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Nervenstark im Marschwegstadion SV Atlas Delmenhorst stürmt an die Landesliga-Spitze

Von Daniel Niebuhr | 26.03.2017, 21:50 Uhr

Fußball-Landesligist SV Atlas Delmenhorst behält die Nerven und gewinnt beim TSV Oldenburg mit 2:1. Mal wieder führen zwei Standardsituationen zum Erfolg vor 870 Zuschauern im Marschwegstadion. Atlas führt nach dem Lohner Patzer nun die Landesliga-Tabelle an.

Es ist nicht bekannt, ob die Nachricht von der Tabellenführung des SV Atlas auch auf der benachbarten Autobahn zu hören war – auf jeden Fall reichten die „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Gesänge aus dem Gästeblock aus, um das altehrwürdige Marschwegstadion amtlich zu beschallen. Der Delmenhorster Anhang verbreitete am Sonntagnachmittag nach dem cool herausgespielten 2:1 (1:0) Sieg beim TSV Oldenburg schon lautstark meisterliche Stimmung – durch den Sieg und das zeitgleiche 1:1 von Konkurrent Blau-Weiß Lohne hatte ihr Verein ja auch endlich Platz eins in der Fußball-Landesliga erobert. Auch die Atlas-Verantwortlichen wollten die gute Laune nicht trüben, Trainer Jürgen Hahn nannte die Tabellenführung „einen hübschen Bonus zu unserem starken Auftritt“.

Mehrere hundert Atlas-Fans

Die Delmenhorster hatten vor allem ihre Nerven im Griff in einem Spiel, das mit vielen Vorlasten beladen war. Der Wechsel von Marco Prießner von Oldenburg zu Atlas, die vom TSV vor Gericht erzwungene Sperre des Stürmers – die beiden Clubs hatten sich zuletzt nicht unbedingt angefreundet. Die mehreren hundert Atlas-Fans griffen die Posse mit einem Plakat und spöttischen Gesängen auf. Dazu kam der ungewöhnliche Spielort: Die Partie war aus Sicherheitsgründen ins 15.200 Zuschauern fassende Marschwegstadion verlegt worden; eine weise Entscheidung, denn mit 870 Schaulustigen begrüßte der Türkische Sportverein eine Rekordkulisse in seiner Vereinsgeschichte. „Die Atmosphäre war toll für unsere Jungs. Leider hat Atlas uns den Schneid abgekauft“, sagte der TSV-Vorsitzende Erdal Sarigül.

Entelmanns Tor sorgt für Ruhe

Zunächst schienen aber auch den Delmenhorstern ein wenig die Knie zu schlottern, die Oldenburger kamen besser in die Partie und waren zunächst deutlich feldüberlegen. Auf die Standardsituationen ist für Atlas aber Verlass: Nach einer kurzen ausgeführten Ecke flankte Kevin Radke, Stefan Bruns verlängerte den Ball an den zweiten Pfosten, wo Dominik Entelmann ihn über die Linie grätschte (13.). „Das hat uns gut getan“, befand Hahn.

Weil der TSV durch Remigius Wild in der 28. Minute aus 25 Metern nur den Pfosten traf, hielt Atlas seine Führung bis zum Halbzeitpfiff und baute sie elf Minuten danach durch einen frechen Freistoß aus. Aus 17 Metern zentraler Position rechneten die meisten mit einem Schlenzer von Musa Karli, stattdessen hämmerte Patrick Degen die Kugel flach in die Torwartecke.

Die zwei cleveren Freistöße

Das Spiel lief danach fast nur noch Richtung TSV-Tor, Atlas nötigte die nervöse Oldenburger Abwehr zu vielen Fehlern im Spielaufbau und kam zu diversen Chancen – unter anderem vergaben Janssen per Kopf und der eingewechselte Simon Matta jeweils freistehend aus fünf Metern. Die ersten „Spitzenreiter“-Gesänge hatten da schon begonnen, sie verstummten aber kurz in der 83. Minute. Oguz Deniz, sonst in der TSV-Reserve am Ball, kopierte Degens Treffer und schob einen Freistoß aus 20 Metern ebenfalls flach an der schlecht postierten Mauer vorbei ins Eck. Atlas-Schlussmann Florian Urbainski schaute nur hinterher und erklärte später: „Was ich nicht sehe, kann ich nicht halten.“

Bei einer Ecke in der Nachspielzeit wurde es noch einmal brenzlig, sogar TSV-Torwart Thorben Engelbart kam mit in den Strafraum, der Ball landete aber in Urbainskis Armen. Als es kurz danach vorbei war, besangen die Atlas-Fans dann auch berechtigterweise Platz eins. Hahn konnte sich im Kabinengang das Grinsen auch nicht verkneifen: „Es war eine tolle Kulisse, besonders dank unserer Fans.“