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Munderloh, Hude und Wardenburg Der Dreikampf um den Kreisliga-Titel

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 03.06.2016, 08:31 Uhr

Die Liveticker dürften am Sonntagnachmittag glühen: Spitzenreiter Munderloh empfängt im direkten Duell den Dritten Wardenburg während der Zweite Hude bei Schlusslicht RW Hürriyet antritt.

Landkreis. Sie gaben sich am vorletzten Spieltag der Fußball-Kreisliga keine Blöße, jetzt ist alles bereits für den Showdown am Sonntag (15 Uhr): Mit dem TV Munderloh, dem FC Hude und dem VfR Wardenburg können vor den letzten 90 Minuten noch gleich drei Mannschaften die Meisterschaft und den Bezirksliga-Aufstieg feiern. Wir haben uns bei den drei Titelkandidaten und Hudes Gegner Hürriyet umgehört.

Die Ausgangslage

Der TV Munderloh ist vor dem finalen Akt Tabellenführer und hat damit die beste Ausgangslage – aber nur auf den ersten Blick. Denn der TVM trifft zu Hause ausgerechnet auf den Dritten, Wardenburg, während Hude mit dem abgeschlagenen Schlusslicht RW Hürriyet ausgerechnet am letzten Spieltag die Schießbude der Liga (156 Gegentore) vor der Brust hat. Vorausgesetzt, der TVM und der FCH gewinnen ihre Spiele, wird am Ende das Torverhältnis eine Rolle spielen. Und hier ist sogar eine kuriose Konstellation denkbar – nämlich ein Entscheidungsspiel, wenn etwa Munderloh mit 4:2 und Hude mit 5:0 gewinnen sollten und damit beide das gleich Punkt- und Torverhältnis haben.

TV Munderloh

Es mutet schon fast ein wenig tragisch an: Da könnte der TV Munderloh mit einem Sieg gegen Wardenburg den 15. (!) Dreier in Folge landen – und am Ende aufgrund des schlechteren Torverhältnisses doch nicht aufsteigen. TVM-Trainer Ralf Eilenberger sieht seine Mannschaft deshalb im Rennen um die Meisterschaft nicht als Topfavorit: „Hude wird gegen Hürriyet viele Tore schießen“, glaubt er. Zudem hat seine Elf mit Wardenburg, das lange Zeit an der Tabellenspitze stand, den schwersten Brocken vor der Brust. Eilenberger Devise lautet daher so: „Wir wollen uns nicht so viele Gedanken machen. Die Spieler sollen die Partie ruhig und locker angehen.“ Angesichts der imponierenden Siegessichere strotze seine Elf vor Selbstvertrauen. (Weiterlesen: Ralf Eilenberger hat beim TV Munderloh keinen Druck)

Dass der TVM nach einer mäßigen Hinrunde unter dem in der Winterpause verpflichteten Eilenberger so durchstartete, erklärt der frühere Bundesliga-Torwart so: „Wir stehen in der Defensive sehr stabil, haben wenig Verletzungspech und verfügen über einen tollen Zusammenhalt.“ Sollte es in dieser Saison für den kleinen Verein aus der Gemeinde Hatten nichts mit dem Aufstieg werden, werde er in der kommenden Saison wieder oben angreifen wollen, betonte Eilenberger. Dafür sieht der Coach seine Mannschaft gut aufgestellt, „zumal wir noch gar nicht am Optimum spielen“. Mit Dominik Müller, Soeren Frerichs (beide TuS Vielstedt), Alexander von der Decken (VfL Oldenburg II), Fabian Gaden (zuletzt berufliche Pause), Michel Lüers, Kolja Backhus und Tobias Kreyer (alle eigene A-Jugend) hat der TVM bereits sieben neue Spieler verpflichtet. Mit drei weiteren Akteuren verhandelt Munderloh derzeit. Eine Entscheidung, ob diese Spieler kommen, fällt in der kommenden Woche.

FC Hude

Der Tabellenzweite Hude braucht am Sonntag gegen Hürriyet vor allem eins: Tore, Tore, Tore. Das weiß Trainer Torsten Voigt, das wissen die Spieler, das wissen die Fans. Doch Voigt mahnt seine Akteure bloß „nicht kopflos nach vorne zu rennen. Wir haben 90 Minuten Zeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Ohnehin hält er nichts davon, RW Hürriyet schon im Vorfeld zum Abschuss frei zu geben. „Wir wollen den Tag nicht vor dem Abend loben. Zuerst müssen wir unsere Hausaufgaben erledigen.“ Er habe in seiner langen, ereignisreichen Zeit als Fußballer schon die verrücktesten Dinge erlebt.

Wie der Dreikampf um den Titel am Ende ausgeht, hängt für den scheidenden Trainer Voigt, der in Zukunft die Aufgabe des Sportlichen Leiters in Hude übernimmt, ohnehin von zwei Faktoren ab, „der Tagesform und dem Glück“. Verdient hätten seiner Meinung nach alle drei Mannschaften die Meisterschaft. Denn das Niveau der Kreisliga Oldenburg-Land/Delmenhorst sei im Allgemeinen und vor allem an der Spitze sehr hoch.

VfR Wardenburg

Die schlechteste Ausgangslage im Dreikampf mit Munderloh und Hude hat der VfR Wardenburg – zumindest, was die Tabellenkonstellation angeht. Doch VfR-Trainer Jörg Beckmann wehrt sich vehement dagegen, seine Mannschaft schon abzuschreiben. „Wir gehen mit großer Zuversicht in die Partie in Munderloh“, betont der Coach und verspricht dem eigenen Anhang: „Wir werden mehr als 100 Prozent reinwerfen. Daran können sich Vorstand, Mannschaft und der Trainer nach dem Spiel messen lassen.“ Der VfR wolle sich nicht den Vorwurf gefallen lassen, „im letzten Spiel nicht alles gegeben zu haben“. Der Glaube an den Titel ist bei Beckmann „trotz einiger Patzer und Verunsicherungen“ in den vergangenen Wochen unerschütterlich. „Wer hätte denn geglaubt, dass Dötlingen gegen Hude lange ein 2:2 hält? Im Fußball ist doch immer alles möglich.“

RW Hürriyet

Mete Döner hat in den vergangenen Tagen viele Anrufe von Trainern und Spielern aus der Kreisliga bekommen. Die Frage an den RWH-Trainer war immer die selbe: „Tritt Hürriyet am Sonntag gegen Hude an?“ Döner räumt ein, dass er mit seiner Mannschaft vor einigen Wochen tatsächlich überlegt habe, am letzten Spieltag nicht aufzulaufen. Denn die Personalprobleme sind aufgrund einiger Urlauber bei den Delmenhorstern noch massiver als sonst.

Als Döner vor ein paar Wochen aber merkte, dass seine Mannschaft im Aufstiegsrennen das Zünglein an der Waage werden könnte, legte er die Nichtantrittsgedanken aber ad acta – auch, weil er seinem Vorstand das Versprechen gab, „dass wir die Köpfe nicht hängen lassen.“ Döner betont: „Wir hätten uns diese Konstellation auch nicht gewünscht. Aber wir stehen Sonntag in der Pflicht. Die werden wir erfüllen.“ Eine Aussage, für die Döner von seinen Kollegen Eilenberger, Beckmann und Voigt angesichts von drei Nichtantritten von drei anderen Mannschaften an den vergangenen Spieltagen viel Lob erhält.

Wie sich seine Mannschaft am Sonntag verkaufen wird, weiß Döner noch nicht. Der 35-jährige wird sehr wahrscheinlich wieder selbst auflaufen, insgesamt soll der Kader 13 Mann umfassen. Döner sagt: „Vielleicht schaffen wir Sonntag ein Wunder und holen einen Punkt. Vielleicht gehen wir aber auch haushoch unter.“ Was er den Spielern bereits unter der Trainingswoche gesagt, war dies: „Šie sollen die Begegnung positiv sehen. Wir haben nichts zu verlieren. Es werden einige 100 Zuschauer im Delmenhorster Stadion sein. Da können meine Jungs für einen positiven Abschluss sorgen.“

Trotz des schon länger feststehenden Abstiegs blicken sie bei Hürriyet zuversichtlich nach vorne. „In der 1. Kreisklasse wollen wir oben mitspielen“, betont Döner. Dafür haben sich die Rot-Weißen bereits die ersten vier Neuzugänge für die kommende Saison geangelt: Ergin Güler (KSV Hicretspor), Mehmet Elibol (SV Hemelingen) Barry Adama und Tobo Balde (beide SC Vahr) wechseln zu RWH. Insgesamt zehn bis zwölf neue Spieler will Döner für die nächste Serie gewinnen. Doch vorher gilt das Augenmerk noch einmal den 90 Minuten in der Kreisliga IV. Dann ist die Horror-Saison geschafft.