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Sensation im Bezirkspokal VfL Wildeshausen blamiert sich in Dötlingen

Von Daniel Niebuhr | 02.08.2015, 23:13 Uhr

Kreisligist TV Dötlingen wirft den VfL Wildeshausen völlig überraschend aus dem Fußball-Bezirkspokal. Torwart Schulz wird zum Helden.

Die Fahrradständer an der Sportanlage in Dötlingen waren am Sonntagnachmittag regelrecht überfüllt. Gute 100 Anhänger des VfL Wildeshausen hatten sich bei bestem Sommerwetter auf den Weg in den Nachbarort gemacht, um den Landesliga-Aufsteiger in der ersten Runde des Fußball-Bezirkspokals beim TV Dötlingen anzufeuern – nach dem völlig überraschenden 3:6 (2:2, 0:0) nach Elfmeterschießen sah sich VfL-Trainer Marcel Bragula allerdings genötigt, eine Botschaft an die radelnden Fans zu richten. „Sie kommen extra hergefahren und müssen dann so einen unwürdigen Auftritt von uns erleben“, schimpfte er: „Ich muss mich bei jedem Einzelnen entschuldigen.“

Bragula ist bedient

Selten hat man den Wildeshauser Trainer so verbittert erlebt wie nach dieser heftigen Blamage, die die Stimmung nach bis dahin gelungener Vorbereitung schlagartig umschlagen ließ. Mit leichten Fehlern machte der Favorit dem exzellent eingestellten Kreisligisten aus Dötlingen das Verteidigen leicht. Der spielstarke Außenseiter konterte stark und war bei Standardsituationen schwer auszurechnen. VfL-Schlussmann Lauren Riedel, der Stammtorwart Sebastian Pundsack vertrat, zeichnete sich mehrfach aus, leistete sich in der 62. Minute aber – wie seine Vorderleute auch – einen Moment der Schläfrigkeit. Nach einer Ecke hinderte niemand Joole Bredehöft am Kopfball, er wuchtete den Ball zur Führung für den zwei Klassen tiefer spielenden Underdog ins Tor. Allerdings antwortete Wildeshausen fast im Gegenzug mit dem Ausgleich durch Jan Lehmkuhl. Das Spiel wurde dadurch nur offener. Wildeshausen hatte mehr Ballbesitz, Döltingen hielt aber mit Einsatz und Cleverness effektiv dagegen. „Sie haben alles richtig gemacht und wir alles falsch“, fluchte Bragula.

Kurioser Ausgleichin der Nachspielzeit

Eine Minute vor dem Ende schienen die Gäste den Pokalausrutscher noch einmal abzuwenden: Maximilian Seidel drückte einen Abpraller zur Wildeshausen Führung über die Linie. Dötlingens Coach Georg Zimmermann beorderte daraufhin Verteidiger Julian Eilers mit in die Spitze – und ihm gelang in der zweiten Minute der Nachspielzeit tatsächlich der höchst kuriose Ausgleich. VfL-Schlussmann Riedel schoss Eilers bei einem Abschlag an; der Ball ging zum 2:2 ins Tor und das Spiel ins Elfmeterschießen. „Das war natürlich Riesenglück“, fand Zimmermann. „Ich hätte mich gegen einen Landesligisten auch mit einem 1:2 zufriedengegeben. Aber den Ausgleich haben wir natürlich gern genommen.“

Im Elfmeterschießen wurde Dötlingens Hendrik Schulz zum Helden: Er parierte gegen Sascha Görke und Kevin Kari. Niklas Hiegemann traf als vierter Dötlinger Schütze und machte die Sensation perfekt. „Das war die Krönung eines wunderbaren Tages. Wir hatten 200 Zuschauer und ein tolles Spiel“, sagte Zimmermann, für dessen Verein die zweite Runde im Bezirkspokal einer der größten Erfolge der vergangenen 20 Jahre ist. Bragulas Abend war dagegen „versaut“, wie der Trainer zähneknirschend feststellte: „Meine Laune ist im Keller, das kann man sich ja wohl vorstellen.“