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Luftsportverein Delmenhorst Segelflieger knacken magische 1000-Kilometer-Grenze

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 28.05.2016, 11:59 Uhr

Vier Tage, vier Länder, dazu 29 Stunden im motorlosen Flug im Segeflugzeug über mehr als 3100 Kilometer: Jürgen Staus und Wolfgang Strache vom Luftsportverein Delmenhorst sind zum ersten Mal mehr als 1000 Kilometer am Stück geflogen.

Seit mehr als 30 Jahren sind Jürgen Staus und Wolfgang Strache aktive Segelflieger. Einen Segelflug über mehr als 1000 Kilometer Länge? Das haben die beiden Mitglieder des Luftsportvereins Delmenhorst (LSVD) in ihrer langen Laufbahn noch nie geschafft – bis zum 3. Mai. Dort knackten die Delmenhorster bei ihrem „etwas anderen Vatertagsausflug“ (Strache) die magische Grenze. Start: Große Höhe bei Delmenhorst. Landung: Stillberghof bei Donauwörth. Nach einer Flugzeit von 10:40 Stunden hatten sich die Delmenhorster ihr lange gestecktes Traumziel endlich erfüllt.

Der Flug am Tag vor Christi Himmelfahrt war für den 53-jährigen Strache und seinen 54-jährigen Partner der Auftakt einer viertägigen Reise durch vier Länder. Bei den 29 Stunden im motorlosen Flug segelten sie am Gipfel der Zugspitze vorbei, durch die österrischen Alpen und überflogen die Schneekoppe. Strache schwärmt noch immer beim Rückblick auf ihre Reise: „Das waren die absoluten Highlights in unserer Segelfliegerlaufbahn.“

Delmenhorster feiern Rekordversuch bis in die Nacht

Beim Studium der Wetterlage in Vorbereitung auf ihren mehrtägigen Ausflug sahen Strache und Staus, „dass es möglich war, unser Traumziel 1000 Kilometer zu erreichen“. Die Delmenhorster bekamen von ihren Arbeitgebern einen Tag eher frei – und nahmen mit einer ASH 25 E mit 26 Metern Spannweite ihr Ziel in Angriff. Nach ihrem Start um 10 Uhr auf der Großem Höhe durchquerten Strache und Staus Deutschland von Nord- bis nach Süddeutschland. Sie flogen erst bis in die Schwäbische Alb westlich des Bodensees, dann nach Nürnberg und schließlich zurück ins schwäbische Stillberghof.

Nach 1165 Kilometern Streckenlänge war um 20.40 Uhr die magische Grenze geknackt. Damit stellten Strache und Staus nicht nur einen persönlichen und einen Vereinsrekord auf, sondern gleichzeitig den längsten Flug ab der Großen Höhe. Über diese Bestleistung waren die Segelflieger so begeistert, „dass wir ausgiebig bis spät in die Nacht gefeiert habe“, berichtete Strache und ergänzte mit einem Lächeln: „Am Vatertag haben wir erst einmal einen Ruhetag eingelegt.“ (Weiterlesen: Zahlen und Fakten zu Flugtag eins)

Segelflieger schwärmen über „traumhafte Kulisse“

Der Ehrgeiz der beiden Segelflieger war damit aber noch lange nicht gestillt. Im Gegenteil. Am Freitag, dem zweiten Flugtag, segelten die Delmenhorster ab Donauwörth am Gipfel der Zugspitze entlang, dann durch die österreichischen Alpen von Imst im Inntal nördlich an Innsbruck vorbei, über das Ziller- und Ennstal und glitten am „majestätischen Dachsteinmassiv“ (Strache) in 3000 Meter Höhe entlang. „Die Berge waren überwiegend mit Schnee bedeckt, eine traumhafte Kulisse“, schwärmte Strache.

Auf dem Rückflug kreisten sie am Wilden Kaiser, dann über Kufstein die Alpen Richtung Norden vorbei und segelten mit einer Abflughöhe von 3300 Meter bis zu einem kleinen Segelflugplatz bei Regensburg, Strache sagte über den 670 Kilometer langen Flug nach 7:45 Stunden: „Es war fantastisch.“ (Weiterlesen: Zahlen und Fakten zu Flugtag zwei)

Über den Bayerischen Wald fast bis in die Slowakei

Flugtag drei führte die Delmenhorster in bislang „absolut unbekanntes Terrain“ (Strache) – nämlich über den Bayerischen Wald nach Tschechien bis nahe der Grenze zur Slowakei. Den Abschluss fanden Strache und Strauß durch den Überflug der noch mit „Puderzucker bestreuten“ Schneekoppe und finalem Gleitflug zum Flugplatz Kamenz bei Dresden, wo sie nach 6:30 Stunden und 630 Kilometern landeten. (Weiterlesen: Zahlen und Fakten zu Flugtag drei)

Von dort aus startete das Duo am vierten Flugtag zu einem Hochgeschwindigkeitsrückflug nach Delmenhorst inklusive Abstecher nach Polen. Auf ihrer 430-Kilometer-Strecke erreichten Strache und Staus eine Durchschnittsgeschwindigkeit von Tempo 173. „Damit waren wir schneller, als jedes Auto oder jeder ICE diese Strecke zurücklegen könnte – und das alles nur mit der Energie“, staunte Strache. (Weiterlesen: Zahlen und Fakten zu Flugtag vier)

Große der Segelfliegerfreunde

Die letzten 4:20 Stunden Flug waren für Strache der „traumhafte Abschluss einer fantastischen Tour, auf der wir große Gastfreundschaft und Unterstützung durch die Segelfliegerfreunde in den verschiedensten Regionen Deutschlands erleben durften“. Die Vorfreude auf die nächste Tour im kommenden Jahr ist bei den Segelfliegern schon jetzt wieder groß. „Da fiebern wir drauf hin“, sagt Strache.