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Playoffs der Basketball-Bundesliga EWE Baskets Oldenburg treffen auf ratiopharm Ulm

Von Lars Pingel | 05.05.2016, 23:33 Uhr

An diesem Samstag starten die EWE Baskets Oldenburg in die Playoffs der Basketball-Bundesliga. Sie treffen im Viertelfinale auf ratiopharm Ulm. Das Baskets-Team von Trainer Mladen Drijencic hat eine überraschend starke Hauptrunde gespielt: Es beendete sie auf Platz zwei. An diesem Samstag, 17.30 Uhr, wird in ihrer Arena an der Mastrichter Straße die erste von maximal fünf Partien gespielt.

Mladen Drijencic lebt und arbeitet seit 2010 in Oldenburg. Dass er sich in der Heimat des Basketball-Bundesligisten EWE Baskets wohlfühlt und dass er bestens zu der Stadt mit, zeigt seine Reaktion auf die Frage, wie der Trainer eben jenes Erstligisten die Hauptrunde bewertet, die sein Team mit 27 Siegen aus 34 Spielen als Tabellenzweiter beendet hat. „Super“, sagt er. Pause. Und dann, leise und fast als Frage betont: „Historisch.“

Etwas ausführlicher bestätigt Hermann Schüller, geschäftsführender Gesellschafter des Clubs, die „typisch Oldenburger“ Antwort des Trainers. „Das war die beste Hauptrunde der EWE Baskets“, sagt Schüller vor dem ersten Spiel der Playoffs (Samstag, 17.30 Uhr, EWE Arena), in denen die Oldenburger im Viertelfinale auf ratiopharm Ulm treffen. 2009 waren die Baskets Deutscher Meister.

Baskets-Geschäftsführer ist optimistisch

„Vor uns liegt eine harte Serie“, meint Schüller vor dem maximal fünf Spiele („best of five“) langen Duell. Schüller sieht dem aber optimistisch und selbstbewusst entgegen: „Das Ziel jeder Mannschaft, die unter die ersten Acht gekommen ist, ist es Deutscher Meister zu werden. Es wäre doch fatal, etwas anderes zu sagen.“ Unter Erfolgsdruck, erklärt er, stünde die Mannschaft deshalb aber nicht. „Hier ist extrem gute Arbeit geleistet worden. Auf diesem Fundament können Trainer und Mannschaft aufbauen“, sagt Schüller. „Wir haben doch schon mehr erreicht als erwartet. Alles, was noch kommt, ist für uns ein Bonus.“

Sportmanager Srdjan Klaric lobt Charakter des Teams

Mehr als erwartet. Das greift Sportmanager Srdjan Klaric gerne auf. Ja, sagt er, Platz zwei sei mehr als erwartet. Er sagt aber auch: „Wir haben vor der Saison nicht zu viel versprochen. Wir haben gesagt, dass wir ein Team haben, das in jedem Spiel ans Limit gehen, das leidenschaftlichen Basketball spielen wird.“ Das habe dann zudem alle knappen Spiele gewonnen. „Das zeigt den Charakter der Mannschaft.“

Mannschaft wird neu aufgebaut

Die Geschichte dieser Mannschaft beginnt schon im März 2015. Drijencic, Trainer des Pro-B-Teams der Oldenburger, übernahm als Nachfolger von Sebastian Machowski den Bundesliga-Kader, der eine Serie von Niederlagen kassiert hatte. Drijencic führte ihn in eigener Halle zum Pokalsieg; in den Playoffs schieden die Oldenburger aber schon im Viertelfinale gegen Alba Berlin aus.

Anschließend schraubte der Club die Erwartungen zurück. Vor der Spielzeit 2014/2015 hieß es noch, dass die Großen der Branche, die Brose Baskets Bamberg, Alba Berlin und Bayern München, angegriffen werden sollen. Ein Jahr später erklärte der Club nur die Playoff-Teilnahme zum Ziel. Natürlich wegen der bitteren Erfahrungen, vor allem aber, weil der Etat gekürzt werden musste.

Klaric und Drijencic bauten dann die Mannschaft auf, die mehr ereichte als erwartet. Acht Spieler wurden verpflichtet, sechs verließen den Verein. Der Saisonstart war bitter: krachende Niederlagen in Bamberg (66:87) und München (56:82). Unruhig wurden die beiden Verantwortlichen deshalb nicht. „Wir hatten während der Vorbereitung viele Verletzungsprobleme“, erklärt Klaric. „Das hat uns zurückgeworfen.“ Spieler hätten auf ungewohnten Positionen trainiert und gespielt. In Klemen Prepelic wurde spät ein weiterer Zugang integriert. „Jeder musste mehrmals seine Rolle neu finden, die Hierarchie stand nicht fest“, erklärte Klaric. „Wir wussten, dass es eine normale Folge ist, dass wir gegen die zwei besten Mannschaften in Deutschland keine Chance haben. Diese Spiele waren kein Maßstab.“

Heimsieg über Frankfurt als Wendepunkt

Die Wende markierte der schwer erkämpfte 82:80-Heimsieg am dritten Spieltag über die Frankfurt Skyliners. „Danach wussten wir, dass wir genug Talent haben“, sagt Klaric.

Angeführt wurden die Baskets von ihrem „ewigen Kapitän“ Rickey Paulding, der schon im Februar einen Vertrag bis Sommer 2017 unterschrieben hatte und so in seine zehnte Saison in „Pauldingburg“ – wie die Baskets-Fans ihre Stadt auch gerne nennen – geht. Paulding & Co. krönten ihre starke Hauptrunde mit dem 88:84-Heimsieg über den FC Bayern, der ihnen den zweiten Platz und das Heimrecht für die möglicherweise entscheidenden fünften Partien im Viertel- und Halbfinale einbrachte.

Ulmer sehen sich als „krasse Außenseiter“

In der Runde der letzten Acht treffen die Oldenburger nun also auf Ulm. Für Thomas Stoll, Manager des Siebten der Hauptrunde, ist die Rollenverteilung klar. „Wir sind krasser Außenseiter gegen das zweitbeste Team in der BBL“, sagte er der „Südwest Presse“.

Drijencic lobt Ulmer Mannschaft

Das mag Drijencic so nicht stehen lassen. „Wenn das Ulmer Team von Beginn an in der Besetzung gespielt hätte wie zuletzt, würde es ganz woanders stehen als auf Platz sieben“, erklärt er. „Das ist für mich von der Konstellation her eines der knappesten Duelle in den Playoffs.“ In der Hauptrunde verloren die Oldenburger das Auswärtsspiel mit 63:80 und siegten in eigener Halle mit 90:75. „Wir versuchen, den Fokus auf uns selbst zu lenken“, erzählt der Baskets-Trainer. „Wir müssen unsere Richtung in der Offensive und der Defensive finden. Ich hoffe, dass wir in die nächste Runde kommen.“

Drijencic legt seine Oldenburger Zurückhaltung während der Spiele übrigens ab. Mit viel Herz und großem Engagement an der Seitenlinie führt der 50-Jährige sein Team durch die 40 Spielminuten und mögliche Verlängerungen. Sollte er das noch bis Mitte, Ende Juni machen, wäre es an der Zeit, über eine Playoff-Bilanz mit der Überschrift „Mehr als erwartet“ zu sprechen. Drijencic wird das Wort „historisch“ dann wohl mit einem Ausrufezeichen betonen.