Ein Angebot der NOZ

Leichtathletik: Senioren-EM Delmenhorster Geher Heiko Lersch holt Team-Gold

Von Klaus Erdmann | 30.03.2015, 21:30 Uhr

Das deutsche Geher-Team um den Delmenhorster Heiko Lersch siegt im polnischen Torun knapp vor Lettland. Der Kugelstoßer Ulrich Garde, der für die LGG Ganderkesee startet, belegt Platz vier.

„Ich habe alles gegeben. Ich war vollkommen alle und bin im Ziel zusammengeklappt.“ Heiko Lersch, für den Braker SV und in der Altersklasse 75 startender Geher, schildert die letzten Meter seines Wettbewerbs, dem 5000-Meter-Straßengehen, anschaulich. Die Mühe hat sich gelohnt: Lersch, der gemeinsam mit zwei anderen Aktiven die deutsche Mannschaft bildete, holte bei der Europameisterschaft der Leichtathletik-Senioren im polnischen Torun Gold. In Ulrich Garde beteiligte sich ein weiterer Delmenhorster an den Titelkämpfen. Der Kugelstoßer, der der LGG Ganderkesee angehört, belegte in der Altersklasse 50 Platz vier.

Vier Altersklassen in einem Wettkampf

Bei den Gehern bildeten Vertreter der Altersklassen 70, 75, 80 und 85 ein Teilnehmerfeld. Lersch erreichte mit 35:32,5 Minuten Bestzeit: Position sechs in seiner Klasse und Rang 17 in der Gesamtwertung. Holger Flassnöcker (TGH Wetter, Westfalen), der nach 34:43,7 Minuten auf Platz fünf landete, und Frank Knäringer (TSG Esslingen, Baden-Württemberg), der nach 37:34,2 Minuten Achter wurde, komplettierten das Team. Es siegte mit einer Gesamtzeit von 1:47,50 Stunde knapp vor Lettland (1:48,07).

Lersch: „Ich war noch nie so kaputt.“

Der Regen, der bereits die nächtliche, rund achtstündige Autofahrt von Heiko und Sylvia Lersch begleitete, blieb auch während des Wettkampfs, der am Samstag um 9.50 Uhr begann, ein treuer Begleiter. „Es herrschte große Begeisterung. Im Stadion waren viele Zuschauer, überwiegend Deutsche“, berichtet der Geher. Er absolvierte eine Runde im Stadion, drei Runden auf der Straße und abschließend eine halbe Stadionrunde. „Als ich ins Stadion kam, hat mich Flassnöcker angefeuert und gesagt, es gehe um Sekunden“, so Lersch. Das Happy End blieb nicht aus – und er sagt: „Ich war noch nie so kaputt.“

Routinier macht weiter

Am Nachmittag stand eigentlich Sightseeing auf dem Plan. Doch daraus wurde nichts, denn die Siegerehrung fand erst um 17 Uhr statt. „Ich stand das erste Mal auf einem solchen Podest. Als die Nationalhymne gespielt wurde, hatte ich einen Kloß im Hals“, blickt Lersch zurück. Der Plan, mit dem Start bei der Europameisterschaft die Karriere zu beenden, gehört der Vergangenheit an. „Es sollte Schluss sein, aber ich hänge noch ein Jahr dran“, betont der Routinier. Mit seiner Zeit von 35:32,5 Minuten qualifizierte er sich für die DM, die im Juni in Düsseldorf stattfindet. 36:30 Minuten sind gefordert,

Heiko Lersch („Alle Wettkämpfe wurden im Fernsehen gezeigt“) äußert sich positiv über das Stadion und besonders die Organisation. Auch Garde lobt die Gastgeber in höchsten Tönen: „Die Organisation war ganz hervorragend. Die Gastgeber haben viel Aufwand betrieben, und alles war sehr liebevoll. Das ist kaum zu toppen.“

Ulrich Garde verletzt sich beim ersten Versuch

Mit seinem Abschneiden zeigte sich Kugelstoßer Garde hingegen nicht zufrieden. Bereits beim ersten Versuch, der ihm 14,34 Meter bescherte, zog sich Garde eine Verletzung im rechten Oberschenkel zu. „Ich konnte dann nur noch aus dem Stand stoßen“, erklärt er. Das sei ärgerlich gewesen, denn er habe nicht mehr kontern können. Garde: „Die Weiten gingen sukzessive nach hinten.“ Der LGG-Athlet, der Hin- und Rückreise mit der Bahn bewältigte („Ich musste viermal umsteigen. Es klappte alles gut“) musste die Polen Mieczyslaw Szpak (15,37) und Marek Stolarczyk (15,22) sowie dem Schweden Bengt Pettersson (ebenfalls 15,22) den Vortritt lassen. Jetzt legt Ulrich Garde eine Pause ein: „Ich muss mich erst mal auskurieren.“