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Olympia-Start am Samstag Sandra Auffarth führt das deutsche Team in Rio an

Von Daniel Niebuhr | 05.08.2016, 21:01 Uhr

Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffarth aus Bergedorf geht bei Olympia in Rio am Samstag als erste Deutsche in die Dressur.

Als Bundestrainer ist Hans Melzer manchmal der Diplomatie verpflichtet. Als er nach potenziellen Gold-Kandidaten in seinem Team der Vielseitigkeitsreiter gefragt wurde – neben Seriensieger Michael Jung –, hielt es der Chef der deutschen Equipe also vorsichtshalber ganz allgemein. „Ich sehe einige, denen ich eine Medaille zutrauen würde“, sagte Melzer – und hatte vermutlich doch jemand ganz konkretes im Kopf. Die Stärke der Sandra Auffarth ist ja kein Geheimnis mehr.

Überraschender Wechsel in der deutschen Equipe

Am Samstag startet die Vielseitigkeit bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ab 15 Uhr mit der Dressur, Doppel-Weltmeisterin Auffarth ist mit Opgun Luovo um 16.20 Uhr deutscher Zeit als erste Deutsche dran – aus der Ferne unterstützt von ihrem Heimatort Bergedorf, der sich zum gemeinsamen Anfeuern im Dorfgemeinschaftshaus trifft. Jung folgt auf dem 16-jährigen Sam ebenfalls am Samstag um 19.58 Uhr. Die Warendorferin Julia Krajewski, mit Samourai du Thot eigentlich Ersatzreiterin, komplettiert zusammen mit Auffarths Zimmernachbarin Ingrid Klimke auf Hale Bob das deutsche Team am Sonntag. Krajewski nimmt den Platz von Andreas Ostholt ein, bei dessen Pferd So is et Melzer nach einer Verletzung kein Risiko eingehen will. Ostholt war nach der Entscheidung des Bundestrainers den Tränen nah und erklärte: „Das Pferd habe nicht nur ich fit gesehen. Leider sieht die Mannschaftsleitung das anders.“

So oder so muss Deutschland höchstens die Briten fürchten; allerdings ist Melzers Equipe bei großen Titelkämpfen eine Klasse für sich: Fünf Einzel- und Teamsiege nacheinander Olympia, Welt- und Europameisterschaften sind die längste Serie in der Geschichte des Pferdesports; vieles spricht dafür, dass sie in Rio verlängert wird.

Wolle besteht Medizin-Check

Auffarth hat aus Brasilien bereits Optimismus verbreitet und berichtet von entspannter Stimmung. In den bisherigen Trainingseinheiten zeigte ihr Wolle genannter Wallach Opgun Luovo keine Ermüdungserscheinungen nach dem ersten Flug seines Lebens. „In der Dressur hat er mir ein super Gefühl gegeben. Er wirkt frisch und ist sehr motiviert“, meinte Auffarth. Erwartungsgemäß gab es am Freitag bei der Verfassungsprüfung, dem offiziellen Medizin-Check, für Wolle keine Probleme, auch bei den anderen deutschen Pferden gab es nichts zu beanstanden. „Alles gut. Es kann losgehen“, meinte Auffarth, die im olympischen Dorf wohnt und – anders als Vertreter aus anderen Sportarten – noch nichts Negatives über die Behausungen berichten kann. „Sehr schön“, war ihr erstes Urteil. Es kämen Sportler aller Länder zusammen: „Das Olympische Dorf ist ein Vorbild dafür, wie man miteinander umgehen und sich gegenseitig respektieren sollte – egal aus welcher Nation man kommt. Hier ist die Welt echt noch in Ordnung“, sagte die Reiterin vom RV Ganderkesee.

Vorfreude auf das Gelände am Montag

Am Donnerstag hatte sie mit den Mannschaftskollegen erstmals die anspruchsvolle Geländestrecke inspiziert, die am Montag den zweiten Teil der Vielseitigkeit bildet. „Es ist toll gebaut, aber auch mit einigen schwierigen Elementen versehen. Es wurde sich bei jedem einzelnen Sprung viel Mühe gegeben“, schwärmte Auffarth und gab sich alles andere als ängstlich: „Ich freue mich schon sehr auf Montag.“ Die Medaillen werden dann am Dienstag bei der Entscheidung im Springstadion vergeben.