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Murat Kalmis im Interview „Delmenhorst ist hungrig auf Fußball“

Von Frederik Böckmann | 20.01.2015, 11:16 Uhr

Als Chef-Organisator hatte Murat Kalmis die Zügel bei drei Hallen-Fußballturnieren in der Hand. Zurücklehnen will sich der 42-Jährige aber nicht – er hat weiter Großes vor. Er plant ein Charity-Match zwischen den Traditions-Teams der Türkei und Deutschlands. In

Herr Kalmis, hinter ihnen liegen drei aufregende Tage als Turnier-Organisator. Wie geht es Ihnen?

Ich bin sehr müde, meiner Stimme geht es nicht gut. Aber ich bin sehr froh und überaus glücklich, dass wir vor allem den Volksbank-Cup friedlich über die Bühne gebracht haben. Ich glaube, dass Manfred Imhoff, Uwe Nüsse, Mehmet Tütüncü und ich als Team gut funktioniert haben. Vor allem Mehmet hat mit der ganzen Logistik super Arbeit geleistet.

Sie sprechen ein wichtiges Thema an. Im Vorfeld des Cups gab es viele Diskussionen um das Sicherheitskonzept. Sie mussten die Zahl der Ordner von 15 auf 50 erhöhen.

Wir hatten doch nie ein Problem damit, das Sicherheitspersonal zu erhöhen. Es war nur ärgerlich, dass wir diese Auflage erst kurz vor dem Turnier erfahren haben. Aber ich muss betonen: Die verschärften Sicherheitsauflagen waren absolut nötig und richtig. Bis auf den Flaschenwurf aus dem Hannover-Block auf das Spielfeld gab es in der Halle keinen einzigen negativen Vorfall. Die Zusammenarbeit mit der Polizei und den Sicherheitskräften hat hervorragend geklappt. Das ist das Resultat, wenn man mit erfahrenen Kräften und Fachleuten zusammenarbeitet. Am Samstag habe ich von der Polizei das Feedback bekommen, dass auch außerhalb der Stadionhalle alles friedlich verlaufen sei.

Viele Delmenhorster waren am Samstag über das große Polizeiaufkommen überrascht. Auch Oberbürgermeister Axel Jahnz soll dem Vernehmen nach darüber nicht sehr erbaut gewesen sein.

Es mag auf den ersten Blick erschreckend gewesen sein, wie viele Polizisten in der Stadt gewesen sind. Aber es stand seit Wochen fest, dass die Polizei das Turnier mit 100 Beamten begleitet wird. Das haben wir im Vorfeld immer offen kommunziert. Wir hatten viele Gespräche mit der Polizei und dem Sport- und Schulamt. Ich gehe davon aus, dass in der Verwaltung vernünftig untereinander kommuniziert wird. Außerdem: Die Vorberichterstattung über das Turnier hatte ja nicht nur eine lokale, sondern auch überregionale Tragweite. Ich gehe schon davon aus, dass auch unser Oberbürgermeister Zeitung liest. Man hat nicht nur eine Bring-, sondern auch eine Holschuld.

Gibt es denn etwas, dass Sie im Vorfeld hätten besser machen können?

Ja. Was wir unterschätzt haben, ist die Tatsache, dass sich viele Hannover-96-Fans auf den Weg nach Delmenhorst machen wollten. Das müssen wir uns ankreiden. Dass sich Ultra-Gruppen von Profis abgeschottet haben und nun die Amateure unterstützten, war uns nicht bewusst. Noch einmal: Es war genau richtig, dass die Sicherheitsauflagen verschärft wurden.

Weshalb der Volksbank-Cup aber vor der Fast-Absage stand, weil ihr Budget gesprengt wurde.

Bei unserem Finanzkonzept sind wir von 15 Ordnern ausgegangen. Samstag waren es 50. Hätten wir das im Vorfeld gewusst, hätten wir uns gleich um mehr Sponsoren bemüht. Die zusätzlichen Kosten für die Ordner waren das Problem, nicht die Auflagen.

Wie ist das Turnier aus finanzieller Sicht gelaufen?

Ich hoffe, dass wir noch mit einem blauen Auge davon kommen, sprich: eine schwarz Null schreiben. Das ist schade. Denn es war nie unser Ziel, mit diesem Fußball-Event Geld zu verdienen. Wir wollten die Überschüsse Delmenhorster Jugendmannschaften zukommen lassen.

Kommen wir zum Sportlichen. Ihr Fazit zum Cup?

Ich bin begeistert. So hochklassigen Fußball hat Delmenhorst doch schon lange nicht mehr gesehen. Das war ein Fest für Fußball-Liebhaber, einfach zum Genießen. Stark war auch wie sich die Qualifikanten Munderloh und Delmenhorster TB präsentiert haben. Es war genau die richtige Entscheidung, dass zwei Mannschaften des Delme-Cups auch beim Volksbank-Cup mitspielen. Dadurch hatte das Turnier einen lokalen Touch.

Auch mit der Einladung für das Ex-Profi-Team scheinen Sie richtig gelegen zu haben...

Die Jungs hatten richtig Spaß, das hat mir Ümit Karan Sonntag noch einmal bestätigt. Was die noch tricksen können, ist doch der Wahnsinn. In der Türkei reißen sich die Turnier-Veranstalter darum, so eine hochkarätige Truppe aufbieten zu können. Und hier in Delmenhorst schießen sie Selfies mit den Fans, schreiben Autogramme und sind für jeden Spaß zu haben. Am Ende des Turniers wurden sie ja sogar von den Fans von Hannover 96 gefeiert. Das macht mich alles schon stolz.

Allerdings waren die Ex-Profis auch bei der einzigen hitzigen Partie des gesamten Turniers beteiligt, als es zu Auseinandersetzungen auf dem Feld und im Kabinentrakt kam...

Ja, das Spiel gegen VfB Oldenburg. Das sind die Emotionen für kurze Zeit auf beiden Seiten übergekocht. Das war nicht so schön, passiert im Fußball aber leider hin und wieder. Nach dem Spiel haben sich alle Spieler die Hand gegeben. VfB-Trainer Predrag Uzelac hat mir nach dem Turnier versichert, dass die Angelegenheit für ihn gegessen sei. Das ist halt ein richtiger Profi.

Fünf Monate waren Sie mit den Vorbereitungen für das Turnier beschäftigt. Außerdem haben Sie auch als Politiker eine Menge Arbeit. Die Frage muss erlaubt sein: Warum tun Sie sich so viel Aufwand überhaupt an?

Ganz einfach: Weil es mir sehr viel Spaß macht. Die Turniervorbereitung ist richtig, richtig Arbeit. Aber wenn man im Finale an der Bande steht, so ein atemberaubendes Endspiel sieht und dann noch die Sprechchöre der Hannover-Fans hört, weiß man, warum sich die ganze Arbeit gelohnt hat. Da kitzelt es mich dann auch, gleich neue Projekte anzustoßen. Ich habe gute Kontakte und sehe mich auch als Ratsherr in der Verantwortung, sportlich und gesellschaftlich in Delmenhorst etwas zu bewegen. Nicht zu vergessen, dass solche Projekte ja auch immer ein gewisser Wirtschaftsfaktor sind.

Wo wir beim Thema sind. Sie haben schon viele namhafte Mannschaften und Spieler nach Delmenhorst geholt. Was haben Sie als nächstes vor?

Ich plane ein Charity-Match zwischen der deutschen und türkischen Traditionsmannschaft. Am besten in Delmenhorst. Ich habe schon einige interessante Gespräche geführt. Der aktuelle türkische Nationaltrainer Fatih Terim, ehemalige türkische Nationalspieler und auch mein guter Freund Christoph Daum haben mir positiv signalisiert, dass sie auf so ein Event richtig Lust hätten. Auch mit dem türkischen Generalkonsulat, der Deutschen Botschaft in der Türkei und Kreis-Fußballchef Hartmut Heinen habe ich schon gesprochen. Es sind viele Gespräche nötig, um so ein Event auf die Beine zu stellen. Aber ich bin zuversichtlich.

Wie sieht es denn mit dem DFB aus? Wie ist dort die Resonanz?

Auch dort habe ich schon von drei, vier Ex-Nationalspielern eine Zusage erhalten. Viel wichtiger ist aber zuerst noch ein Schirmherr. Dafür möchte ich Franz Beckenbauer gewinnen. Im Dezember habe ich mich mit ihm im Weser-Stadion unterhalten. Das war ein gutes Gespräch. Jetzt warte ich auf eine Antwort von ihm. Ich möchte den Kaiser nach Delmenhorst holen.

Das klingt wieder nach viel Arbeit.

Das ist es jetzt schon. Klar ist: Ich würde das Event gerne nach Delmenhorst holen. Aber das Konzept und die Rahmenbedingungen müssen passen. Da spielt natürlich auch der Sicherheitsaspekt eine wichtige Rolle. Aber Delmenhorst ist einfach hungrig nach Fußball. Warum strömen denn die Leute in Massen zum SV Atlas Delmenhorst? Weil sie einfach Bock auf erstklassigen Fußball haben.

Sie sprühen ja schon wieder vor Elan...

Die Sehnsucht, der Bedarf nach erstklassigem Fußball ist in Delmenhorst doch da. Warum sollte nicht auch mal eine Auswahl mit den besten Delmenhorster Spielern gegen Werder Bremen spielen? Vielleicht zum Saisonausklang. Ich habe da schon Ideen und die ersten Gespräche geführt. Der Fußball-Standort Delmenhorst bietet super Chancen. Wir müssen sie einfach nur nutzen.