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Mädchen-Spielbetrieb Fußball-Vereine rebellieren gegen Kreis-Kooperation

Von Frederik Böckmann und Daniel Niebuhr | 26.06.2017, 08:52 Uhr

Fünf Vereine aus dem Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst haben einen Antrag gegen die geplante Kooperation mit den Kreisen Cloppenburg und Vechta im Mädchen-Spielbetrieb gestellt – und unter anderem dadurch fast das Aus der Zusammenarbeit besiegelt.

Die vergangene Fußball-Saison ist abgehakt, die kommende Serie steht noch nicht in den Startlöchern. Es ist jetzt also genau die Zeit, um nach einer langen Spielzeit etwas zur Ruhe zu kommen. Von wegen! Denn im Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst rumort es seit ein paar Tagen gewaltig. Atmosphärische Störungen und nicht zu überbrückende Differenzen sorgten zuletzt sogar fast für das Aus der zur Saison 2017/2018 beschlossenen Kooperation der Kreise Cloppenburg, Vechta und Oldenburg-Land/Delmenhorst im Mädchenbereich.

„Das Kind war eigentlich schon in den Brunnen gefallen“, erklärte der Kreis-Vorsitzende Erich Meenken am Sonntag die sich überschlagenen Ereignisse der vergangenen Tage mit dem Rücktritt von Funktionärin Sylvia McDonald und einem Antrag von fünf großen Fußball-Abteilungen, die sich für einen Verbleib in der bisherigen Kooperation mit Oldenburg-Stadt, Ammerland, Friesland, Wilhelmshaven und Wesermarsch aussprechen.

Rückblende: Am 4. Februar dieses Jahres beschlossen 56 von 61 anwesenden Vereinen aus den Kreisen Oldenburg-Land/Delmenhorst, Cloppenburg und Vechta einen gemeinsamen Spielbetrieb bei den A- und B-Junioren, bei den Frauen und bei den Mädchen. Nur eine Nein-Stimme kam aus Oldenburg-Land/Delmenhorst. Die drei Kreise wollen kooperieren, um einen geordneten Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. So weit, so gut. Bis vor ein paar Tagen. (Weiterlesen: Fußball-Kreis kooperiert mit Cloppenburg und Vechta)

Vereine sorgen sich um geleitete Aufbauarbeit

Dann ging bei Erich Meenken ein Antrag ein, in dem sich fünf Vereine im Juniorinnen-Bereich klar gegen die Zusammenarbeit mit Cloppenburg und Vechta aussprechen. „Wir sehen die Gefahr, dass die in den letzten Jahren geleistete Aufbauarbeit im Juniorinnenfußball einen Rückschlag erleidet, wenn nach den angedachten Ausschreibungselementen der Spielbetrieb durchgeführt werden soll“, heißt es in dem Antrag. Unterzeichner sind folgende Vereine: der TSV Ganderkesee, TV Jahn/SG Delmenhorst, der VfL Stenum, der FC Hude und der VfL Wildeshausen.

„Dieser Antrag kam ziemlich überraschend“, sagte Erich Meenken. Auf der Versammlung im Februar habe sich eine deutliche Mehrheit der Kreisvereine für die Zusammenarbeit mit Cloppenburg und Vechta ausgesprochen. Der Antrag sei also „inkonsequent“, wunderte sich Meenken. „Es gibt demokratische Spielregeln, an die sich auch unsere Vereine zu halten haben.“

Die Antragsteller kritisieren unter anderem die in Cloppenburg und Vechta üblichen festen Anstoßzeiten, Sonderspielgenehmigungen, den Wegfall der kreisübergreifenden Hallenrunde und eines Pokalwettbewerbs. Eine Spielordnung gebe es immer noch nicht.

FC Hude bemängelt starre Anstoßzeiten

Für den FC Hude bemängelt Jugendleiterin Wiebke Klinge vor allem die starren Anstoßzeiten. Dadurch gebe es Probleme mit gleichzeitigen Spielen etwa der Oldies, der Verfügbarkeit der Trainer oder der Einteilung der Kabinen. „Wir wünschen uns einfach mehr Flexibilität“, sagt sie.

Diesen Unmut, den die fünf Vereine und auch McDonald als Vorsitzende des Frauen- und Mädchenausschusses in Gesprächen und E-Mails gegenüber den zwei anderen Kreisen äußerte, kam dem Vernehmen nach in Cloppenburg und Vechta alles andere als gut an. „Das hat wohl das Fass zum Überlaufen gebracht“, erklärte Meenken die Drohung der beiden Kreise, die geplante Kooperation im Mädchenbereich platzen zu lassen. (Weiterlesen: Sylvia McDonald tritt zurück)

Sylvia McDonald fühlt sich überrumpelt

McDonald verwies darauf, dass sie die Schwierigkeiten bereits vorhergesagt hatte: „Mit der neuen Kooperation wurden wir überrumpelt. Die Mädchen wurden da rein gedrängt, obwohl das alte System funktioniert hat.“ Sie habe für eine Verschiebung der Zusammenarbeit plädiert. Die Kreise Friesland, Wilhelmshaven, Ammerland, Wesermarsch und Oldenburg-Stadt, die einen neuen Großkreis bilden, hatten die Einführung eines gemeinsamen Spielbetriebs auch aufgeschoben. „So ist es richtig“, findet McDonald.

Durch den McDonalds Rücktritt scheinen die Wogen mit Cloppenburg und Vechta einigermaßen geglättet zu sein – so hat es zumindest Meenken wahrgenommen. Er machte deutlich, dass es keine Alternative zu einer Zusammenarbeit mit Cloppenburg und Vechta gebe. „Wenn wir den Spielbetrieb bei den Juniorinnen alleine stemmen sollen, bekommen wir große Probleme – zu Lasten der Spielerinnen.“ Es sei, betonte Meenken, auch kein Problem den Spielbetrieb nach einem Jahr zu modifizieren und verbessern. Immerhin: Mit Knut Hinrichs stellt der Kreis auf der vergangenen Arbeitstagung einen Koordinator für den gemeinsamen Spielbetrieb mit Cloppenburg und Vechta vor.

U16-Länderspiel beim VfL Wildeshausen

Auch Wiebke Klinge will nicht alles schlecht reden: „Wir als FC Hude sind definitiv offen Veränderungen.“ Ob ihr Verein für den Spielbetrieb nun nach Oldenburg und Wilhelmshaven oder in das Oldenburger Münsterland fahre, sei geografisch praktisch egal.

Immerhin: es gab am Wochenende auch erfreuliche Nachrichten für den Fußball-Kreis. Der VfL Wildeshausen ist am 14. September (Donnerstag) Gastgeber des U16-Juniorinnen-Länderspiels zwischen Deutschland und den USA.