Ein Angebot der NOZ

Nach dem Trainerwechsel Reserve ist für den SV Atlas ein zähes Projekt

Von Daniel Niebuhr | 27.01.2016, 23:26 Uhr

Nach dem Rücktritt von Trainer Timme übernimmt Kapitän Scharf die zweite Mannschaft des SV Atlas. Langfristig soll das Team aus jungen Fußballern aus der Region bestehen – doch der Weg dahin ist noch weit.

Delmenhorst. Die Bundesliga-Vereine hätten müssen, was sie da anrichten. Als die Profiklubs irgendwann anfingen, ihren zweiten Mannschaften den Namen „U23“ anzuheften, sollte das eigentlich nur ein Bekenntnis zur Nachwuchsarbeit sein; mittlerweile ist diese Mode aber auch in den unteren Ligen angekommen und trägt manchmal merkwürdige Blüten. Beim SV Atlas fühlte man sich im Sommer ebenfalls zu diesem Beinamen inspiriert – doch bei kaum einem Team mutet er so kurios an wie bei den Delmenhorstern. Die U23 des SVA feiert zwar beachtliche Erfolge – drei Aufstiege in Serie und eine bisher ungeschlagene Saison in der 1. Kreisklasse –, mit einer Talentschmiede hat die routinierte Elf aber herzlich wenig zu tun.

Neuer Trainer mit Netzwerk gesucht

Genau deshalb ist die zweite Mannschaft abseits des durchaus befriedigenden vierten Tabellenplatzes eine Baustelle, die den Verein schon lange beschäftigt und noch lange beschäftigen wird. Am Dienstagabend musste der Klub den Rücktritt von Trainer Holger Timme bekannt geben , der festgestellt hatte, „dass meine berufliche Tätigkeit nicht mit der des Cheftrainers einer Leistungsmannschaft in Einklang zu bringen ist“. Kapitän Eduard Scharf und Atlas-Manager Tammo Renken übernehmen das Team für den Rest der Saison – für ihn „eine Selbstverständlichkeit“, wie Scharf betont. Danach soll ein neuer Trainer her, der nach Wunsch des Sportlichen Leiters Jörg Rosenbohm „ein Netzwerk zu jungen Spielern aus der Region mitbringen sollte“.

Nachbarn ein gutes Stück voraus

Womit der Auftrag des neuen Mannes zumindest angerissen wird. Wo U23 draufsteht, soll irgendwann auch mal eine U23 drinstecken – oder zumindest eine Mannschaft, die tatsächlich ein brauchbarer Übergang zwischen der Jugend und der Ersten sein kann. Die Bezirksliga-Nachbarn VfL Stenum und TSV Ganderkesee machen mit ihren hochtalentierten Reserveteams vor, wie es gehen kann. Allerdings, merkt Rosenbohm nicht zu Unrecht an, seien die Voraussetzungen auch andere: „Stenum oder Ganderkesee haben gewachsene Strukturen, bei uns ist vieles nach wie vor im Aufbau.“ Die Zweite erfüllt ihren Zweck noch nicht wirklich, das könne aber auch niemand erwarten: „Wie alles gehen wir auch das mit Bedacht an.“

Atlas II steckt mittendrin in einem spannenden Rennen in der 1. Kreisklasse und hat zwei Spiele und vier Punkte weniger als der FC Huntlosen auf dem zweiten Aufstiegsplatz. So dringend sei ein Sprung in die Kreisliga aber noch nicht, findet Rosenbohm. „Wichtiger als kurzfristiger Erfolg ist, dass wir unseren Unterbau professioneller aufgestellt bekommen. Da schaue ich nicht so sehr auf die Tabelle.“ Und vorerst auch nicht auf sonderbare Beinamen.