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„Nur nicht noch ein Drama“ TSH-Trainer Franke: Das macht mich wahnsinnig

Von Daniel Niebuhr | 22.01.2016, 07:57 Uhr

Coach Jörn Franke von der TS Hoykenkamp erklärt das Titelrennen der Handball-Landesliga und klagt über die Abwerbeversuche anderer Vereine.

Die Handball-Landesliga ist in den vergangenen Jahren immer mal wieder für Dramen gut gewesen, und die TS Hoykenkamp ist auch in der diesjährigen Episode wieder mittendrin. Nach der Hälfte der Spiele steht Trainer Jörn Franke mit seinem Team auf Rang zwei. Franke spricht im Interview über die Europameisterschaft, das Derby am Sonntag (16 Uhr) gegen die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg und erklärt, warum der Handball dem Fußball immer ähnlicher wird.

Herr Franke, in Polen läuft die EM, Deutschland spielt bis jetzt erstaunlich abgebrüht auf. Kann man als Landesliga-Trainer von der Nationalmannschaft lernen?

Man kann vielleicht träumen. So wie die Deutschen gegen Slowenien (25:21, d. Red.) verteidigt haben, das war unglaublich. Das würden wir gern genauso machen. Aber ich fürchte, die Voraussetzungen sind doch ein wenig unterschiedlich.

Weil da Profis spielen und bei Ihnen Amateure?

Weil bei der EM nur wahre Athleten spielen. Die Kraft spielt im Handball heute eine wahnsinnig große Rolle. Physis und Körperbeherrschung sind da schon nahe der Perfektion, das können wir nicht bieten.

Immerhin, Ihre Mannschaft spielt bis jetzt eine fast tadellose Saison – Platz zwei, 22:4 Punkte. Die haben mit den Reservemannschaften aus Wilhelmshaven und Barnstorf aber noch zwei andere Teams. Das läuft ja wieder auf ein Herzschlagfinale hinaus wie 2015, als Sie am letzten Spieltag die Meisterschaft verpassten und Zweiter wurden.

Um Gottes Willen. Ich hoffe nur, dass es nicht noch so ein Drama gibt. Ich glaube aber, dass es nicht so kommt. Wilhelmshaven ist für mich das Nonplusultra, mit der ersten Mannschaft im Hintergrund können sie immer nachlegen. Barnstorf oder wir, einer wird dahinter den Relegationsplatz erreichen.

Das hatten Sie ja schon einmal, um dann gegen Rotenburg zu scheitern.

Das war damals. Jetzt sind wir ein Jahr weiter, ein Jahr reifer...

...und ein Jahr besser?

Auch das. Ohne jeden Zweifel sind wir stärker. Der Abgang von Ole Goyert hat geschmerzt, aber wir haben ihn gut kompensiert. Und mit Hergen Schwarting ist ein Schlüsselspieler im Rückraum durchgehend dabei. Eine Relegation würden wir dieses Mal zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit gewinnen.

Mal angenommen, es klappt mit dem Aufstieg in die Verbandsliga: Wie sieht die Hoykenkamper Mannschaft dann aus? Bleiben alle? Bleiben Sie?

Das müssen wir nach der Saison entscheiden. Jetzt kämpfen wir erst einmal um die Meisterschaft. Ich kann es nicht leiden, wenn man mitten in einer Aufgabe schon an die nächste denkt. Das macht mich auch bei meinen Spielern wahnsinnig.

Gibt es da Abwanderungsgedanken?

Na ja, sie werden von anderen Vereinen angesprochen. Und zwar jetzt schon, wo die Saison gerade zur Hälfte rum ist. Das kann doch nicht sein. Das nimmt ja Ausmaße an wie beim Fußball.

Was sagen Sie den Spielern dann?

Dass sie mit dem Probetraining bei anderen Vereinen noch ein paar Monate warten sollen, wenn es keine Umstände macht.

Jetzt geht es gegen den alten Rivalen aus Grüppenbühren, der gerade unten drin steht, auch wenn die Tabelle etwas verzerrt ist. Ist das undankbar?

So verzerrt finde ich die Tabelle nicht. Grüppenbühren spielt gegen den Abstieg, das ist Fakt. Und deshalb werden sie sich voll reinhauen. Das ist eine stolze Mannschaft, die Revanche fordert, weil wir das Hinspiel gewonnen haben. Für beide ist es ein enorm wichtiges Spiel. Zum Glück spielen wir zuhause.