Ein Angebot der NOZ

Neue Fußball-Regeln Der Schiedsrichter ist nicht mehr „Luft“

Von Klaus Erdmann | 27.07.2019, 19:16 Uhr

Was Unparteiische und Spieler ab der Fußball-Saison 2019/20 beachten müssen, erklärt Harald Theile, Schiedsrichter-Obmann im Fußballkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst. Einige Regeln wurden verändert.

An diesem Wochenende wenden die Unparteiischen bei den Pokaltreffen auf Niedersachsen-, Bezirks- und Kreisebene erstmals in Pflichtspielen die neuen Fußball-Regeln an, die am 1. Juni in Kraft getreten sind. Diese sollen das Spiel fairer und gleichzeitig schneller machen. Nicht zuletzt aufgrund vieler Diskussionen und anhaltender Kritik bezüglich des Videobeweises hat das International Football Association Board (IFAB) Regeländerungen beschlossen. Unter anderem sollen sie den Interpretationsspielraum für Unparteiische bei Handspielen verkleinern. Harald Theile (Großenkneten), Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses des Kreises Oldenburg-Land/Delmenhorst, hat sich eingehend mit der Materie beschäftigt. Wir unterhielten uns mit dem langjährigen Funktionär über einige Neuerungen.

„Mittlerweile hat man sich an diese Regeln gewöhnt. Sie sind anschaulich und klar formuliert“, sagt Theile. Die Handspiel-Regel werde aber weiterhin für Diskussionen sorgen. Man müsse beispielsweise berücksichtigen, dass es mit Ausnahme der Kreisliga auf Kreisebene zu wenig Einsätzen von Assistenten komme.

 In der Handspiel-Regel heißt es: „Jedes Tor, das mit der Hand oder dem Arm erzielt wird, ist irregulär – ob Absicht vorliegt oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Auch wenn ein Spieler mit der Hand oder dem Arm in Ballbesitz gelangt und sich dadurch einen klaren Vorteil verschafft (also beispielsweise anschließend ein Tor erzielt), soll dies in jedem Fall geahndet werden. Unabhängig von der Absicht liegt in der Regel ebenfalls ein Vergehen vor, wenn der Spieler seine Körperfläche unnatürlich vergrößert – etwa bei Armhaltung über Schulterhöhe. Es ist in der Regel kein Handspiel, wenn der Ball vom eigenen Körper oder vom Körper eines anderen Spielers an die Hand oder den Arm springt oder der Spieler sich im Fallen abstützt.“

Als „gut“ bezeichnet Theile, die neuen Regeln, die die Mauer und den Abstoß betreffen.

 Bei einem Freistoß in Tornähe dürfen sich die Spieler der ausführenden Mannschaft nicht mehr in die Mauer stellen. Sie müssen einen Meter Abstand halten. Voraussetzung: Die Mauer besteht aus drei oder mehr Abwehrspielern.

Thema Abstoß: Bisher musste der Ball erst den Strafraum verlassen, ehe er von einem Mitspieler berührt werden durfte. Jetzt dürfen ihn Mitspieler auch im Strafraum annehmen. Der Ball ist im Spiel, sobald er mit dem Fuß gespielt wurde und sich eindeutig bewegt. Gegenspieler dürfen an den Ball, sobald dieser mit dem Fuß gespielt wurde. 

Ebenfalls finden die neuen Regeln, die Auswechslungen oder Strafen für Trainer und andere Offizielle betreffen, Theiles Zustimmung: „Hier befindet sich ein psychologisches Plus auf der Seite des Schiedsrichters.“

 Zum Thema Auswechslung heißt es: „Um Zeitspiel zu verhindern, muss der ausgewechselte Spieler fortan das Feld an der nächstmöglichen Linie verlassen. Das kann auch die Torlinie sein.“

 Trainer und andere Offizielle können genau wie die Spieler mit einer Gelben oder Roten Karte bestraft werden. Kann der Schuldige nicht ausgemacht werden, erhält automatisch der Cheftrainer die Verwarnung beziehungsweise den Innenraumverweis.

Mit den neuen Regeln hinsichtlich des Schiedsrichters und des Münzwurfs („Hier hat man das Rad wieder zurückgedreht. Das ist vernünftig“) zeigt sich der Schiedsrichter-Chef ebenfalls einverstanden.

 Schiedsrichter: Der Unparteiische ist nicht mehr „Luft“. Wird er angeschossen, gibt es Schiedsrichter-Ball.

 Münzwurf: Bislang durfte der Gewinner die Seite auswählen, von der aus seine Mannschaft spielen sollte. Nun darf er zwischen Seitenwahl und Anstoß wählen.

Auch beim Thema „Elfmeter“ hat sich etwas zu dieser Saison etwas geändert.

 Dazu heißt es: „Der Torhüter muss beim Strafstoß künftig nur noch mit einem Fuß auf Höhe der Torlinie stehen, nicht mehr mit beiden Füßen.“

„Wir haben zwei Lehrabende für unsere Schiedsrichter durchgeführt“, berichtet Theile. Er hat die Regeln auch auf einem Staffeltag präsentiert. „Die Anwesenden waren gut im Bilde. Es gab keine Nachfragen und keine Kritik von den Schiedsrichter-Kollegen“, sagt er, der seit 2003 als Obmann fungiert – zunächst für den Kreis Oldenburg-Land und ab 2012 für den Zusammenschluss Oldenburg-Land/Delmenhorst. Er weiß aber auch: „Die neuen Regeln kommen wohl nicht in den letzten Mannschaftsteilen an.“ Sorgen macht er sich gleichwohl nicht: „Es wird heißer gekocht als gegessen. Unsere Schiedsrichter sind gut für die Spielleitung gewappnet.“