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Macher auf der Matte Heiko Fritsch will Judoka des JC Bushido führen

Von Daniel Niebuhr | 11.11.2016, 20:55 Uhr

Nach 34 Jahren in der Schweiz kehrt der Delmenhorster zu seinem Heimatclub zurück. Der WM-erfahrene Ex-Nationaltrainer wird die Judo-Abteilung übernehmen und will mit seinem Heimatverein an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen.

Schon die Stimme des Heiko Fritsch klingt nach hochgekrempelten Ärmeln. Wenn der Judoka spricht, steckt der Tatendurst in jedem Satz – und man kann sich vorstellen, was da in nächster Zeit auf seinen neuen, alten Verein zukommt. „Ich habe mein Leben lang Dinge angepackt“, sagt der 65-Jährige. „Wir werden einiges verändern müssen. Teilweise muss ich die Leute vielleicht aus einer Lethargie wecken.“

Fritsch hat also offenkundig einiges vor beim JC Bushido, seiner alten Liebe, zu der er nach 34 Jahren zurückgekehrt ist. Der Delmenhorster gehört dem Judoclub seit dem Gründungsjahr 1969 an, zog aber erst im Juni nach mehr als drei Jahrzehnten in der Schweiz zurück an die Delme – und wurde praktisch sofort der neue starke Mann in Sachen Judo. Noch ist er nur stellvertretender Abteilungsleiter, doch Spartenchef Ralph Dziemba kündigte umgehend an, seinen Stuhl für Fritsch zu räumen. Der Heimkehrer, erklärt er, komme wie gerufen: „Er ist ein Macher, man merkt, dass mit ihm ein anderer Wind weht.“ Vielleicht werde er „auch einigen ein bisschen auf die Nerven gehen“.

Nationaltrainer in der Schweiz

Dass ein Abteilungsleiter so überzeugt ist von seinem Nachfolger, ist bemerkenswert und auch der eindrucksvollen Laufbahn geschuldet, die Fritsch vorweisen kann. Er hat sich in fast 50 Jahren als Judoka eine Vita von internationalem Rang erarbeitet. Als Trainer und Schriftführer hat er bei Bushido begonnen; nachdem er seine Frau auf einem Lehrgang kennengelernt hat, wanderte er zu ihr in die Schweiz aus und entwickelte sich da konsequent weiter. Er leitete die Judoabteilung des JJJC Meilen und machte mit dem Club vom Zürichsee immer wieder auf sich aufmerksam. Unter anderem richtete er das größte Turnier für weibliche Judoka und Schweizer Meisterschaften aus.

Die Höhepunkte erlebte er allerdings in Diensten des Schweizer Verbandes: Von 1996 bis 2000 war er Nationaltrainer für die Frauen und weibliche U20 und reiste in Sachen Judo um den Globus. Drei Welt- und fünf Europameisterschaften fielen in diese Zeit.

Ziel: 100 Judoka bei Bushido

Solche Maßstäbe erfüllen bei Bushido aktuell nur die Boxer, die im Nachwuchsbereich zur nationalen Spitze gehören; für den Judobereich fallen die Ziele, bei allem Schaffensdrang, etwas kleiner aus. Fritsch, der nach seiner Pensionierung wieder nach Delmenhorst kam – er leitete zuletzt die Produktionstechnik eines Entwicklers und Herstellers für Automobilelektronik –, will den Verein zu seinem alten Glanz zurückführen, den er in den 70er Jahren vor seiner Auswanderung ausstrahlte, damals spielten Bushidos Judoka auch innerhalb der Delmenhorster Sportszene noch eine bedeutendere Rolle. „Wir hatten eine große und starke Abteilung“, erzählt Fritsch, der sich an dreistellige Mitgliederzahlen im Judobereich erinnert. Die 100er-Marke will er in naher Zukunft wieder knacken, was mit einigem Aufwand verbunden sein wird. Die Abteilung ist erst vor nicht einmal drei Jahren wieder gegründet worden und steht aktuell bei 30 Mitgliedern. Noch-Spartenleiter Dziemba fürchtet den Weg aber nicht; 100 Judoka „sollten möglich sein“, sagt er und verweist auf die gesunde finanzielle Lage des Vereins.

Der WM-erfahrene Fritsch braucht dafür neben Wettkampf- auch Breitensportler und packt auf der Matte direkt selbst mit an. Der A-Lizenz-Inhaber, der den 2. DAN besitzt, leitet Einstiegskurse für Kinder und Erwachsene und wirbt immer um Interessenten – ob Anfänger oder erfahrene Judoka –, die sich per Mail unter judo@ewe.de melden können. „Judo ist ein wunderbarer Sport. Wir wollen bei Bushido etwas Schönes aufbauen“, sagt er. Am Tatendrang scheitert es schon einmal nicht