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Schach Jari Reuker mit guter Taktik und kühlen Kopf zum DM-Titel

Von Mareike Bader | 01.06.2018, 09:27 Uhr

Juri Raker trainiert eher wenig Schach, spielt dafür aber im Internet gegen andere Kontrahenten. Ein Stubenhocker ist der Gymnasiast aber deswegen nicht. Er hat viele Hobbys.

Jari Reuker ist ein typischer Jugendlicher, trifft sich gern mit Freunden, macht Sport und spielt gern im Internet – da sind es dann aber oft eben Schachpartien. Denn im Internet findet Reuker Gegner, die auf seinem Niveau sind. Der 17-Jährige ist schließlich frisch gebackener Deutscher Schachmeister in der Altersklasse U18 geworden. ( Weiterlesen: Delmenhorster Jari Reuker gewinnt U18-Titel)

Seit eineinhalb Jahren trainiere er kaum noch richtig, erzählt Reuker, der seit seiner vierten Schulklasse in Hasbergen lebt. Am meisten spielt er im Internet gegen andere Spieler – und das viel. „Aber als Training kann man das nicht bezeichnen.“ Computerprogramme als Gegner mag er nicht. „Computer spielen Welten besser als Menschen.“ Außerdem nutzt er das Internet, um Live-Streams von Partien zu sehen, gerne mit englischem oder französischem Kommentar.

Das Sprichwort „Stille Wasser sind tief“ trifft auf Reuker absolut zu. Mit vier Jahren lernte er vom Vater Schachspielen. Heute ist eine gemeinsame Partie nicht mehr möglich – der Sohnemann ist zu stark. Bei den Turnieren ist der Vater, der in der Nähe von Hannover lebt, aber immer dabei. Um gegen bessere Gegner spielen zu können, ist Reuker zum SK Union Oldenburg gewechselt, da dieser in der 2. Bundesliga angetreten ist. „Leider sind wir jetzt abgestiegen“, sagt er.

Kein Favorit bei der Deutschen Jugendmeisterschaft

Im vergangenen Jahr hatte Reuker im hessischen Willingen die offenen U 25-Jugendmeisterschaften gewonnen. Damit war er automatisch für die Einzelmeisterschaft in seiner Altersklasse qualifiziert. Allerdings war er nur an Platz sechs gesetzt. „Ich war nicht wirklich Favorit“, berichtet er.

Beim Schachspiel sei er nicht nervös, habe aber – wie jeder andere Spieler auch – Probleme mit dem Zeitdruck. Doch der Abiturient des Willmsgymnasiums behielt einen kühlen Kopf. Seinen Gegnern unterliefen stattdessen unter Zeitdruck fatale Fehler. „Letztendlich hat mir das den Sieg gebracht“, sagt Reuker. ( Weiterlesen: Teams des Delmenhorster Willms-Gymnasiums erfolgreich)

Über neun Runden, die mindestens vier Stunden dauern, ging das neuntägige Turnier. Besonders Runde fünf und sechs waren entscheidend. Da ging es gegen die beiden an Nummer zwei und eins gesetzten Spieler. Reuker agierte taktisch richtig, im Spiel gegen Raphael Lagunow (Setzplatz 2) setzte er auf Druck. Die Partie gegen Ashot Parvanyan verlief erst nicht wie gewünscht. Doch nach der überraschenden Eröffnung des Spielers aus Norderstedt opferte Reuker eine Figur und schlug zurück.

Nach dem Abitur geht es nach Taiwan

„Das ist der Höhepunkt meiner Jugendschachkarriere“, freut sich Reuker über den Titel. Gleichzeitig war dies wahrscheinlich das letzte Jugendturnier für ihn. Nach dem Abitur steht für Reuker ein Austauschjahr in Taiwan an. Dort hofft er, neben dem Schulbesuch, beim einzigen Schachclub in Taipeh als Trainer zu arbeiten. „Das steht noch nicht ganz fest“, erklärt er. Erste Erfahrungen als Trainer sammelte er bei der Jugend-Landesmeisterschaft. Die übersprang er als Spieler durch die schon erreichte DM-Quali.

Der Spaß am Schachspiel habe ihm auch in der Schule geholfen, erklärt Reuker. „Es fördert die Konzentration, das logische Denken und Rechnen.“ Die meisten Schachspieler seien auch gute Schüler, sagt Reuker. Noch wartet er auf die Ergebnisse des schriftlichen Abiturs. Wenn alles gut geht, hat der 17-Jährige einen Durchschnitt von 1,0.

Wer jetzt an einen ruhigen Stubenhocker denkt, der ständig über dem Schachbrett hängt, der hat weit gefehlt. Schule und Schach sind nicht alles für ihn. „Allgemein mach ich viel Sport“, sagt er. Bis er 14 war, spielte er Bezirksliga-Fußball beim TuS Heidkrug. Danach ist er zum Volleyball gewechselt, spielt aktuell bei der VG Delmenhorst-Stenum. Auch Musik macht er gern, spielt Gitarre, Bass, Klavier und Schlagzeug. Bald steht für ihn der letzte Auftritt mit der Schulband des Willms an, wo er Bass spielt.