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Landesligist profitiert von Lohnes 3:3 SV Atlas Delmenhorst stürmt in die Oberliga

Von Klaus Erdmann | 29.05.2017, 01:24 Uhr

Der SV Atlas spielt in der Saison 2017/2018 in der Fußball-Oberliga. Die Delmenhorster steigen dank des besseren Torverhältnisses gegenüber BW Lohne als Meister 2016 der Landesliga auf. 1500 Zuschauer erlebten am Sonntag im Stadion an der Düsternortstraße einen an Dramatik nur schwer zu überbietenden Nachmittag, an dem Atlas mit 5:1 gegen den VfL Wildeshausen gewann und Lohne nur 3:3 beim SV Bad Rothenfelde spielte.

„Unbeschreiblich.“ „Das habe ich noch nicht erlebt.“ „Unglaublich.“ Das 5:1 (1:0) des SV Atlas gegen den VfL Wildeshausen, das dem Landesligisten im Zusammenwirken mit dem 3:3 des SV Bad Rothenfelde gegen den TuS BW Lohne vor 1500 Zuschauern den Aufstieg in die Fußball-Oberliga beschert hat, löste im Delmenhorster Lager nicht nur starken Jubel, sondern auch wiederholt Kopfschütteln aus. Um 16.55 Uhr traf im Stadion die Nachricht vom Bad Rothenfelder Unentschieden ein. Es machte den Sprung des SVA, der gegenüber den Lohnern (beide 61 Punkte) über das bessere Torverhältnis verfügt, in die fünfthöchste deutsche Spielklasse perfekt. Grenzenlose Freude verschaffte sich Raum.

SV Atlas bildet einen Kreis

Dem befreienden Jubel waren drei Minuten vorausgegangen, in denen die Atlas-Spieler und -Verantwortlichen einen Kreis bildeten, um dort der Nachricht aus Bad Rothenfelde entgegenzufiebern. „Als wir im Kreis standen, ging die Zeit nicht rum“, sprach der gelbgesperrte Kevin Radke aus, was viele dachten.

Kreis, Jubel und die anschließende Party bildeten die Hauptzutaten einer „Nachspielzeit“, die einem finalen Treffen, das auch von der Spannung des Spiels Bad Rothenfelde gegen Lohne lebte, die Krone aufsetzte. Immer wieder machten Zwischenergebnisse damit verbundene Freude beziehungsweise Niedergeschlagenheit die Runde. „Wir hatten verschiedene Live-Ticker. Zwischendurch hieß es, Lohne führt mit 4:3“, schüttelte Horst „Blacky“ Dräger, Edelfan mit Stammplatz im Block H, den Kopf.

Musa Karli schießt das 1:0

Ein Drama in drei Akten. Erster Akt. Atlas reißt das Geschehen von Anfang an sich und bringt es während der ersten elf Minuten auf 5:0 Ecken. Die erste Chance vergibt jedoch Wildeshausens Frederik Dittmar (8.), dessen Elf bereits zuvor als Absteiger feststand. Zwei Minuten später gelingt Musa Karli mit einem noch abgefälschten 20-Meter-Schuss das 1:0. In der 18. Minute künden „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Rufe von Bad Rothenfeldes 1:0. Es folgt ein Festival der vergebenen Atlas-Chancen: Lars Scholz schießt vorbei an den Pfosten (26.). Scholz scheitert an Keeper Lauren Riedel (31.). Riedel pariert gegen Musa Karli (33.). Scholz trifft den Pfosten, ehe Lukas Schneider rettet (42.). Musa Karli verfehlt das Ziel (44.). Patrick Degen köpft über das Tor (45. +1). Dominik Entelmann verliert das Duell mit Riedel und Lennart Flege rettet in höchster Not (jeweils 45. +3). Viele hervorragende Spielzüge, aber kein zweites Tor – es ist zum Haareraufen. Zwischendurch verbreitet sich immerhin die Nachricht von Bad Rothenfeldes 2:0. Aufatmen. Dann heißt es: „Nur noch 2:1.“ Alle wissen, was gemeint ist. „Wir hätten zur Pause 5:0 führen müssen“, sagt SVA-Chefcoach Jürgen Hahn später – und dann sagt er noch, dass das jetzt aber auch egal ist.

Wildeshausen gleicht aus

Zweiter Akt. Wildeshauens quirlige Offensivkraft Maximilian Seidel sorgt in der 49. Minute mit einem 25-Meter-Schuss für das 1:1 und für eine kalte Dusche für Atlas bei hochsommerlichen Temperaturen. Für ein solches Tor wurde die Formulierung „wie aus heiterem Himmel“ erfunden. Atlas wirkt geschockt, der VfL sichert sich mehr Anteile. „Lohne 2:2“ sagt Delmenhorsts Teammanager Bastian Fuhrken. Auch das noch. Dann ist der Aufsteiger, der nun erneut aufsteigt, wieder am Drücker. Degen vergibt eine gute Möglichkeit (55.). Degen trifft Riedel, von dem der Ball an die Unterkante der Latte springt (58.). Flege rettet vor Entelmann (58.).

Dennis Janssen bricht den Bann

In der 62. Minute markiert Dennis Janssen nach Vorarbeit von Musa Karli und Scholz das 2:1. Simon Matta verpasst die Resultatsverbesserung (68.). Entelmann ebenfalls (71.), doch er trifft einer Minute später aus kurzer Distanz und nach Vorlage von Matta zum 3:1. Matta sorgt für das 4:1 (76.). Sechs Minuten später: „3:2 für Lohne.“ Stille. Drei Minuten später: „3:3 in Bad Rothenfelde.“ Freude. In der 88. Minute tanzt Musa Karli zwei Gegner aus, schießt ins lange Eck und setzt damit den Schlusspunkt unter das 5:1. Endes des zweiten Aktes.

Kompliment vom VfL-Trainer

Dritter Akt. Kreis, Spannung, das 3:3-Ergebnis aus Bad Rothenfelde, Jubel, Sprechchöre, Bierduschen, aber auch: Tränen und Raum für besinnliche Momente – das ganze Programm. VfL-Cheftrainer Marcel Bragula sagte: „Heute hat Oberliga gegen Bezirksliga gespielt. Der Sieg geht auch in dieser Höhe in Ordnung. Der SV Atlas war bärenstark und er soll schön feiern. Der Aufstieg ist gut für die Region.“ Sein Kollege Hahn erklärte: „Ich bin immer positiv geblieben. Ein Kompliment und ein Dankeschön an Bad Rothenfelde.“

Zugabe: Aufstiegsparty mit Open End. Unbeschreiblich. Das haben viele noch nicht erlebt. Unglaublich.