Ein Angebot der NOZ

Qualtitätstest bestanden TV Hude bietet „Reha-Sport bei Krebserkrankungen“ an

Von Lars Pingel | 20.09.2017, 11:01 Uhr

Brigitte Klattenhoff hat die Gruppe „Reha-Sport bei Krebserkrankungen“ im TV Hude aufgebaut. Diese hat jetzt einen Qualitätstest bestanden.

Jeden Dienstagnachmittag treffen sich 15 Menschen in der Jahnhalle, um Sport zu treiben. „Ich bin wieder motivierter geworden, am Alltag teilzunehmen“, sagte eine Teilnehmerin am 19. September 2017 anschließend, was das Training für sie bedeutet. Sie und die anderen eint eine Diagnose, die das sehr schwer macht: Krebs. Sie und die anderen nutzen ein Angebot im TV Hude: Reha-Sport bei Krebserkrankung. Es wird von Brigitte Klattenhoff geleitet; sie hat die Gruppe gegründet. „Mein Körpergefühl ist wieder viel besser geworden“, fuhr die Teilnehmerin fort. Doch, es geht eben nicht nur darum, Muskeln zu stärken, die Koordination zu verbessern und die Ausdauer zu steigern. „Das Gruppengefühl ist sehr hilfreich“, bestätigt die Teilnehmerin. Für sie ist das Angebot, die Gruppe zu einem wichtigen Teil in der Therapie geworden. Alle anderen nickten.

Die sozialen Kontakte, die in einer solchen Gruppe entstehen, und damit die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, sind auch für die Trainerin ganz entscheidend. „Ich versuche, ein festes und gutes Gruppengefüge zu erreichen. Alle sollen zusammen turnen“, erzählt Klattenhoff, die auch Abteilungsleiterin Gesundheitssport im TVH ist. „Keiner soll ausgeklammert werden, jeder soll zufrieden nach Hause gehen.“ Deshalb, gibt sie lachend zu, wird der Trainingsplan eben nicht stur durchgezogen. „Wenn wir mal schnacken, dann schnacken wir.“ Und bei der Auswahl der Üungen für die einzelnen Einheiten, legt Klattenhoff großen Wert darauf, dass „jeder sie irgendwie machen kann“.

Lizenz muss alle vier Jahre neu beantragt werden

Klattenhoff hat eine spezielle Ausbildung mit anschließender Prüfung absolviert, um vom Behindertensportverband für die Leitung einer solchen Reha-Gruppe für Krebskranke anerkannt zu werden. Sie ist verpflichtet – das möchte sie aber auch selbst –, sich weiterzubilden. „Alle vier Jahre muss ich die Zulassung neu beantragen“, erzählte sie. Sie müsse Fortbildungen nachweisen, um sie wieder zu erhalten.

Eine Freundin, die ein solches Angebot suchte, aber nicht fand, habe sie auf die Idee gebracht, die Ausbildung zu machen, erzählte Klattenhoff. Nach dem sie diese beim Landessportbund Bremen beendet hatte, gründete sie vor vier Jahren die Gruppe.

Qualitätstest bestanden

Deshalb war die Trainingseinheit am 19. September eine besondere. Jan-Gustav Ahlers, Hauptausschuss-Mitglied und Mitglied des Fachausschusses Rehabilitationssport im Behindertensportverband Niedersachsen, hatte sie sich ganz genau angesehen. Alle vier Jahre werden Reha-Gruppen einem Qualitätstest unterzogen. „Wir kontrollieren, ob die Rahmenvereinbarungen eingehalten werden“, sagte er. In diesen wird geregelt, was erfüllt sein muss, so das Angebot als Reha-Sport anerkannt wird und damit eine Kostenübernahme möglich wird. Kriterien seien unter anderem, ob genug Geräte vorhanden und ob die Übungen zweckmäßig sind. Außerdem dürfe die Teilnehmerzahl nicht größer als 15 Personen sein.

„So können wir den Krankenkassen sagen: Wir überprüfen unsere Vereine“, erklärte Ahlers. Er wird einen Bericht über seinen Besuch beim TV Hude schreiben, der zunächst an den Verband in Hannover und dann an den Verein geht. Der über die Gruppe im TV Hude wird positiv ausfallen. „Die Einheit war toll aufgebaut“, schwärmte Ahlers. „Brigitte Klattenhoff hat das wunderbar rübergebracht. Das war ganz große klasse.“

Ein so genannter Rehabilitationsträger, zum Beispiel die gesetzlichen Krankenkassen und Träger der gesetzlichen Rentenversicherungen, übernehmen die Kosten für die Teilnahme am Reha-Sport. Diese ist nicht an eine Vereinsmitgliedschaft gebunden. Sie muss allerdings zunächst von einem Arzt verordnet und dann vom Kostenträger bewilligt werden. In der Regel können dann 50 Übungseinheiten besucht werden.

Jeder trainiert nach seiner Leistungsfähigkeit

Ein Gespräch mit einem Arzt ist sowieso sinnvoll, sagte Klattenhoff. Schließlich gilt es herauszufinden, was möglich ist, wenn der Wunsch entsteht, sich trotz oder sogar gerade wegen der Krankheit zu bewegen, Sport zu treiben. Und dann, da ist er wieder der Gruppengedanke, soll beim TV Hude eben jeder nach seiner Leistungsfähigkeit, aber gemeinsam trainieren können. Das setzt die Übungsleiterin um. „Sie geht auf jeden ein“, lobte eine andere Teilnehmerin Klattenhoff. Die nennt ihr Übungsprogramm funktionelle Gymnastik. „Der ganze Körper wird trainiert. Dazu nutzen wir auch mal Gewichte oder Tennisbälle“, sagte sie: „Wir gehen aber auch einfach mal raus und machen einen Spaziergang.“

Klattenhoff gab die Komplimente, die sie bekommen hatte, gerne zurück. „Das ist schon eine tolle Truppe“, sagte sie über ihre Dienstagsgruppe. „Wir haben sehr viel Spaß zusammen. Das ist gut, denn Lachen ist ja schließlich die beste Medizin.“ Diese Freude daran, sich regelmäßig mit anderen zu treffen und gemeinsam Sport zu treiben, ist auch der Grund dafür, dass „viele der Teilnehmer, wenn die Maßnahme beendet ist, im TV Hude bleiben“, erklärte Klattenhoff. Sie schließen sich, zum Beispiel, Nordic-Walking-Gruppen an.

Zweite Gruppe soll aufgebaut werden

Klattenhoff plant, berichtete sie noch, eine weitere Gruppe „Reha-Sport bei Krebserkrankungen“ aufzubauen. „Ich habe schon Hallenzeiten reserviert“, sagte sie. Informationen über die neue und die bestehende Gruppe können bei ihr unter Telefon 04408/983957 oder per E-Mail an Sportlich.brigitte@ewetel.net erfragt werden.