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Lob für Youngster Ramke und Stolle Der TSV Ganderkesee und die leichten Turbulenzen im Mittelmaß

Von Daniel Niebuhr | 06.06.2015, 11:12 Uhr

Aufsteiger TSV Ganderkesee wird in der Fußball-Bezirksliga Zehnter, erlebt aber eine durchaus aufregende Saison – inklusive dem Abschied von Erfolgscoach Hamid Derakhshan.

Mitte Mai musste Hamid Derakhshan beruflich verreisen. Der Trainer, der das Amt auf der Bank des TSV Ganderkesee kurz zuvor schweren Herzens hatte aufgeben müssen, weilte während der letzten Bezirksligaspiele im Iran, ließ sich aber durch Kurznachrichten über den Saisonendspurt informieren. Was er las, dürfte ihn zumindest in moderates Erstaunen versetzt haben.

Merkwürdige Ergebnisse, merkwürdige Saison

 6:3 gegen den BV Bockhorn und 3:6 beim TV Esenshamm gingen die beiden finalen Partien aus, merkwürdige Ergebnisse, die aber doch zur ebenfalls merkwürdigen Saison passten. Man sei weder enttäuscht noch völlig zufrieden, erklärt Derakhshan: „Es ist irgendwas dazwischen.“

Keine Langweile trotz Mittelfeldplatz

In seiner ersten Spielzeit nach der Rückkehr in die Bezirksliga hat der TSV tatsächlich ereignisreiche Monate erlebt, vielleicht aufregender, als es den Verantwortlichen lieb gewesen wäre. Platz zehn in der Abschlusstabelle klingt zwar nach Langeweile, langweilig war es in Ganderkesee aber selten. 125 Treffer fielen zum Beispiel in allen TSV-Partien zusammen; nur die manchmal zum Wilden neigenden Bockhorner (144) und der völlig überforderte Absteiger RW Sande, der allein 103 Gegentreffer kassierte, boten mehr Spektakel. Zuhause waren die Ganderkeseer der neuen Spielklasse absolut gewachsen, auswärts blieb bei nur zwei Siegen noch Luft nach oben. Dazu kam drei Spieltage vor Schluss der nicht geplante Trainerwechsel: Derakhshan musste aus beruflichen Gründen passen, in den letzten zwei Spielen übernahmen Co-Trainer Ronald Feist und der Sportliche Leiter Daniel Lachmund, der auch in der kommenden Saison auf der Bank sitzen wird. Alles in allem war deutlich mehr Spannung in dieser Saison, als es der Tabellenplatz vermuten lässt.

Junge Spieler haben sich entwickelt

Allerdings hat es die sportliche Leitung geschafft, zu keinem Zeitpunkt Unruhe oder gar Hektik aufkommen zu lassen. „Wir waren nie wirklich in Abstiegsgefahr“, betont Abteilungsleiter Andreas Volk. „Der Klassenerhalt war das Hauptziel, das haben wir erreicht.“ In der Tat stand die TSV-Elf nur nach dem ersten Spieltag auf einem Abstiegsplatz, danach war sie nie schlechter als Elfter. Das gab einigen jungen Spielern die Chance, sich zu entwickeln. Robin Ramke, der neunmal traf, der dreifache Torschütze Christoph Stolle und die anderen Youngster hinterließen auf Bezirksebene erste Duftmarken. Derakhshan bescheinigt den beiden sogar eine „Riesensaison“ und schwärmt: „Sie werden Ganderkesee auf Jahre hin prägen.“

Erfahrene Spieler gehen, junge Spieler rücken nach

Das werden sie vermutlich auch müssen. Mit Deniz Carrilho, Apostolos Papakostas und Toptorjäger Manuel Carrilho gehen erfahrene Spieler, dafür sollen Talente aus der Bezirksliga-A-Jugend nachrücken. Lennard Stöver und Collin Carmesin kommen aus der A-Jugend, aus der zweiten Mannschaften stoßen Jean-Michel Dietrich und Michael Eberle dazu. Mit Bassel Ibrahim, der in der vergangenen Saison beim Bookholzberger TB 23 Tore in der 1. Kreisklasse erzielt, steht bislang nur ein externer Neuzugang fest.

Neue Trainer-Aufgabe für Derakhshan

„Wir werden spielerisch weiterhin gut mithalten können“, glaubt Volk. Dann wird Lachmund den Umbruch fortführen, der unter Derakhshan schon begonnen hat. Der Ex-Coach, der in der kommenden Saison die U17 von Victoria Hamburg trainiert, bekennt: „Es tut sehr weh, die Mannschaft zu verlassen. Ich denke jeden Tag noch an die Jungs und wüsche alles Gute.“