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Premiere mit Tücken Reaktionen auf Futsal-Qualifikationsturnier in Ganderkesee

Von Daniel Niebuhr | 20.12.2017, 13:31 Uhr

Erstmals wurde die Vorrunde zur Hallenmeisterschaft im Fußballkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst nach Futsal-Regeln gespielt. Der Unterschied ist spür- und messbar. Die SG Bookhorn richtete das Turnier in Ganderkesee aus.

Auch im Fußball können Missgeschicke lehrreich sein – auch wenn sie manchmal wehtun. Burak Yaman jedenfalls wird die Lektion, die er am Sonntag in der Ganderkeseer Halle am Steinacker bekam, so schnell nicht vergessen. Der Verteidiger spielte beim Qualifikationsturnier zur Futsal-Kreismeisterschaft mit dem KSV Hicretspor gegen Grün-Weiß Kleinenkneten, als er zwei Minuten vor Schluss gelbbelastet ausgewechselt wurde. Nur nahm er das im Futsal übliche Reservespieler-Laibchen bereits auf dem Feld entgegen, wofür er die im Futsal übliche Verwarnung sah – was in seinem Fall Gelb-Rot bedeutete, eine Sperre für die folgende Partie inklusive. Weil Hicretspor das Spiel mit 3:1 und die Gruppe mit zwölf Punkten gewann, konnte Trainer Timur Cakmak die Sache mit Humor nehmen: Man habe ja noch nie vorher Futsal gespielt: „Wir hatten unsere Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung. Für das erste Mal war das Ergebnis aber doch okay, oder?“

Zum ersten Mal Pflichtveranstaltung

Hicretspor konnte sich nicht nur mit der letztlich doch geglückten Endrunden-Qualifikation trösten, sondern auch damit, dass es in Ganderkesee viele Leidensgenossen gab. Die Futsal-Meisterschaft war zum ersten Mal eine Pflicht-Veranstaltung für die Kreis-Clubs, von denen die meisten ihr Debüt in dieser Hallen-Variante feierten. Das Fazit fiel gemischt aus, wobei sich die meisten Meinungen auffällig am sportlichen Abschneiden orientierten. Trainer Lutz Würdemann, der sich mit den Sportfreunden Littel für das Endturnier am 12. und 13. Januar qualifizierte, fand zum Beispiel: „Futsal ist als Hallenvariante nicht verkehrt. Ist mal was anderes.“ Der überraschend ausgeschiedene SC Colnrade hatte dagegen weniger Spaß. „Ich finde Futsal sehr gewöhnungsbedürftig“, meinte Coach Sascha Albers.

Schiedsrichter Michael Koch war „voll zufrieden“

Dass es gewaltige Unterschiede zwischen dem konventionellen Filzkugel-und-Bande-Hallenfußball gibt, war offensichtlich. Der Ball lief flacher durch die Reihen, heftige Zweikämpfe es kaum, dafür aber auch etwas weniger Tore. Im noch nach Hallenfußball-Regeln gespielten Qualifikationsturnier des Vorjahres fielen in den 40 Spielen 143 Treffer, also 3,6 pro Spiel. Am Sonntag waren es in ebenfalls 40 Partien 124 Treffer, 3,1 im Schnitt.

Futsal ist aber noch nicht jedermanns Sache. Kleinenkneten lief zum Beispiel mit der halben A-Jugend auf, weil viele erfahrene Kicker abgewunken hatten. Der Nachwuchs dagegen war schon Futsal-erfahren, die Regeln wurden im Jugendspielbetrieb des Kreises bereits 2010 eingeführt – bei den Herren dagegen erst jetzt und auch nur auf Druck des DFB. „Die Jungen kennen es nicht anders“, sagt Schiedsrichter Michael Koch, der mit der Premiere auch „voll zufrieden“ war: „Es gibt weniger Verletzungen, es ist technisch anspruchsvoller. Futsal ist die beste Hallenvariante und wird immer besser angenommen.“

Die sechs Qualifikanten vom Sonntag werden einen kleinen Erfahrungsvorteil haben, wenn sie am 12. Januar in die Vorrunden des Finalturniers in Sandkrug gehen. Viele ihrer Gegner werden bis dahin noch nicht einmal Futsal trainiert haben – Oberligist SV Atlas zum Beispiel. Zumindest eine kurze Regelkunde könnte vorher aber wohl nicht schaden.