ist für beide Mannschaften das bisherige Spiel des Jahres, das Topspiel der Fußball-Landesliga, das vorweggenommene „Finale“ um die Meisterschaft, der Showdown um den Aufstieg in die Oberliga: Wenn BW Lohne und der SV Atlas Delmenhorst am Sonntag (15 Uhr) im Heinz-Dettmer-Stadion vor einer vierstelligen Besucherzahl um den Titel kämpfen, dann gibt es kaum mehr Superlative, die die Brisanz im Duell der beiden Traditionsvereine beschreiben könnten. Eine endgültige Entscheidung um Platz eins wird es noch nicht geben, doch der Verlierer der Begegnung ist zunächst einmal klar im Hintertreffen.

Der größere Druck liegt zumindest aus Tabellensicht beim SV Atlas, weil Lohne am kommenden Mittwoch noch das Nachholspiel beim abgeschlagenen Schlusslicht TuS Pewsum in der Hinterhand hat. Andererseits hat Atlas die Meisterschaft – wieder – in eigener Hand. Erst ein Sieg gegen Lohne, dann ein Erfolg im Heimspiel gegen den VfL Wildeshausen – und der vierte Aufstieg in den vergangenen fünf Jahren wäre perfekt.

Meller Ausrutscher als Mutmacher

Grund dafür ist ein Ergebnis vom Mittwoch: Der SC Melle verlor am Mittwochabend sein hochklassiges Auswärtsspiel beim VfL Oythe mit 2:4 (2:0) – durch zwei Gegentore in der Nachspielzeit. Nach dem 2:2 nach 0:2-Rückstand drängte Melle auf den Sieg, wurde dann aber von Oythe ausgekontert. „Ein Unentschieden hätte uns nicht weitergeholfen“, meinte SCM-Trainer Roland Twrydy konsterniert. Nur grobe Ausrutscher der Konkurrenz aus Delmenhorst und Lohne würden dem SCM den Sprung auf Rang eins noch ermöglichen.

„Die Enttäuschung ist zu spüren, definitiv. Wir hätten es gerne bis zum Ende offengehalten“, sagte Betreuer Tobias Brockmeyer. Dabei hatten sie im Grönegau nach dem 2:0-Sieg vor einer Woche gegen Atlas inklusive einer bärenstarken Leistung noch offensiv von der Oberliga geträumt.

Doch zurück zum Spiel Blau-Weiß gegen Blau-Gelb: Atlas-Trainer Jürgen Hahn sieht die Konstellation gelassen. „Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass wir zwei Spieltage vor Schluss noch alles in eigener Hand haben, dann hätte ich das sofort unterschrieben.“ Atlas „genieße“ und „freue“ sich auf das Gipfeltreffen. „Wir sehen die Konstellation ganz positiv.“ Druck verspüre der SVA nicht, versichert Hahn. „Wir haben seit fünf Jahren den Druck jedes Spiel gewinnen zu müssen. Zumindest erwartet man das von uns“, sagt Hahn und lacht.

Fast identische Saison für Lohne und Atlas

Der Atlas-Trainer wirkt vor dem Topspiel nicht krampfhaft entspannt, er lebt die Gelassenheit tatsächlich vor – ebenso wie auch die Vereinsführung um den Vorsitzenden Jörg Borkus. Ein Unentschieden in Lohne würde er nicht als endgültiges Aus im Titelrennen bewerten. „Lohne muss am letzten Spieltag erst einmal in Bad Rothenfelde gewinnen.“

Doch zunächst will Atlas seine eigenen Hausaufgaben erledigen. Den schwachen Auftritt bei der Niederlage in Melle habe Atlas sauber aufgearbeitet. Die Spielanalyse habe die Fehler gezeigt, die Hahn auch schon auf der Pressekonferenz bemängelte: schlechtes Abwehrverhalten bei den Gegentoren, ein lahmendes Offensivspiel, die mäßige Leistung einiger Spieler. Hahn erwartet im Landkreis Vechta ein „Spiel auf Augenhöhe. Es werden Kleinigkeiten entschieden.“ Die Tagesform, Spielglück, mögliche Schiedsrichter-Entscheidungen – all diese unkalkulierbaren Situationen könnten die Partie beeinflussen. Es sei kein Zufall, „dass beide Mannschaften fast gleich viele Punkte gesammelt und das nahezu identische Torverhältnis haben“. Ein Beleg dafür sei das weitgehend ausgeglichene Hinspiel gewesen, das Lohne durch einen Freistoß von Dustin Beer 1:0 gewann. 

Torwartfrage: Lohmann oder Urbainski?

Dass sich die Teams in puncto Personal respektive Taktik überraschen können, glaubt Hahn nicht. „Wir haben uns oft genug gegenseitig beobachtet“, sagt Hahn. Stärken und Schwächen seien auf beiden Seiten hinlänglich bekannt. Ein Faktor im BWL-Spiel ist Angreifer Tim Wernke, der als Torjäger (bislang 25 Tore) und Vorlagengeber glänzt. Im Hinspiel hatte Atlas den Sturmtank sehr gut im Griff, doch Hahn warnt auch vor Spielgestalter Beer und den pfeilschnellen Außen wie Jakub Bürkle (links) und Alper Yilmaz (rechts).

Zum Personal: Bei Atlas dürfte der zuletzt schmerzlich vermisste Innenverteidiger Hanno Hartmann in die Startelf zurückkehren. Die Qual der Wahl hat Hahn wie immer im Tor: David Lohmann wurde gegen Melle mit einer leichten Gehirnerschütterung ausgewechselt, sein Vertreter Florian Urbainski hielt nach seiner Einwechslung drei Mal klasse. Wer spielt, wollte Hahn noch nicht verraten. Lohmann ging es jedenfalls zu Beginn der Woche schon wieder besser. „Alles ist gut. Mein Kopf hat die Nacht noch gut gearbeitet, aber nun ist nur noch eine Macke im Gesicht“, sagte Lohmann nach seinem harten Zusammenprall mit einem Meller Spieler. So oder so ist sicher, dass Atlas auf dieser Position qualitative Vorteile gegenüber Lohne hat. Ein Fragezeichen setzt Hahn hinter den Einsatz von Musa Karli (Zerrung). Der Offensivspieler war die ganze Woche über bei Ärzten und Physiotherapeuten in Behandlung. Er selbst sagt: „Es sieht ganz gut aus.“

Lohne hat Respekt vor der Kulisse

Lohnes Trainer Thomas Schmunkamp erwartet wie sein Kollege Hahn ein „50:50-Spiel“. Zur Tabellenkonstellation sagt er: „Wir sind nicht gezwungen, gewinnen zu müssen. Aber wir wollen es natürlich.“ Ein Schub habe BWL Melles Niederlage gegeben. Bitter für Lohne: Für Defensivanker Felix Oevermann (Muskelfaserriss) ist die Saison beendet. Langfristig verletzt ist Mittelfeldspieler Kristen Bramscher.

Bleibt nur noch eine Frage: Wie gehen beide Mannschaften mit der großen Zuschauerkulisse um? „Ich hoffe, dass uns die Kulisse nicht lähmt“, sagt Schmunkamp. Sein Kollege Hahn freut sich naturgemäß über diesen Umstand: „Wir sind es gewohnt, vor vielen Zuschauern zu spielen“, sagt Hahn und ist sich sicher: „Unsere Fans werden uns lautstark unterstützen.“