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Olympische Spiele 2016 Sandra Auffarth und Wolle reisen mit viel Gepäck nach Rio

Von Lars Pingel | 28.07.2016, 20:03 Uhr

Die Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee und ihr Wallach Opgun Louvo („Wolle“) reisen mit viel Gepäck zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Dort möchte die 29-jährige Bergedorferin zum zweiten Mal Mannschaftsgold gewinnen.

Die eigenen Koffer sind schnell gepackt. „Ja, dafür mussten wir nicht lange überlegen“, sagte Sandra Auffarth über die letzten Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Die 29-jährige Bergedorferin, die für den RV Ganderkesee antritt, gehört mit ihrem Wolle – der auf Wettkampfstätten weltweit als Opgun Louvo angekündigt wird – zum Team der deutschen Vielseitigkeitsreiter, das in Brasilien um Medaillen kämpfen wird.

„Wir dürfen sowieso nur die offizielle Kleidung tragen“, verriet Bärbel Auffarth, die ihre Tochter bei fast allen Wettkämpfen begleitet, warum nicht lange überlegt werden konnte, was mit soll. Ein wenig Platz für Persönliches blieb aber dennoch. „Ich habe viele Glücksbringer geschenkt bekommen, die ich aber erst in Rio auspacken werde“, erzählte Sandra Auffarth in Bonn-Rodderberg, wo sich die Mannschaft am Dienstag zum Trainingslager getroffen hat.

Am Wochenende geht es in den Flieger nach Rio de Janeiro

Am Samstag, 30. Juli, werden zunächst die Pferde nach Rio gebracht, am Sonntag dann die Reiter. Der Flug dauert elf Stunden, die Pferde werden von einer Pflegerin intensiv betreut. In Rio wird Wolle dann von Bärbel Auffarth, die vorausgereist ist, in Empfang genommen. Vom Flughafen werden er und seine „Teamkollegen“ dann in vier Lastwagen einer deutschen Firma, die auf Pferdetransport spezialisiert ist, die etwa 30 Kilometer bis in den Stadtteil Deodoro gefahren. Dort finden die Reitwettbewerbe statt. (Weiterlesen: Sandra Auffarth freut sich auf die Olympischen Spiele)

Am Samstag, 6. August, und Sonntag, 7. August (jeweils ab 15 Uhr), eröffnen die Vielseitigkeitsreiter mit der Dressur ihren Wettkampf. Es folgt am Montag, 8. August (15 Uhr), der Geländeritt. Am Dienstag, 9. August, fällt dann im Springparcours die Entscheidung: zunächst im Team-Wettbewerb (15 Uhr) – dann, weil bei Olympischen Spielen keine zwei Medaillen für die selbe Leistung vergeben werden, in einem weiteren, verkürzten Durchgang mit den besten 25 Paaren im Einzel (19 Uhr). Anders als bei den zurückliegenden Spielen werden im Teamwettbewerb nur vier statt fünf Reiter pro Nation starten. Gewertet werden die besten drei Ergebnisse.

Topfavorit Michael Jung startet mit La Biosthetique Sam statt mit Takinou

Außer Auffarth und Wolle starten Ingrid Klimke (Münster) mit Horseware Hale Bob und Andreas Ostholt (Warendorf) mit So is et und Michael Jung (Horb) mit La Biosthetique Sam für das deutsche Team. Ersatzreiterin ist Julia Krajewski (Warendorf) mit ihrem Samourai du Thot. Jung wollte die Prüfung in Rio eigentlich mit Takinou bestreiten; der ist nach dem CHIO in Aachen aber an einem fiebrigen Infekt erkrankt. Für ihn wird nun der 16-jährige Wallach Sam, mit dem Jung 2012 in London Einzel- und Mannschaftsgold gewann, mit nach Rio fliegen. (Weiterlesen: Sandra Auffarth ist mit Olympia-Test zufrieden)

Die Verbände, der internationale Reiterverband (FEI), das Internationale Olylimpische Komitee (IOC) und das Nationale Olympische Komitee (NOK), haben bereits zugestimmt, erklärte Bundestrainer Hans Melzer: „Da sollte der Rest auch klappen.“ Jung beurteilte den Pferdewechsel entspannt. „Sam und ich sind ein eingespieltes Team und kennen uns in- und auswendig“, sagte er laut Mitteilung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.

Reiter intensivieren ihr Training

Die Prüfung in Rio wird auf Vier-Sterne-Niveau, also dem höchsten, ausgetragen. Darauf wurden die Pferde von ihren Reitern und den Bundestrainern Melzer und Christopher Bartle gezielt vorbereitet. Aber auch die Reiter, die sowieso regelmäßig an ihrer Fitness arbeiten, haben ihr Programm für die Olympischen Spiele nochmals intensiviert. „Ein bisschen schon“, bestätigte Auffarth und erklärte mit Blick auf den Geländeritt: „Wir müssen ja sehr, sehr lange im leichten Sitz reiten, und es ist schon etwas anderes, ob du elf Minuten galoppierst oder nur sechs.“ Die Bein-, Bauch- und Rückenmuskulatur werde besonders gefordert. (Weiterlesen: Sandra Auffarth und Wolle sind Deutscher Meister)

Die Bedingungen vor Ort kennen Auffarth und ihre Teamkollegen nicht. Sie hatten auf eine Teilnahme am Testwettbewerb vor einem Jahr verzichtet, weil der Aufwand zu groß war. Das sei aber kein Problem, findet Auffarth. „Wir sind alle erfahren genug.“ Auch die klimatischen Bedinungen in der Stadt an der Küste des Atlantischen Ozeans bereiten ihr kein Kopfzerbrechen. Die Pferde kämen mit Hitze oft besser klar als die Reiter, erklärte Auffarth. „Wolle mag es sogar lieber, wenn es ein bisschen warm ist“, sagte sie.

Auch die Videoanalyse gehört zum Trainingsplan

In Bonn wird an den letzten Feinheiten für den Auftritt in Rio gearbeitet. Dazu gehört, zum Beispiel, das Reiten der Dressuraufgabe mit anschließender Videoanalyse. „Wir haben eine erfahrene Truppe. Deshalb wird in den letzten Tagen nicht zu viel trainiert. Alle sind gut vorbereitet. Deshalb sind sie hier. Die Gefahr eines zu langen Trainingslagers ist, dass es den Rhythmus zu sehr stört“, sagte Bundestrainer Bartle.

Auffarth, Jung und Klimke gehörten bereits 2012 zur deutschen Equipe, die in London den ersten Platz belegte. Ostholt feiert in Rio sein Olympia-Debüt. Die Vier gehören als Titelverteidiger, der zudem Teamweltmeister und -europameister ist, natürlich zu den größten Favoriten. Eine Rolle, die sie annehmen. „Gold mit der Mannschaft, das ist unser Ziel“, erklärte die 29-Jährige, die 2012 mit Wolle auch noch Einzelbronze gewonnen hatte.

Trägt Ingrid Klimke die deutsche Fahne?

„Wieder ist ein Traum wahr geworden“, sagte die Auffarth über ihre zweite Olympia-Nominierung. Die ermöglicht es ihr, das „unglaubliche Erlebnis“ Olympische Spiele erneut mitzuerleben. Dazu gehört wohl auch die große Eröffnungsfeier im Olympiastadion, auch wenn schon am Tag danach der Vielseitigkeits-Wettbewerb beginnt. Schließlich hat eine Vielseitigkeitsreiterin die Chance, dort als Fahnenträgerin das deutsche Team anzuführen, für das 452 Athletinnen und Athleten nominiert wurden: Ingrid Klimke.

„Das ist eine ganz große Ehre für mich. Ich erinnere mich noch an 1988 in Seoul, als mein Vater Fahnenträger war und ich auf der Tribüne saß“, sagte sie, die zum fünften Mal an Olympischen Spielen teilnimmt. Ihr Vater Reiner Klimke gewann als Dressurreiter sechs Gold- und zwei Bronzemedaillen.

Trainingslager in Bonn dient auch dem Kraftauftanken

Die Tage in Bonn dienen den fünf Vielseitigkeitsreitern, die erst vor knapp zwei Wochen nach dem CHIO in Aachen nominiert worden waren, aber auch dazu, noch einmal ein wenig Kraft zu tanken. „Jeder hat einen Stall zuhause zu organisieren. Man hält die Spannung hoch und die Pferde fit, zum Durchatmen kommen wir eigentlich erst hier“, erzählte Doppelweltmeisterin Auffarth.

„Es gibt viel zu packen“, sagte Bundestrainer Melzer dann auch noch über das Trainingslager in Bonn. Damit meint er allerdings vor allem das Gepäck der Pferde. „Wir nehmen für Wolle die gewohnte Ausrüstung mit, das ist schon sehr viel“, erzählte Auffarth. Ein Sattelschrank und zwei große Kisten werden dafür benötigt. Ein Auswahlproblem gibt es aber ebenfalls nicht. Im Flugzeug, das die vierbeinigen Sportler nach Rio bringt, sind die Gewichtsvorschriften für das Gepäck nicht so streng wie in einem Linienflieger.