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Nationalteam als Werbeträger Profitieren Vereine von der Frauen-WM?

Von Daniel Niebuhr | 30.06.2015, 07:30 Uhr

Ein Boom ist durch die Frauen-Weltmeisterschaft in Kanada zwar nicht zu erwarten, dem positiven Kreis-Trend in Sachen Mädchenfußball schadet sie aber nicht.

Münster ist nicht Montreal, aber ein bisschen weltmeisterliches Flair lässt sich in diesen Tagen ja überall herstellen. Die E-, D- und C-Juniorinnen des VfL Stenum durften das am vergangenen Wochenende im Westen der Republik bei einem Mini-WM-Turnier feststellen, sie vertraten dort erfolgreich Südkorea. Die Hymne des zugelosten Landes konnte zwar niemand mitsingen, dafür landete die C-Jugend immerhin auf Platz sieben – für die echten Südkoreanerinnen war bei der Frauen-WM schon in der Runde der letzten 16 Schluss.

Hohe Einschaltquoten

Das Turnier in Kanada ist in Deutschland gerade unbestritten präsent, nicht zuletzt dank der ausführlich berichtenden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. In der Nacht zum Mittwoch spielen die deutschen Frauen um 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit gegen die USA um den Einzug ins Finale, vermutlich wieder vor einem Millionenpublikum. Den Zittersieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich verfolgten in der Heimat am Freitag 7,5 Millionen Menschen, darunter selbstverständlich auch die Stenumer Delegation in Münster. Keine andere Sendung hatten an diesem Tag auch nur annähernd so viele Zuschauer.

Positiver Trend im Fußball-Kreis

Das hohe Medieninteresse – trotz zeitverschiebungs-verursachter unpopulärer Anstoßzeiten – kann dem VfL und den Nachbarvereinen möglicherweise zumindest einen kleinen Schub in Sachen Frauen- und Mädchenfußball geben. Dass die DFB-Damen recht passable Zugpferde sind, steht außer Frage: Viele Spielerinnen der heutigen Nationalmannschaft fingen im Nachlauf des ersten WM-Titels 2003 mit dem Kicken an. Das Heimturnier 2011 hat dann zwar nicht den vom Deutschen Fußball-Bund erhofften Boom ausgelöst, dennoch sind Aktivenzahlen im Frauen- und Mädchenbereich weiter gestiegen, im Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst von 576 auf inzwischen 630 – während es bei den Jungs in die umgekehrte Richtung geht. „Ein Turnier führt jetzt nicht zu einem regelrechten Ansturm. Aber vereinzelt kommen schon Mädels dazu, mehr darf man auch nicht erwarten“, erzählt Melanie Rohrmann-Ullner, die in Stenum für den Mädchenfußball zuständig ist. Bei Heimturnieren sei die Chance naturgemäß größer, trotzdem glaubt sie, „dass vielleicht durch diese WM manche Lust bekommen“.

Stenum besetzt alle Altersklassen

Die Stenumer sind bei der Mobilisierung junger Fußballerinnen absolutes Vorbild; der Verein ist in wenigen Jahren zu einer hervorragenden Adresse geworden. Zwei Damen- und fünf Mädchenmannschaften starten für den VfL in der kommenden Saison, zusammen mit den Sportfreunden Wüsting besetzen die Stenumer als einziger Klub im Kreis alle Altersklassen von den F- bis zu den B-Juniorinnen. Dadurch könnten mögliche WM-inspirierte Neulinge aller Jahrgänge aufgenommen werden. Natürlich verlässt sich der VfL nicht auf das Nationalteam als Werbeträger, sondern geht selbst auf Mitgliederjagd. An der Grundschule in Schierbrok veranstalten Stenumer Trainer eine Fußball-AG, nach den Sommerferien ist das auch an der Oberschule Bookholzberg geplant. „Mädchen sind nicht wie Jungs, die kommen nicht automatisch zum Fußball. Man muss es ihnen schmackhaft machen“, sagt Rohrmann-Ullner.

Frauen ziehen eher als Männer

Der DFB versucht, seinen Teil dazu beizutragen und hat seit 2011 die Vermarktungsmaschine angeworfen. Für Länderspiele bietet der Verband den Vereinen zum Beispiel vergünstigte Tickets an, zuletzt waren die Stenumerinnen vor einem Jahr beim WM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei in Osnabrück. Rohrmann-Ullner hat einen bemerkenswerten Effekt ausgemacht: „Die Mädels bei uns haben mehr Interesse an Frauen- als an Männerturnieren. Deshalb glaube ich, dass eine Frauen-WM eher zu einem Zulauf führt.“