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Nach dem 0:3 in Oberneuland Vorbereitung des SV Atlas Delmenhorst macht Sorgen

Von Daniel Niebuhr | 10.02.2019, 20:30 Uhr

Fußball-Oberligist SV Atlas Delmenhorst verliert beim FC Oberneuland, die anschließende Kritik von Trainer Olaf Blancke ist deutlich.

Beim FC Oberneuland weiß man, was sich gehört. Der Club aus dem Bremer Nobelstadtteil servierte zum Testspiel gegen Atlas Delmenhorst am Sonntagnachmittag heiße Würstchen aus einer Holzbude neben dem Kunstrasenplatz, was bei Testspielen wahrlich nicht zum serienmäßigen Service gehört. Die zwei Dutzend Atlas-Fans bekamen also zumindest kulinarisch etwas geboten, auf dem Platz reichte es dagegen nicht einmal zu Hausmannskost. Der SV Atlas verlor seinen vorletzten Wintertest mit 0:3 (0:1) und zeigte in allen Mannschaftsteilen zumindest phasenweise bedenkliche Schwächen.

Ergebnis „sieht Scheiße aus“

Der Bremen-Liga-Zweite Oberneuland war jedenfalls um einiges reifer, was dem Delmenhorster Trainer Olaf Blancke berechtigterweise sauer aufstieß. „Wir haben noch einiges zu tun vor dem Ligastart“, sagte er und bekannte, „dass so ein Ergebnis Scheiße aussieht“. Dass Blancke Alarm geschlagen hätte, wäre vermutlich zu viel gesagt, er stellte aber unmissverständlich fest: „Das ist mir schon zu wenig. Dass uns sechs Spieler fehlen, ist mir eine zu billige Ausrede. Der Kader ist groß, es wollen doch alle spielen.“

Die bisherige Vorbereitung gibt dem neuen Mann an der Linie sichtlich Rätsel auf. Nach dem 1:4 beim Regionalligisten VfL Oldenburg sah Atlas auch gegen den zweiten Gegner gehobener Klasse schlecht aus, wobei Oberneuland weit von einer Galaform entfernt war. Die Delmenhorster Defensive war aber zu leicht in Verlegenheit zu bringen, wie beim Rückstand durch einen Abstauber von Claas Ole Bauer in der 31. Minute.

Hinten wacklig, vorne schlampig

Die weiteren Gegentreffer waren auch kein Bewerbungsvideo für gutes Verteidigen. In der 58. Minute verlor Stefan Bruns in der Vorwärtsbewegung den Ball, Oberneuland konterte schnell über Tim Kreutzträger, der Atlas-Keeper Niklas Göretzlehner überwand, der zur Pause für Florian Urbainski gekommen war. Beim dritten Treffer verursachte Dennis Mooy einen unnötigen Freistoß, den Changil Park in der 62. Minute scharf vor das Tor zog – der Ball rutschte an allen vorbei ins lange Eck. „Wir haben in dieser Phase völlig die Ordnung verloren“, schimpfte Blancke.

Nicht viel besser machten es die Offensivkräfte, bei denen jeder mal seine Formschwäche im Abschluss demonstrieren durfte. Oliver Rauh, Neuzugang Aladji Barrie, Marco Prießner, Patrick Degen – sie scheiterten frei vor dem Tor mehr oder weniger kläglich. „Ich dachte, dass die Defensive unsere größte Baustelle ist. Aber was wir vorne gemacht haben, ist ja noch schlimmer“, klagte Blancke. „So können wir kein Spiel gewinnen.“

Erkenntnisse in der Videoanalyse?

Das Gute für Atlas ist, dass bis zum Oberliga-Start am 24. Februar noch fast zwei Wochen bleiben, das Schlechte aber, dass es gleich zum Tabellenführer Eintracht Northeim geht, der mit der Aufstiegsmission ernst macht und in der Vorbereitung eine moderat bessere Figur abgibt. In den fünf Testspielen gab es für den Club vom Harz bisher fünf Siege und 29:3 Tore. Davon kann Blancke mit seinem Team nur träumen. „Entscheidend ist der 24. Februar. Wir treten bis jetzt aber noch nicht so auf, wie ich mir das vorstelle“, sagte er. Phasenweise konnte man seine Spielidee mit „situativem Pressing“ und schnellen Kombinationen in die Spitze zwar schon erkennen, die Präzision vor allem in der Vorwärtsbewegung fehlt aber noch völlig.

So ging Blancke am Sonntagnachmittag dann auch relativ missmutig seiner letzten Amtshandlung nach und baute die Videokamera ab, die ihm zumindest viele Erkenntnisse geliefert hat. „Ich werde noch eine Nachtschicht einlegen und mir das heute noch antun“, kündigte er an. „Ich muss den Jungs am Montag im Training doch was zeigen können.“