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Rückblick auf Wettkampfjahr 2017 „Ganztagsschulen werden zum Problem für Gerätturnen“

Von Kristina Müller | 04.12.2017, 22:33 Uhr

Gerätturnen im Wandel: Den Vereinen im Kreis Delmenhorst steht die Schule dem Training immer häufiger im Weg. An Wettkämpfen nehmen die Turnerinnen dennoch weiterhin teil.

Einige Medaillen, aber auch ein Rückgang der Aktiven beim Gerätturnen – auf das vergangene Jahr blickt Angelika Tebelmann, Fachwartin für Gerät- und Kunstturnen im Turnkreis Delmenhorst und Leiterin der Turnabteilung des Delmenhorster Turnerbund (DTB), mit gemischten Gefühlen zurück.

„Wenn man Leistungsturnen machen möchte, dann muss man mindestens zwei Mal pro Woche zum Training kommen“, betont Angelika Tebelmann. Das gestalte sich inzwischen aber schwieriger als noch vor einigen Jahren: „Es ist nicht mehr so leicht, die Kinder zu motivieren“, sagt sie. Die Bereitschaft der Kinder sei einfach nicht mehr so groß wie früher, zumal sie nebenbei noch vielen anderen Hobbies nachgingen.

„Schule macht vieles kaputt, geht aber vor“

Und auch die Ganztagsschule mache laut Tebelmann einen Strich durch die Turner-Rechnung, denn die Kinder seien immer länger in den Schulen. Das sei vor allem bei den Großen ein Problem. „Die Schule macht vieles beim Turnen kaputt, geht aber nun einmal vor“, erklärt die Fachwartin. „Dadurch können wir auch nicht mehr so viel erreichen, wie wir gerne würden.“

Schwierig werde es auch mit den Hallenzeiten, denn durch die Ganztagsschulen könnten womöglich auch die Hallen ganztägig besetzt werden, sodass die Sportclubs mit ihren Trainingseinheiten auf spätere Uhrzeiten ausweichen müssten. „Die Vereine wurden bei diesen Überlegungen ganz vergessen“, beklagt Tebelmann: „Ganztagsschulen sind der Vereine Tod.“

Dennoch erfolgreich bei Wettkämpfen

Die Zahl der Aktiven, die in Wettkämpfen starten, gehe im Turnbereich doch ein wenig zurück, denn auch wenn Tebelmann viele Anmeldungen verzeichnen konnte, so gebe es am Ende des Jahres auch einige Abmeldungen. „Es ist alles im Wandel“, sagt sie. Ganz so schwarz will sie es aber doch nicht sehen: „Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden und auch froh, dass wir die Wettkämpfe noch durchziehen konnten.“

Erst vor zwei Wochen holten Mädchen zwischen acht und 13 Jahre aus den Vereinen TuS Heidkrug, DTB und Delmenhorster TV einige Medaillen im Bezirksfinalwettkampf. Und auch die Kleinsten haben bereits an ihrem ersten Wettkampf teilgenommen.

Bezirksmeisterschaften auch das Ziel im neuen Jahr

Im neuen Jahr geht es dann wieder von vorne los: Im Februar starten die Turnerinnen mit den Kreismeisterschaften im Kürbereich, denn auch dort werden laut Tebelmann ab dem kommenden Jahr Qualifikationspunkte vergeben. Die Meisterschaften für den Pflichtbereich finden im zweiten Halbjahr statt.

Im April folgen die Bezirksmeisterschaften und die Kreismannschaftsmeisterschaft. Die Kreiseinzelmeisterschaften sind für Mitte September in Annenheide geplant.

Dass Delmenhorster Turnerinnen die 2. Landesebene erreichen, daran glaubt Tebelmann nicht: „Die ersten beiden Bezirksmeisterschaften, mehr wollen wir auch gar nicht. Hochtrabende Wettkämpfe wie Landesliga werden wir hier in Delmenhorst nicht schaffen.“ Dafür fehle es aber auch an der Ausstattung in den Hallen.