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Sieben Spiele, sieben Siege Der TuS Heidkrug und die Überraschung mit Ansage

Von Daniel Niebuhr | 14.09.2017, 13:17 Uhr

Fußball-Kreisligist TuS Heidkrug ist nach sieben Siegen ohne Punktverlust Kreisliga-Spitzenreiter. Dahinter stecken viel Arbeit und ein beeindruckend geschlossenes Team.

Erfolgsgeheimnisse offenbaren sich manchmal an seltsamen Orten. Wer zum Beispiel wissen möchte, warum die Fußballer des TuS Heidkrug gerade zur großen Geschichte der Kreisliga werden, könnte entweder im Oktober das Bayern-Zelt auf dem Bremer Freimarkt besuchen oder im Frühjahr in die portugiesische Provinz reisen, wo die Heidkruger wieder im Trainingslager residieren – dort, sagt Selim Karaca, würde man es dann schon sehen. „Zusammenhalt, um es einfach zu sagen“, erklärt der Trainer: „Wir sind mit 30 Leuten auf dem Freimarkt, 25 Leute fliegen auf eigene Rechnung mit nach Portugal – das sind die Zahlen, die mich wirklich stolz machen.“ Dass seine Mannschaft sieben von sieben Kreisliga-Spielen gewonnen hat, ist aber auch nicht so schlecht.

Zum letzten Mal 2013 Spitzenreiter

Ein Viertel der Saison ist bislang gespielt, und die Heidkruger sind momentan ohne Übertreibung die Sensation der Saison. Im Sommer verlor der Stadtteilclub nach Platz acht in der Vorsaison mit Patrick Klenke, Sebastian Ohde und Stefan Weber drei Routiniers und legte dafür nur punktuell nach – das Resultat: Platz eins nach sieben Spieltagen, ohne Punktverlust, dafür mit schon 28 Treffern. „Das Wort ,Spitzenreiter‘ fühlt sich schon beim Aussprechen gut an“, sagt Karaca. „Das hat man hier lange nicht gehört.“ Genauer gesagt seit über vier Jahren nicht: Tabellenführer war Heidkrug zuletzt im April 2013. „Dabei“, bekennt Karaca, „war unsere Vorbereitung ja eher trocken.“

Was aber auch ein Grund für die aktuelle Form sein kann. Karaca setzt viel auf Theorie, betreibt Videoanalyse und seziert die eigenen Spiele. „Wir versuchen, es den Spielern zu zeigen. Wer hat sich wo zu verschieben? Wo sind die relevanten Räume? Was machen wir bei welcher Standardsituation?“, erklärt er. Das seien Dinge, „die in der Kreisliga nicht unbedingt üblich sind. Aber dadurch haben wir uns taktisch enorm verbessert.“

Schon elf verschiedene Torschützen

Die Geschlossenheit war schon in den vergangenen Jahren die eigentliche Stärke gewesen, gerade treiben sie es in Heidkrug damit auf die Spitze. In fast jedem Spiel wird jemand anderes zum Helden, elf verschiedene TuS-Spieler haben bereits getroffen, damit hat die Mannschaft mehr Torschützen im Kader als sechs andere Kreisligisten Tore auf dem Konto. Der beste von ihnen ist mit Luca Reinhold ein Musterbeispiel, er spielt seit Kindesbeinen beim TuS – bei weitem nicht als einziger im aktuellen Kader. „Die Mannschaft ist über Jahre gewachsen. Wie geschlossen wir auftreten, ist aber Wahnsinn“, findet Karaca. „Das habe ich selten gesehen. Ich bin sicher, das wäre immer noch so, wenn wir mal siebenmal hintereinander verlieren würden.“

Die Gefahr droht im Moment eher nicht, auch wenn die Gegner nach dem Spiel beim TSV Großenkneten am Freitagabend VfR Wardenburg und FC Hude heißen, ebenfalls noch ungeschlagen und dazu bekennende Titelanwärter sind. Im Gegensatz zu Heidkrug. „Wir werden da oben ganz sicher nicht bleiben“, meint Karaca – und merkt mit Blick auf einige Rivalen mit einer etwas unruhigeren Transferphase an: „Andere Vereine haben da kurzfristig mehr investiert.“

Jugendarbeit der Schlüssel

Der Heidkruger Lauf ist bisher eine umso größere Überraschung – auch wenn sie irgendwie mit Ansage kam. Der TuS steht seit Jahren für eine ausgezeichnete Nachwuchsarbeit, in dieser Saison spielen A- und C-Jugend in der Bezirksliga, die B-Jugend sogar in der Landesliga – Karaca bekommt jedes Jahr frische Talente geliefert, die er teilweise selbst ausgebildet hat. In dieser Saison waren es die Mittelfeldspieler Mahmoud El-Husseini und Gabriel Kaya, der in allen sieben Spielen mitwirkte und schon zweimal traf. „Wir leisten in der Jugend ehrliche Arbeit, das wird belohnt“, sagt Karaca.

Und inzwischen auch wahrgenommen. Beim 5:1 gegen den SV Atlas II am vergangenen Wochenende kamen über 200 Zuschauer. Womöglich werden es beim nächsten Heimspiel gegen den TSV Ippener ähnlich viele, allerdings dauert das noch bis zum 15. Oktober. In der Liga stehen Heidkrug vier Auswärtsspiele in Folge bevor, gefolgt von drei Heimspielen.