Ein Angebot der NOZ

Lokalsport Rückblick II Grüppenbühren/Bookholzberg fliegt in die Bundesliga

Von Lars Pingel | 31.12.2017, 13:35 Uhr

Drei Höhenflüge und ein Absturz: So lässt sich in Kurzform das vergangene Handball-Jahr aus Sicht der Region zusammenfassen. Highlight war der Aufstieg der A-Jugend der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg in die Bundesliga. Zwei Landkreis-Mannschaften schafften den Sprung in die Verbandsliga, während dorthin die HSG Delmenhorst aus der Oberliga abstieg.

340 Länderspiele, Olympia-Silber, EM-Gold sowie WM- und EM-Silber, neun deutsche Meisterschaften und je drei DHB- und EHF-Pokalsiege – die Erfolge, die Klaus-Dieter Petersen in seiner aktiven Laufbahn gefeiert hat, haben einen der bekanntesten deutschen Handballer in die größten Arenen geführt. Und: Von 1993 bis 2005 lief er für den THW Kiel in die (fast) immer ausverkaufte Ostseehalle vor zunächst 7000 dann 10000 Fans ein. Am 17. September, ein Sonntag, wurde der 49-Jährige, der inzwischen als Nachwuchstrainer beim deutschen Rekordmeister tätig ist, zum Fan der Halle am Ammerweg in Bookholzberg. Dort war zum ersten Mal ein Bundesligaspiel zu Ende gegangen.

Die Kieler A-Jungen hatten die der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg mit 40:22 besiegt. Vor einer ausverkauften Tribüne. Das hieß vor begeisterten 310 Zuschauern. Die feierten beide Mannschaften. Das gefiel Petersen. Er lobte Stimmung und Umfeld: „Wir fanden es hier sehr sympathisch.“

Die Partie gegen den THW war bereits das zweite Spiel der HSG in der Nordstaffel der 1. Liga. Den ersten Aufstieg einer Mannschaft aus der Handball-Region Oldenburg in die Jugend-Bundesliga machte sie am 4. Juni in der Qualifikation perfekt, die Grüppenbühren/Bookholzberg als Vierter der B-Jugend-Oberliga erreicht hatte. Das Team war mit 4:0 Punkten aus dem ersten Durchgang in Groß Lafferde gekommen, bangte dann in Burgdorf aber doch bis in die Schlussminuten des letzten der drei Spiele der zweiten Runde. Nach einem 15:17 gegen den TSV Anderten und einem 15:15 gegen den TV Oyten musste die HSG gegen den BSV Magdeburg gewinnen. Das gelang: 17:15 – aufgestiegen.

Die packende Relegation markierte den erfreulichen Höhepunkt eines dramatischen Saisonfinals 2016/17. Für den Männer-Oberligisten HSG Delmenhorst endete es mit dem Abstieg aus der Ober- in die Verbandsliga. Die TS Hoykenkamp und die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg stiegen aus der Landesliga auf.

HSG Delmenhorst steigt aus der Oberliga ab

Am 22. April lag die HSG Delmenhorst nach einem 33:28-Heimsieg über den TSV Bremervörde bei noch zwei ausstehenden Spieltagen drei Punkte vor dem Elsflether TB, der den ersten Abstiegsplatz innehatte. Ein weiterer Sieg hätte der HSG also gereicht. Doch das Spiel bei der HSG Schwanewede/Neuenkirchen ging verloren. Es folgte vor 450 Zuschauern in der Stadionhalle ein 27:27 gegen den TV Bissendorf-Holte. In den letzten sechs Minuten und 52 Sekunden erzielte kein Team ein Tor. Die Elsflether gewannen im Schlussspurt zweimal. Trotzdem, ein ganz kleiner Hoffnungsschimmer blieb den Delmenhorstern. Wenn die SG VTB/Altjührden in der 3. Liga geblieben wäre, hätten sie auch in der inzwischen laufenden Saison 2017/2018 in der Oberliga antreten können. Die Friesländer scheiterten aber in der Relegation.

In die Spielzeit 2017/18 ist Delmenhorst mit einem neuen Trainer gestartet. Jörg Rademacher, der mit einem kleinen Kader beim TV Neerstedt souverän den Oberliga-Verbleib gesichert hatte, kam zur HSG. Nach leichten, von Rademacher vorhergesagten, Startschwierigkeiten, lief es immer besser. Sie ist mit 19:3 Punkten als Spitzenreiter in die Winterpause gegangen.

Das Handball-Wunder TS Hoykenkamp

3:19 Zähler weist in dieser Staffel die TS Hoykenkamp auf – und ist damit Schlusslicht. Dass die Mannschaft in der fünften Liga antritt, verdankt sie einem kleinen Handball-Wunder, das sie am 28. Mai schaffte. 150 Zuschauer verwandelten die Halle Heide in ein Tollhaus, als der 25:18-Erfolg über die SG Achim/Baden feststand. Damit hatte die TSH das 21:28 aus dem Hinspiel wettgemacht und die Aufstiegsrelegation der Landesliga-Vizemeister Weser-Ems und Bremen dank der mehr erzielten Auswärtstore gewonnen.

Die HSG Grüppenbühren/ Bookholzberg war derweil souverän Meister der Landesliga Weser-Ems geworden. Das Team von Coach Sven Engelmann gab nach einem 1:5-Punkte-Start in den restlichen 23 Partien nur noch fünf Zähler ab. Engelmann legte vor der laufenden Saison das Traineramt aus beruflichen Gründen nieder. Sein Nachfolger wurde der bisherige „Co“ Andreas Müller. Das Team kam in der Verbandsliga bisher auf 10:12 Punkte – Platz zehn.

A-Jugend der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg mit Bundesliga-Ausbeute nicht zufrieden

Die A-Jugend der Landkreis-HSG, die mit einem 37:37 beim TSV Sieverstedt in das „Abenteuer Bundesliga“ gestartet war, holte nach dem 22:40 gegen Kiel, mit dem 23:23 beim TV Oyten am 24. September einen weiteren Punkt – es war allerdings der bisher letzte für das Schlusslicht, das zwölf von 22 Spielen absolviert hat. „Mit der Ausbeute bin nicht zufrieden“, gibt Stefan Buß zu, der die HSG mit Andreas Müller trainiert. „Wir hätten drei, vier Punkte mehr haben können.“

Mangelnde Cleverness ist eine Erklärung für die unnötigen Niederlagen, eine anderere das Verletzungspech. Dass ein Leistungsunterschied zum Nachwuchs von Erstligavereinen wie zum Beispiel den Füchsen Berlin und SC Magdeburg, die mit Sportschulen und -internaten zusammenarbeiten, bestehen würde, war allen in der HSG vor der ersten Partie klar. „Die absolvieren sieben bis zwölf Einheiten pro Woche, wir drei bis vier“, sagt Buß: „Wenn du fast 5000 Pässe mehr gespielt hast, ist die Genauigkeit natürlich größer.“

Der HSG-Trainer freut sich, dass sich die Spieler dennoch „sportlich deutlich weiterentwickelt“ haben. Stolz ist er auf ihren Teamgeist. „Den Jungs macht es immer noch tierisch Spaß. In der Mannschaft stimmt es“, sagt Buß. Das wird in der HSG und umzu anerkannt. „Was wir mit unseren Mitteln als kleiner Verein auf die Beine stellen ist sensationell“, findet Buß. „Wir haben im Schnitt 300 Zuschauer bei den Heimspielen gehabt. Das ist faszinierend. Dafür bekommen wir viele Komplimente.“ Unter anderem von Klaus-Dieter Petersen.