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Nach Schiedsrichter-Streik NFV-Chef Karl Rothmund sauer auf Bezirk Weser-Ems

Von dpa | 13.03.2017, 19:09 Uhr

Ohne Schiedsrichter geht es nicht! Darauf machten die Unparteiischen in Niedersachsen noch einmal aufmerksam. Doch der Streik bei den Amateuren kann weitreichende Folgen haben.

Beim Blick auf die Amateursportplätze in Teilen von Niedersachsen ergab sich am Wochenende ein ungewohntes Bild. Wer das Fußball-Spielfeld nach einem Schiedsrichter absuchte, der wurde in vielen Fällen in der Landesliga und den fünf Bezirksligen von Weser Ems nicht fündig. Stattdessen fungierten Betreuer, verletzte Spieler oder sogar der Kassenwart als Unparteiische der Fußball-Partien – wenn diese denn überhaupt stattfanden. Fakt ist: Mit einem bislang wohl einmaligen Streik haben die Schiedsrichter im Nordwesten Deutschlands am Wochenende für großes Aufsehen gesorgt – und lösten beim NFV am Wochenende danach hektische Betriebsamkeit aus.

Außerplanmäßige Präsidiumssitzung

Denn nach dem Schiedsrichter-Streik hat der Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes für Freitag eine außerordentliche Präsidiumssitzung einberufen. „Die Entscheidung wurde ohne jede Abstimmung mit den Gremien des Landesverbandes getroffen“, sagte Karl Rothmund am Montag. Es habe sich nicht um eine „Maßnahme des NFV, sondern ausschließlich des Vorstandes des Bezirkes Weser-Ems“ gehandelt“.

„Ich habe da überhaupt kein Verständnis für“, sagte Rothmund der Deutschen Presse-Agentur. „Der Spruch des Zuschauers ist nicht zu akzeptieren. Aber das Urteil unseres Gerichtes ist zu akzeptieren“, sagte der NFV-Präsident. „Die stellen im Grunde den Rechtsstaat auf den Kopf.“

DFB aufgeschreckt

Die Unparteiischen hatten mit ihrer bemerkenswerten Aktion auf ein Urteil des Oberverbandssportgerichtes reagiert. Dieses hatte eine Strafe gegen den Bezirksligisten GW Firrel wegen Schiedsrichterbeleidigung durch einen Zuschauer wieder aufgehoben. Der Zuschauer hatte zum Unparteiischen nach dem Spiel gesagt: „So etwas wie euch sollte man vergasen.“ Es habe sich zwar um eine Diskriminierung gehandelt, der Verein habe dies aber nicht verhindern können, entschieden die Sportrichter. Die deshalb streikenden Schiedsrichter wurden vom Bezirksvorstand unterstützt. „Wir akzeptieren das Urteil“, sagte der Bezirksvorsitzende Dieter Ohls. „Aber wir müssen es nicht kritiklos hinnehmen.“

Auch beim Deutschen Fußball-Bund wurde man durch die Geschehnisse in Niedersachsen aufgeschreckt. Rothmund telefonierte gleich am Montagmorgen mit DFB-Vizepräsident Rainer Koch, der beim DFB für Rechtsfragen zuständig ist. Schließlich wirft das Urteil des Oberverbandssportgerichts weitreichende Fragen auf.

Viele offene Fragen

Wann ist ein Club für das Fehlverhalten seiner Zuschauer zu belangen? Woche für Woche verhängt der DFB Geldstrafen gegen Proficlubs, weil deren Anhänger Pyrotechnik gezündet haben oder anderweitig auffällig geworden sind. Warum wird bei Borussia Dortmund die komplette Südkurve wegen beleidigender Banner gesperrt, in diesem Fall in Niedersachsen die Geldstrafe aber wieder aufgehoben?

Mit ihrem Streik haben die niedersächsischen Schiedsrichter eine heftige Debatte in Gang gesetzt, die noch weite Kreise ziehen kann. Der DFB wollte sich am Montag nicht dazu äußern.

Bemerkenswert: kein einziger Platzverweis

Leidtragende waren die Clubs, die sich nun selbst um Ersatz kümmern mussten. 17 von 39 angesetzten Partien fielen am Sonntag aus, viele offiziell wegen Unbespielbarkeit des Platzes. Welche wirklich dem Streik zum Opfer fielen, ist noch unklar. Bemerkenswert war aber diese Tatsache vom Wochenende: Nach dk-Recherchen gab es in den 22 ausgetragenen Partien mit Aushilfs-Referees – wie etwa das Bezirksliga Derby Stenum gegen Hude (6:1) oder das Landesliga-Duell zwischen Voxtrup und Atlas (0:1) – keinen einzigen Platzverweis. (Weiterlesen: Aushilfs-Schiedsrichter kommen ohne Platzverweis aus)