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Schlusslicht der 5. Kreisklasse Delmenhorster BV II: Schlusslicht mit Sinn für Humor

Von Daniel Niebuhr | 09.06.2016, 12:58 Uhr

Der Delmenhorster BV II ist Letzter der untersten Kreisklasse – und nimmt’s gelassen. Trainer Klaus Bischoff hält das Team trotz 141 Gegentoren bei Laune.

Bei hohen Außentemperaturen sollte man unnötige Bewegungen besser vermeiden. Also blieb Andre Kade lieber an seinem Pfosten sitzen. Als der Schiedsrichter am Sonntag den Kreisklassenkickern vom Delmenhorster BV II und Borussia Delmenhorst III nach einer Stunde die ersehnte Trinkpause gewährte, trollten sich seine Teamkollegen vom DBV zur Bank in den Schatten. Torwart Kade sparte sich bei 30 Grad Mittagshitze den Weg und sammelte mit Abwehrspieler Karsten Dammeyer im Fünfmeterraum Kraft für die letzte Aufgabe der Saison. Es ging ja noch um was, es stand 3:2, der zweite Sieg lag in der Luft.

6:6 im letzten Spiel

Eine halbe Stunde später war sie dann vorbei, die denkwürdige Saison des DBV II, und immerhin krachte es zum Schluss noch einmal richtig. Das Spiel gegen Borussias Dritte endete 6:6, das gute Dutzend Augenzeugen sah allein sechs Tore in den letzten 20 Minuten – die Trinkpause hatte den Abwehrreihen also offensichtlich auch nicht geholfen. Mit diesem Unentschieden – übrigens dem torreichsten in Niedersachsen an diesem Wochenende – erhöhten die Schwarz-Gelben ihr Punktekonto immerhin für ihre Verhältnisse noch einmal radikal: Fünf Zähler stehen nun in der Abschlusstabelle, Letzter der 5. und gleichzeitig untersten Kreisklasse im Weser-Ems-Bereich wurden sie trotzdem. Was bei 141 Gegentoren in 24 Spielen auch irgendwie keine Überraschung mehr war. „Wir hatten wohl ein paar Mal Pech“, erklärt Trainer Klaus Bischoff. Und scherzt: „Wir sind nicht die Besten. Aber die Lustigsten.“

„Man schiebt sich gegenseitig an“

Widersprechen mag man da nicht. Gelacht wurde jedenfalls auch am Sonntag wieder eine Menge, und das nach nur einem Sieg bei 21 zum Teil wilden Niederlagen. Doch der DBVer an sich hat bemerkenswerte Nehmerqualitäten. „Ich will nicht lügen, manchmal war es schwer, sich zu motivieren“, sagt Bischoff – zum Beispiel Mitte Mai, als sein Team innerhalb von vier Tagen 2:12 und 1:16 verlor. Am Sonntag darauf hatte Bischoff nur elf Spieler zusammen. Ein Rückzug kam aber nie infrage, dafür war der Spaßfaktor in der erst im Sommer neu formierten Mannschaft trotz allem viel zu hoch. „Wir sind auch befreundet. Da schiebt man sich gegenseitig an“, erzählt Bischoff.

Der Delmenhorster ist der menschliche Beweis dafür, dass man die Leistung eines Trainers nicht immer an der Tabelle ablesen kann. Er ist täglich für seinen Verein unterwegs, betreut drei Jugendteams, leitet die Nachwuchsabteilung und hält nebenbei seine zweite Herrenmannschaft bei der Stange. Viele aus dieser Elf sind Eltern seiner Jugendspieler und haben auch die Lust am Kicken entdeckt. „Das sind reine Spaßfußballer, nicht gerade im besten Athletenalter“, sagt Bischoff. Dafür aber mit scheinbar unerschütterlichem Sportsgeist. Anders als die meisten Liga-Konkurrenten trainiert die DBV-Reserve zweimal in der Woche. „Da ist nicht immer ganz viel los. Aber ich will nicht klagen“, sagt Bischoff.

Trickserei mit Leihspielern fliegt auf

Einmal, vor vier Wochen, hatte er dann aber doch nicht genügend Personal. In der Partie beim VfL Stenum IV hätten die DBVer in Unterzahl antreten müssen, deshalb schummelten sie ein paar Leihspieler vom Ligarivalen SV Atlas III mit falschen Pässen ein. Die Sache flog in der Halbzeit auf, die Partie wurde beim Stand von 0:0 abgebrochen – den DBV kostete die Geschichte nicht nur eine seltene Siegchance, sondern auch eine Geldstrafe. Bischoffs fand’s so mäßig komisch: „Es ist die 5. Kreisklasse, um Himmels willen. Das wurde viel zu hoch gekocht. Laut Regelwerk hätte der Schiedsrichter uns weiterspielen lassen müssen. Der Gegner wollte ja auch noch.“

Doch die Unverwüstlichen aus Delmenhorst haben sich nicht unterkriegen lassen. In der kommenden Saison bekommen sie Verstärkung von oben. Weil die Zweite des TuS Hasbergen komplett zum DBV wechselt, wird dort aus Bischoffs Spielern und der alten ersten Mannschaft eine neue Zweite gebildet.