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Schwächstes Heimteam der Oberliga SV Atlas Delmenhorst fiebert auf zweiten Heimsieg hin

Von Daniel Niebuhr | 11.11.2017, 08:57 Uhr

Fan-Krösus SV Atlas Delmenhorst ist unerwartet die schwächste Heimmannschaft der Fußball-Oberliga. Gegen Schlusslicht Göttingen soll sich das am Samstag ändern.

Tabellen lügen angeblich nicht, sie können einen Mann aber sehr wohl bei seinem Stolz packen. Der Fußballtrainer Jürgen Hahn besitzt davon eine Menge, nach dem nur minimal gebremsten Durchmarsch mit dem SV Atlas von der Kreis- in die Oberliga zweifellos auch zurecht. Vor dem Spiel gegen die SVG Göttingen 07 am Samstag um 14.30 Uhr musste er aber verwundert zur Kenntnis nehmen, dass seine Mannschaft gerade in einer Disziplin Letzter ist, die jahrelang zu ihren Stärken gehörte: Atlas ist in der Oberliga zwar Spitzenreiter beim Zuschauerschnitt, aber gleichzeitig Schlusslicht der Heimtabelle. Sechs Punkte sammelten die Delmenhorster bisher, als einzige Mannschaft haben sie nur eines ihrer sechs Heimspiele gewonnen. „Das müssen wir sofort ändern“, fordert Hahn natürlich. Er könne aus dem Stehgreif zu jedem Spiel ausführen, woran es gelegen hat, „aber das würde zu weit führen“.

„Lust auf einen Heimsieg“

Der letzte Heimsieg – das 3:1 gegen Eintracht Celle – stammt noch aus dem August, seitdem hat auch die immer lautstarke Kulisse im Stadion an der Düsternortstraße den Neuling nicht mehr zu drei Punkten schreien können. Insofern ist das Duell mit den Göttingern ein heimliches Kellerduell, denn der ehemalige Verein des Ex-HSV-Trainers Joe Zinnbauer ist mit neun Zählern nicht nur insgesamt Letzter, sondern auch in der Auswärtstabelle. „Unabhängig davon, wo der Gegner steht, haben wir einfach Lust, unseren Fans mal wieder einen Heimsieg zu schenken“, sagt Hahn.

Er kann die Mission mit nur moderatem Druck angehen, im Gegensatz zu den Göttingern hat Atlas keine unmittelbaren Abstiegsängste zu bewältigen. Nach der unglücklichen 1:2-Niederlage zuletzt beim SC Spelle-Venhaus ist die Bilanz mit 17 Punkten – bei vier Siegen und vier Niederlagen – ausgeglichen. „Ich will lieber schnell wieder ins Plus“, sagt Hahn, der seine Spieler im Training während der Woche gar nicht aufrichten musste. „Wir wissen, dass es an uns liegt. Wir haben zuletzt zwar gut gespielt, aber nichts geholt, daraus ziehen die Jungs Motivation“, meint er: „Wir können jeden schlagen, aber in dieser Liga schlägt ja sowieso jeder jeden.“

Erstmals ohne Nick Köster

Gegner Göttingen lieferte in dieser Saison schon etliche Beispiele. Auch dank des besten Torschützen Lucas Duymelinck bezwang die Spielgemeinschaft Tabellenführer VfL Oldenburg mit 2:1 und Regionalliga-Absteiger Lupo Martini Wolfsburg mit 1:0, um dann gegen Abstiegsrivalen Punkte zu lassen. „Wer Oldenburg und Lupo schlägt, gegen die wir verloren haben, der hat Qualität“, stellt Hahn fest.

Die Qualität im eigenen Aufgebot ist ebenfalls groß, am Samstag muss jedoch mit Nick Köster der Vielspieler vom Dienst zuschauen. In Spelle holte sich der Mittelfeldmann, der nur vier Spielminuten in dieser Saison verpasste, die seit Wochen drohende fünfte Gelbe Karte ab. Marlo Siech fehlt nach seiner Zerrung in Spelle-Venhaus, seinen Part wird Hanno Hartmann übernehmen, der vor seinem ersten Startelfeinsatz steht. Sein einziges Spiel vor eigenem Publikum bestritt er übrigens beim letzten Heimsieg gegen Celle – vielleicht ein gutes Omen für Atlas.