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Pony-Team RC Hude Trainingsfleiß, Teamgeist und Glücksbringer machen Erfolge möglich

Von Katrin Brandes, Katrin Brandes | 27.12.2017, 15:33 Uhr

Das Pony-Team des RC Hude um Mannschaftsführerin Katja Stöver hat in der Saison 2017 viele Erfolge gefeiert. Höhepunkt war der Erfolg beim Agravis-Cup in der Oldenburger EWE-Arena.

Die Aufforderung „gucken, gucken, gucken“ schallte in den vergangenen Monaten häufig über die Anlage des RC Hude am Reiterweg. Sie war das sichere Zeichen dafür, dass auf dem Außenreitplatz die Pony-Mannschaft des Vereins ihre Dressurkür zur Musik übte. Die Rufe kamen von Katja Stöver, sie forderte vier junge Reiterinnen auf, in den anspruchsvollen Aufgaben aufeinander zu achten. „Das ist unerlässlich, damit auch alles zur Musik passt“, erklärt die Mannschaftsführerin. Die 47-Jährige ist dem Teamreiten seit frühester Jugend verbunden, auch wenn sie früher beim Oldenburger Landesturnier auch in der Vielseitigkeit gestartet war. „Ich habe in einer Zeit angefangen zu reiten, als das Mannschaftsreiten sehr beliebt war. Mir lag von Anfang an der Teamgeist sehr am Herzen.“

Das Training und die Vorbereitung für Team-Prüfungen erfordern noch mehr Zeitaufwand als für Einzel-Wettbewerbe. Das alles beginnt damit, die vier Reiter einer Mannschaft sowie eventuelle Ersatzreiter zu finden – und dann sollten möglichst nicht nur sie gut harmonieren, sondern auch noch ihre Pferde zueinander passen: in den Gangarten, der Größe und der Farbe. Denn auch das Erscheinungsbild der Mannschaft fließt mit in die Wertnoten ein.

RC Hude wird bei Oldenburger Landesmeisterschaft Zweiter

Stöver nahm diese Aufgabe an. Sie motivierte junge Reiterinnen und wurde mit ihnen und ihren Ponys zu einem Team, in dem alles passt. Es stellte sich im zu Ende gehenden Jahr regelmäßig der schwierigen Aufgabe, in einer Dressurkür zur Musik anzutreten. Und das mit Erfolg: Im Rasteder Schloßpark sicherte es sie sich im Landesturnier Ende Juli im Finale den Silberrang, im August holte es den Kreismeistertitel und im November siegte es im „Agravis Cup“ in der EWE Arena in Oldenburg souverän in einem starken Starterfeld mit 16 Mannschaften.

Davor lag viel Arbeit. Für eine Dressurkür der Klasse A gibt es in der Leistungsprüfungsordnung der Reiterlichen Vereinigung genaue Vorgaben, welche Bestandteile enthalten sein müssen und wie lang die Kür sein darf. Aus den einzelnen Bestandteilen, wie beispielsweise Volten und Zirkeln, gilt es, im Schritt, Trab und Galopp eine ansprechende Kür auszuarbeiten und die einzelnen Bestandteile zur Musik zusammenzustellen. Man fängt damit auf einem Blatt Papier an. „Das sieht bei mir so aus“, erzählt Katja Stöver schmunzelnd während sie auf viele kleine Rechtecke vor sich schaut, die Dressurvierecke darstellen. In diese „malt“ sie die einzelnen Figuren. „Erst für den Aufbau. Die Endfassung erhalten dann auch die Reiterinnen zum Auswendiglernen.“ Diese waren aber auch am Anfang schon mit dabei. „Wir schauen uns Videos von anderen Mannschaften an und entscheiden, was uns vielleicht gefällt.“

RCH-Team wächst eng zusammen

Steht eine Kür, dann laufen die Reiterinnen sie auf dem Reitplatz erst einmal ohne Pferde mehrfach durch, um zu sehen, wie die Ideen passen. Dabei wird auch darauf geachtet, ob die Vorgabe, dass das 20x40 Meter große Reitviereck bestmöglich ausgenutzt werden muss, erfüllt wird, und darauf, dass die Kür Aufgaben enthält, die mal einzeln, mal paarweise und auch zu viert geritten werden. „Meist passen wir dann noch kleinere Passagen an“, erklärt Stöver.

Wenn das erledigt ist, geht es auf die Ponys: Die Kür wird in Schritt und Trab geritten, dann kommt die Galopptour dazu. Wenn alles grob steht, wird die gerittene Kür gefilmt. Das Video dient dann als Grundlage für die Musikauswahl. „Die Mädels haben oft tolle Ideen, welcher aktuelle Song zu welchem Kürteil passt“, lobt Mannschaftsführerin Stöver das Engagement von Jette Lakeberg, Jantje Radel, Johanne Geue, Chiara Stöver, Celine Burgdorf und Tokessa Heyer. Die sechs Reiterinnen sind seit dem Trainingsstart im vergangenen März und über die Qualifikationsturniere immer enger zusammengewachsen. Es ist ihnen wichtig, die Mannschaftstermine trotz Schule und anderen Verpflichtungen einzuhalten. Besonders die diesjährigen Erfolge und Kommentare von Wertungsrichtern wie „Das war wie an einer Perlenschnur akkurat geritten“ haben gezeigt, dass nur regelmäßiges Training und aufeinander Achten den Weg zum Sieg bereitet.

Katja Stöver legt auch Wert darauf, den Teamgeist mit Unternehmungen außerhalb des Trainings zu festigen. So ging es gemeinsam zum Ausritt an den Weserstrand, zum Orientierungsritt, zum Huder Weihnachtsmarkt und alle sechs Reiterinnen nahmen am Kreisringstechen teil. Gewonnene Pizzagutscheine wurden mit den Eltern verputzt, die sich für die 13 bis 18 Jahren alten Reiterinnen sehr engagieren, zum Beispiel durch den „Fahrdienst“ zu den Turnieren und beim Vorbereiten. „Ohne die Eltern ginge es gar nicht“, bedankt sich Stöver für diesen großen Einsatz.

Großer Erfolg in ungewohnter Atmosphäre

Höhepunkt des Jahres war für alle Huderinnen der Sieg in Oldenburg, wo sie mit 17,80 von möglichen 20 Punkten den hohen Favoriten, das Quartett der TG Bad Zwischenahn (17,10), bezwangen. Trotz der ungewohnten Hallen-Atmosphäre, der gestiegenen Aufregung der Huder Mädchen, der hellen Scheinwerfer und der vielen Zuschauer, die laut klatschten, waren die zum Teil jungen Pferde „tiefenentspannt“. Die blauen Glücksbänder mit Sternchen und die kleinen Glücksschweinchen im Jackett jeder Reiterin halfen sicherlich. „Wir haben gezeigt, dass man es mit Teamgeist, einer akkurat gerittenen, liebevoll gestalteten Kür und vier unterschiedlichen Ponys schaffen kann“, schwärmt Katja Stöver, die von den vielen Gratulanten am Abend völlig überwältigt war. Gefeiert wurde anschließend nicht, denn die Siegerehrung dauerte bis 23.30 Uhr „und die Mädels mussten ja am nächsten Tag zur Schule.“ Das wurde aber nachgeholt. Und: Mit allen Mannschaftsreitern des RCH und den Eltern wurde vor Weihnachten in der Klostermühle noch eine zweite Party gestartet.

„In 2018 behalten wir diese Kür erstmal, vielleicht ändern wir die Musik noch ein bisschen“, schaut Stöver nach vorn. Trainingsbeginn ist wieder im März. Bis dahin ist noch ein gemeinsames Team-Wochenende geplant. Und ein bisschen Urlaub und Zeit mit den Familien. „Wie viel Zeit hier zuhause mit Mannschaftsreiten verplant ist, kann ich gar nicht sagen“, schmunzelt Ehemann Uwe Stöver, schließlich reitet Tochter Chiara im Pony-Team mit. Und Katja Stöver gehört noch zur Kreis-Mannschaft der Klasse L, deren Kür sie auch ausarbeitet. Da geht es morgens im Bad ab und an auch um mögliche Kürmusik. Doch Uwe Stöver steht als aktiver Reiter und ehemaliger Vorsitzender voll hinter dem Engagement und der damit verbundenen Jugendförderung. Gemeinsam schaut sich Familie Stöver immer mal wieder das Video mit dem Erfolg von Oldenburg an: „Man bekommt einfach – bei allem Stress – ein Lächeln ins Gesicht, wenn man sieht, was wir mit all dem Zeitaufwand erreicht haben.“