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Saisonstart der 2. Bundesliga Jahns Konkurrenten zwischen Vorfreude und Anspannung

Von Klaus Erdmann | 02.09.2017, 10:23 Uhr

Die Konkurrenten des TV Jahn Delmenhorst in der 2. Bundesliga der Frauen sehen einer Saison voller Druck entgegen – durch die anstehende Einführung einer eingleisigen Staffel.

Bei Mitaufsteiger FF USV Jena II und beim SV Henstedt-Ulzburg, der sich auf das dritte Jahr in der 2. Fußball-Bundesliga der Frauen, Staffel Nord, vorbereitet, ist es nicht anders als bei Neuling TV Jahn: Wer sich mit Verantwortlichen über die nahe Zukunft und bevorstehende Aufgaben unterhält, stellt schnell fest, dass sie der Saison 2017/18 mit einer Mischung aus Vorfreude und Anspannung entgegensehen. Wir haben uns mit Christian Kucharz, Coach des ersten Jahn-Gegners FF USV Jena II, und Tobias Homp, Übungsleiter der Henstedt-Ulzburgerinnen unterhalten: über Ziele, Unterschiede zwischen Regional- und 2. Liga und natürlich über den TV Jahn.

Jenas junges Team

Kucharz, dessen Mannschaft die Delmenhorsterinnen am Sonntag, 11 Uhr, zum ersten Punktspiel erwartet, erklärt, dass er momentan, eine „riesige Vorfreude“ verspüre. Man gehe die Aufgabe mit viel Demut an. Die Vorbereitung sei gut gelaufen. „Ich bin sehr zufrieden“, betont der 37-Jährige, der in sein elftes Trainerjahr geht. „Die 2. Liga ist für die jungen Spielerinnen eine tolle Sache.“

„Jung“ ist ein gutes Stichwort. Mit drei Ausnahmen, so berichtet Kucharz, gehörten die Aktiven den letzten drei U17-Jahrgängen (2000, 1999 und 1998) an. Das sehr junge Durchschnittsalter ist der Tatsache geschuldet, dass der Frauenfußball Universitätssportverein (FF USV) Jena, wie sieben weitere Clubs, mit dem ersten Team in der Bundesliga, mit der Zweiten in der zweithöchsten deutschen Spielklasse und mit den U17-Juniorinnen ebenfalls in der Bundesliga vertreten ist. Mehr geht nicht.

Fragt man Kucharz nach den Saisonzielen, antwortet er: „Wir definieren uns als Ausbildungsverein. Wir wollen die Spielerinnen an die 1. Bundesliga heranführen. Wenn sie aus der U17 rauskommen, gelingt den Spielerinnen nur sehr selten der direkte Sprung in die Erste Liga. Wir verstehen uns eher als A-Jugend.“

„Alles geht viel schneller“

Seine Elf errang den Titel in der Regionalliga Nordost nach 18 Spielen mit 45 Punkten und 79:12 Toren. Fünf Spielerinnen, darunter Marie-Kristin von Carlsburg, mit elf Treffern erfolgreichste Torschützin des Teams, haben den USV verlassen. Kucharz: „Vier, fünf Spielerinnen rücken nach. Diese Fluktuation ist seit Jahren identisch.“

Er unterstreicht, dass er im Vorfeld nicht nach dem Gegner schaue. Wichtig sei die langfristige Ausbildung, unabhängig vom Gegner. Man müsse im Spiel sehen, wohin die Reise gehe. Die Unterschiede zwischen Regional- und Zweiter Liga, so Jenas Trainer, seien bei den Frauen größer als im Männerfußball: „Alles ist professioneller. Die spielerische Qualität ist größer. Und das Tempo ist höher. Alles geht viel schneller.“

Ex-HSV-Profi Homp Trainer bei Henstedt-Ulzburg

So sieht es – neben Jahns zweiligaerfahrener Spielerin Lena Funke („Das Tempo bewegt sich auf einem anderen Niveau“) – auch Kucharz’ Kollege Tobias Homp: „Das Tempo ist deutlich höher als in der Regionalliga. Und in der Regionalliga werden mehr Fehler gemacht. Diese werden in der 2. Liga sofort bestraft.“ Hat er einen Ratschlag für Jahns Cheftrainer Claus-Dieter Meier? „Wichtig ist, dass man jedes Spiel mutig angeht. Als Mannschaft kann man viel erreichen. Und man muss an die Grenzen gehen“, lautet die Antwort von Homp, der mit dem Hamburger SV 1987 den DFB-Pokal gewann und für den HSV sowie den FC 08 Homburg 270 Spiele in der Ersten und Zweiten Liga bestritt,

Der SV Henstedt-Ulzburg stieg nach der Saison 2014/15 in die Zweite Liga auf. Mit Homp belegten die Schleswig-Holsteinerinnen anschließend zweimal den neunten Platz. „Jetzt wollen wir so lange wie möglich um Platz sieben mitspielen“, nennt 53-jährige Kieler das Ziel des SVHU.

Abstiegszone ab Platz acht

Der Grund: 2017/18 gibt es letztmals eine Nord- und eine Südstaffel. Die Mannschaften, die in diesen Klassen die Positionen zwei bis sechs einnehmen, sowie zwei Erstliga-Absteiger gehören 2018/19 der dann eingleisigen 2. Bundesliga an (14 Mannschaften). Der von Homp erwähnte Rang sieben berechtigt zur Teilnahme an einer Qualifikationsrunde. In dieser bewerben sich die Zweitliga-Siebten und sechs Regionalligisten um die beiden übrigen Plätze in der zweithöchsten deutschen Fußballklasse.

Die Einführung der eingleisigen 2. Liga erhöht bei vielen Vereinen zweifelsohne den Stress. „Das ist Wahnsinn“, sagt Kucharz. „Ich habe mich mit vielen Kollegen darüber unterhalten. Sie haben Riesenrespekt vor diesem Thema. Es herrscht großer Druck.“ Homp bestätigt diese Beobachtung: „Viele Konkurrenten haben sich sehr verstärkt und sind besser aufgestellt als wir. Bei ihnen ist der Druck größer. Vielleicht ist das ein Vorteil für uns.“