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Neuzugang beim Delmenhorster TV Terryl Woolery will Karriere bei den Devils beenden

Von Elisabeth Wontorra | 27.01.2016, 08:00 Uhr

Delmenhorst: Die Basketballer des Delmenhorster TV haben prominente Verstärkung erhalten: Der ehemalige Zweitliga-Profi Terryl Woolery spielt erstmals seit 2009 wieder in einer Mannschaft. Der Oberligist soll für den 39-Jährigen die letzte Station seiner Karriere sein.

Stacy Sillektis gab in der vergangenen Woche den großen Geheimniskrämer. Für das wichtige Spiel seiner Oberliga-Basketballer gegen den VfL Stade II hätte er einen Neuzugang an der Angel, erzählte der Spielertrainer der Devils. Verraten wollte Sillektis, ganz Medienprofi, den Namen allerdings noch nicht – und schürte so die Vorfreude auf das Heimspiel des DTV am vergangenen Sonntag. Die meisten der 50 Zuschauer dürften ihren Besuch in der Stadtbadhalle wohl nicht bereut haben. Denn bei den Devils stand plötzlich jemand auf dem Parkett, dessen Name in der Basketball-Szene aus höheren Ligen bekannt ist: Terryl Woolery. Der Ex-Profi gab beim 94:63-Sieg ein starkes Debüt und war mit 19 Punkten gleich Topscorer der Delmenhorster.

Ahmet Ildem und Terryl Woolery sind seit Jahren gute Freunde

„Im Hinspiel hat die Mannschaft ohne mich gewonnen. Da wäre es wohl nicht so gut gewesen, wenn sie mit mir verloren hätte“, sagte Woolery nach der Partie mit einem Schmunzeln. Der gebürtige US-Amerikaner, der unter anderem in der 2. Bundesliga bei den Wolfenbüttel Dukes gespielt hatte, zeigte sich bestens gelaunt. Seine neuen Kollegen hätten ihn gut aufgenommen. „Wir arbeiten alle gut zusammen. Ich mag das Team.“

Dort hat Woolery nun einen guten Freund als Mitspieler: Ahmet Ildem und der US-Boy kennen sich seit Jahren. Durch Ildem entstand auch der Kontakt zu Sillektis, wie der Spielertrainer erzählt. „Ahmet kam an einem Tag zu mir und sagte, dass er gerne jemanden zum Training einladen möchte.“ Sillektis wusste nicht, wen sein Routinier zum Training mitbringen würde – und war ziemlich perplex, als das 1,98 Meter große Muskelpaket Woolery plötzlich in der Stadtbadhalle auftauchte.

Terryl Woolery sieht Delmenhorster TV als letzte Karriere-Station

Woolery hatte zuletzt 2009 bei der SVGO Bremen in einer Mannschaft gespielt. Doch trotz der langen Pause stellte Sillektis bei seinem Neuzugang keinen Trainingsrückstand fest. „Terryl macht physisch und mental einen guten Eindruck. Er versteht Spielzüge und Taktiken sehr schnell. Das kriegen andere nach drei Jahren nicht hin, was Terryl in nur vier Trainingseinheiten hinbekommen hat“, zeigt sich Sillektis beeindruckt.

Das Spiel lesen, freie Räume erkennen, Mitspieler finden: Dass Sillektis in dieser Hinsicht seinem 39-jährigen Neuzugang nur wenig erklären muss, dürfte auch damit zusammenhängen, dass Woolery neben seiner Erfahrung in höheren Spielklassen Trainer bei den Ritterhude Badgers ist, die er 2009 gründete. Neben dem Coaching spürte der US-Amerikaner aber, dass ihm etwas fehlt. Es juckte ihn in den Fingern, selbst wieder zu scoren, dribbeln oder rebounden – und wechselte deswegen nach Delmenhorst.

„Ich bin lieber Spieler als Trainer“, erklärt Woolery. Daher sei es ihm auch „egal, in welcher Liga die Devils spielen“. „Ich folge dem Team überall hin. Egal, ob eine Liga höher oder tiefer.“ Dieses Bekenntnis dürfte viele DTV-Fans freuen, wie auch das folgende: „Ich möchte, dass diese Station die letzte meiner Karriere ist.“

Terryl Woolery verdiente sein Geld auch schon im Libanon

Apropos Karriere: Neun Jahre lang war Woolery Profi-Basketballer – und das in vier verschiedenen Ländern. Er spielte lange in den USA auf dem höchsten College-Level, ehe es ihn 2005 zum ersten Mal nach Deutschland zog. 2008 stand Woolery sogar ein Jahr lang in der höchsten Liga im Libanon unter Vertrag. „Dort gab es gutes Geld“, begründet er seinen Aufenthalt. Dieses Gehalt nutzte er, um sich „etwas zurückzulegen und aufzubauen“. 2009 kehrte der in Los Angelos geborene Woolery nach Deutschland zurück und lebt derzeit mit seinem vierjährigen Sohn im Bremer Stadtteil Neustadt.

Von dort aus pendelt der 39-Jährige drei Mal die Woche für das Training und die Spiele nach Delmenhorst. Bei den Devils sieht sich Woolery, der an einer Bremer Schule als Sportlehrer arbeitet, vor allem als Teamplayer. Sein Ziel: „Ich möchte meinen Mitspielern helfen. Ich will Roman (Holder) und Edgaras (Saldukas) unterstützen und es ihnen auf dem Feld leichter machen.“ Bei seinem Debüt gelang ihm das glänzend. „Ich fühle mich wie ein kleines Kind“, gestand Woolery nach seinem ersten Einsatz im schwarz-roten Trikot grinsend.

Ahmet Ildem will Senioren-Team gründen

Sillektis erhofft sich viel vom Neuzugang: „Mit Terryl haben wir eine Option mehr. Wenn ein Spiel eng wird, dann kann ich ihn gut einsetzen.“ Die Lieblingsposition des Allrounders ist die des Shooting Guards, aber Sillektis sieht ihn eher als Power Forward. „Als Shooting Guard haben wir mehrere starke Spieler. Unter dem Korb fehlt uns eher jemand. Und da ist Terryl richtig stark“, erklärt er.

Woolery räumt ein, dass er nicht mehr der jüngste und schnellste Akteur sei. Er sagt aber auch: „Ich weiß, wie Basketball gespielt wird.“ Der 39-Jährige befindet sich in seiner Altersklasse in guter Gesellschaft: Auch Kostas Stoikos und Stacy Sillektis sind 39 Jahre alt, Ahmet Ildem ist bereits 38. Daher malt Ildem auch schon scherzend eine Zukunft für die älteren Herren aus: „In paar Jahren gründen wir dann ein Seniorenteam und spielen noch etwas weiter.“ Die Fans würde es sicherlich freuen, wenn ihnen die vier Oldies lange erhalten bleiben.